„Ihr spielt wie die Schwuchteln“ – Veranstaltungsreihe zu versteckten Fouls im Fußball

„Ihr spielt wie die Schwuchteln“ – Veranstaltungsreihe zu versteckten Fouls im Fußball

Bildquelle: pixabay

TRIER. Ein Spieler begeht ein Foul, der Schiedsrichter pfeift und es gibt einen Freistoß. In schlimmeren Fällen gibt es die gelbe, manchmal die rote Karte. So kennt es der Fußballfan.

Doch neben den Regelverstößen auf dem grünen Rasen gibt es auch viele versteckte Fouls, die jenseits der Regelkunde geschehen und die weniger im Fokus vieler fußballbegeisterter Zuschauer oder Spieler stehen.

„Ihr spielt wie die Schwuchteln“, oder auch mal „wie die Mädchen“. Manche Mannschaften fehlt es auch an den „nötigen Eiern“ um ein Spiel gewinnen zu können. Das Fanprojekt Trier und der Allgemeine Studierendenausschuss, kurz Asta, der Universität Trier versucht mit ihrer Veranstaltungsreihe „Foulspiel in Zeitlupe“ diesen verbalen Fouls auf den Grund zu gehen, sie sozusagen in Zeitlupe näher zu betrachten.

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Neben „rechtsextremen Einflüssen auf den Fußball“, ihre „rassistischen und menschenfeindlichen Symbole und Botschaften“, steht die „Machobranche Fußball“ sowie offene oder versteckte Homophobie im Blickpunkt der Veranstaltungsreihe. Mit dem Ziel für einen Fußball ohne Rassismus, Homophobie und Sexismus zu werben, referieren xperten zu diesen Themen und lesen aus ihren Veröffentlichungen. Eine Ausstellung zur Entwicklung der extremen Rechten in Rheinland-Pfalz und ein humorvolles Theaterstück zum Thema „wo ist der schwule Superspieler?“ stehen dabei ebenso auf dem Programm.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist dabei kostenlos.

Übersicht der Veranstaltungen:

Ausstellung: „Tatort – Rheinland-Pfalz“
Montag 5.10. bis So 18.10.2015 / 15 – 19 Uhr / Exzellenzhaus Trier, Zurmaiener Str.114 „Tatort – Rheinland Pfalz“ – Entwicklung der extremen Rechten in Rheinland-Pfalz.

Eine Vielzahl von Demonstrationen und Kundgebungen, sinkende Mitgliedszahlen in Parteien, sowie vermehrt gewalttätige Kameradschaften bestimmen die aktuellen Trends im extremen Rechten und neonazistischen Umfeld.
Die seit über 10 Jahren fortlaufenden Versuche der Einrichtung von Schulungszentren, Überfälle und Hetzjagden auf Minderheiten und politische Gegner, Verteilung von gewaltverherrlichenden Medien vor Schulen, Anbiederung an soziale Bewegungen ergeben viele Gründe, sich mit der Entwicklung der extremen Rechten in Rheinland-Pfalz näher auseinander zu setzen.

Auf 22 Tafeln wird in der Ausstellung „Tatort – Rheinland-Pfalz“ auf anschauliche Weise die Wirkungsmacht dieser kleinen Gruppen, ihre Einstellungen und Vorurteile sowie auch ihre Entstehungsbedingungen dargestellt.

Für Gruppen oder Schulklassen sind individuelle Termine auch nach Vereinbarung möglich.

Vortrag: „Das braune Leder – Fußball im Fokus der Rechtsextremen!“
Donnerstag 8.10.2015 / 18 Uhr / Exzellenzhaus Trier, Zurmaiener Str.114 Dr. Lutz Neitzert: „Das braune Leder – Fußball im Fokus der Rechtsextremen!”

Neben aktuellen rechtsextremen Entwicklungen im Fußball, auf deren Hintergründe und Akteure Dr. Lutz Neitzert ausführlich eingehen wird, wird ein Bogen gespannt beginnend mit der Entstehung der neonazistischen Jugendszene im englischen Hooligan Milieu der 70er Jahre über die Aktivitäten vor allem der NPD im Umfeld der Fußball Bundesliga seit den 80ern bis hin zum aktuellsten Stand der Dinge. Außerdem werden dabei explizit die zahlreichen einschlägigen rechtsextremen Rockbands im Fokus stehen.

Zusätzlich soll der Blickwinkel auf die heute allzu oft beinahe “faschistoide” Darstellung des Fußballs in „ganz normalen Medien“ ein wenig geöffnet werden.

Vortrag: „Umgang mit rechtsextremen Symbolen und Botschaften“
Mittwoch 14.10.2015 / 18 Uhr / Exzellenzhaus Trier, Zurmaiener Str.114 Wilhelm Friedrich: „Umgang mit rechtsextremen Symbolen und Botschaften“

Sozialarbeiter Wilhelm Friedrich arbeitet seit Jahren mit jungen Menschen, die in den Einflussbereich extremistischer, insbesondere rechtsextremistischer Gruppierungen gelangt sind. Sein Vortrag greift auf vielfältige Erfahrungen in der alltäglichen sozialpädagogischen Arbeit mit dieser Zielgruppe zurück und gibt darüber hinaus einen interessanten Einblick in den Umgang dieser Gruppen mit rechtsextremen Symbolen und Botschaften.

Vortrag: „‚Machobranche Fußball!‘ – Über traditionelle Geschlechterrollen in einem männlich dominierten Sport.“
Donnerstag 5.11.2015 / 18 Uhr/ Exzellenzhaus Trier, Zurmaiener Str.114 Martin Thiele: „Machobranche Fußball!“ – Über traditionelle Geschlechterrollen in einem männlich dominierten Sport.

Der moderne Fußball ist nicht nur irgendein männlich dominierter Mannschaftssport, sondern gilt in ganz Europa als der Männlichkeitssport schlechthin. „Richtige“ Männer, so die einhellige Meinung, interessieren sich für Fußball und sehen sich mit anderen Männern Fußballspiele im Stadion oder im Fernsehen an. Im besten Fall üben sie das Fußballspiel auch selber aus.

Der Vortrag von Martin Thiele möchte dem Androzentrismus des Fußballsports auf den Grund gehen und erläutert, wie die symbolische Einheit von Fußball und Männlichkeit, die keinesfalls in der Natur der Sache liegt, zustande kommt. Zugleich soll herausgestellt werden, wie sich hegemonialen Männlichkeitsmuster im Fußball darstellen und durch welche Bedingungen sie aufrechterhalten und stabilisiert werden, bzw. woher sie ihre Selbstverständlichkeit beziehen kaum hinterfragt zu werden.

Fußball wird hierbei als ein männlich-homosozialer Raum begriffen, der sich über männliche Konkurrenzverhältnisse und über die Abwertung von Frauen und schwulen Männern definiert.

Vor diesem Hintergrund soll die Überlegung getätigt werden, wie kritische Fanpolitk aussehen kann, die zur Irritation und damit zu einer „Ent-Selbstverständlichung“ der Machobranche Fußball beiträgt.

Lesung: „Der Versteckspieler – Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban“
Dienstag 10.11.2015 / 20 Uhr / Exzellenzhaus Trier, Zurmaiener Str.114 Marcus Urban: „Der Versteckspieler – Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban“

Homosexualität gilt als letztes Tabu im Profifußball. Aus Furcht vor öffentlichen Reaktionen hatte sich bis zu Thomas Hitzlspergers Outing im Januar 2014 kein namhafter Spieler geoutet. Marcus Urban brach als einer der Ersten das Schweigen. Einst galt er als eines der größten Talente des ostdeutschen Fußballs. Sport zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben, war Abenteuer und Befreiung, zugleich aber eine schwere Kette für seine persönliche Entwicklung. Weil Urban um seine Zukunft als Fußballer fürchtete, verschwieg er seine Homosexualität.

In seinem Buch „Der Versteckspieler“, aus dem Marcus Urban lesen wird, schildert er diese schwierige Situation und seine seelische Zerrissenheit, aus der er sich erst spät befreite. Marcus Urban will dazu beitragen, dass dieses letzte Tabu im Fußball fällt, weitere Spieler seinem Beispiel folgen und Homosexualität auch im vermeintlich „männlichen“ Sport als etwas ganz Normales betrachtet wird.

Theaterstück: „Steh Deinen Mann“ – …auf der Suche nach dem schwulen Superspieler?“
Montag 23.11.2015 / 20 Uhr/ Exzellenzhaus Trier, Zurmaiener Str.114 Boat people projekt: „Steh Deinen Mann“ – …auf der Suche nach dem schwulen Superspieler?

„Steh deinen Mann“ präsentiert auf humorvolle Weise die fiktive Biografie eines Sportlers, der als Amateur auf dem Dorf Fußball spielt. Aufgewühlt durch Hitzlspergers Coming-Out und der Statistik 10 Prozent aller Männer seien homosexuell, macht sich Fußballfan Matthias auf die Suche nach dem „schwulen Superspieler“ in seinem Verein. Dazu lässt er sein Sportlerleben Revue passieren und versucht sich an Situationen zu erinnern, in denen sich Mannschaftskameraden ungewöhnlich verhielten. Gab es Anzeichen, die den Schwulen zu erkennen geben? Bei seiner Suche trifft er auch auf König Fußball. Dieser möchten seinen heiligen Fußball vehement vor Komplikationen schützen.

LESERMEINUNGEN

  1. ps. scheint ja schon zu fruchten, das ganze Projekt, gerade wird draußen vor der Porta was von Saarlandschweinen ec… , gegrölt,oder muß hier einfach Kohle rausgeschmissen werden, damit einige
    wenige Zeitgenossen,finanziert werden müssen, steckt das Geld doch lieber in die Willkommenskultur!!

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