„He’s Sweeney“ – Musical-Thriller feiert Premiere in Trier

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Anna Verit und Christopher Ryan, Foto: Andrea Peller

Bildquelle: Theater Trier

TRIER. Der Musical-Thriller „Sweeney Todd – He’s Sweeney“, mit Norman Stehr in der Hauptrolle, feiert am 27. September im Walzwerk in Trier-Kürenz seine Premiere.

Norman Stehr ist Sweeney! Die Rolle des mordenden Barbiers aus dem schaurigen London des 19. Jahrhunderts scheint dem in Nürnberg geborenen Hamburger Jung – in der Hansestadt wuchs Stehr auf, nachdem er als Baby adoptiert worden war – geradezu auf den Leib geschneidert zu sein. „Die Figur hat eine enorme Fallhöhe“, sagt Stehr. Wie so oft gehe es auch hier um Sehnsüchte, das Suchen und Finden, um persönliche Wege, Umwege und Sackgassen und – um vermisste Liebe.

Wenn Stehr also bei der Premiere von SWEENEY TODD am 27. September (19.30 Uhr) auf der abgeschrägten Bühne im alten Trierer Walzwerk steht, spielt und singt, dann will er eines erreichen: „Sweeney muss ein Sympathieträger bleiben!“ Auch wenn Leichen dessen Weg pflastern. „Das Publikum“, sagt der Hauptdarsteller, „sollte am Ende im Gefühl nach Hause gehen, dass dieser Sweeney ein Opfer der Umstände in einem bestimmten sozialen Umfeld ist.“

Norman Stehr ist Sweeney Todd, hier auf dem Trierer Viehmarkt // Foto: Theater Trier
Norman Stehr ist Sweeney Todd, hier auf dem Trierer Viehmarkt // Foto: Theater Trier

Vor 25 Jahren stand Stehr zusammen mit Karl Sibelius auf der Bühne in Klagenfurt. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine dauerhafte künstlerische Beziehung, auch wenn beide sich zwischendurch aus den Augen verloren. Stehr spielte den Sweeney vor zwei Jahren schon unter der Regie von Rose Divine alias Karl M. Sibelius im Theater an der Rott in Eggenfelden. Die Oberösterreichischen Nachrichten sprachen damals von einem „Theater-Wunder“. Jetzt spielt Stehr den mordenden Barbier in Trier – erneut unter der Regie des Trierer Intendanten und dessen Alter Ego Rose Divine.

Inzwischen ist nicht nur das Stück, sondern auch Sweeney Todd gereift. Und mit ihm Norman Stehr. „Die Figur fühlt sich jetzt neu und besser an, sie fühlt sich sogar sehr gut an“, sagt der Hamburger Jung. Jene Figur des Barbier Benjamin Parker also, der 15 Jahre nach seiner unrechtmäßigen Verbannung unter dem Decknamen Sweeney Todd nach London zurückkehrt, um sich an dem damals verantwortlichen Richter Turpin zu rächen.

Von Mrs. Lovett, die eine Pastetenbäckerei unter Todds ehemaligem Salon führt, erfährt er, dass seine Frau Lucy von Turpin vergewaltigt worden ist und so in den Selbstmord getrieben wurde, woraufhin der Richter Todds Tochter Johanna als Mündel zu sich genommen hat. Sweeney Todd eröffnet nun wieder seinen Salon, in der Hoffnung, Turpin als Kunden anzulocken, um sich dann an ihm zu rächen.

Doch die langsam anschwellenden Rachegelüste ufern in eine unkontrollierbare Gier aus: Leichen pflastern Sweeneys Salon. Aber die eifrige Mrs. Lovett weiß Rat bei der Entsorgung – ihre neuen Fleischpasteten werden zum Verkaufsschlager … Um der steigenden Nachfrage in der Bäckerei hinterher zu kommen, lässt Sweeney fortan Kunden verschwinden. Bis die Rache an Richter Turpin endlich vollzogen ist, werden viele unschuldige Kehlen dem Rasiermesser von Sweeney Todd zum Opfer fallen.

SWEENEY TODD ist ein Paradestück des schwarzen Humors, eine Schauerballade aus dem 19. Jahrhundert, ein Musical-Thriller der feinen britischen Art – vom weltberühmten amerikanischen Komponisten und Texter Stephen Sondheim. In SWEENEY TODD stecken das leise Lachen der Verzweiflung und die Sehnsucht nach einem besseren Leben. „Das, sagt Stehr, „ist das Elementare an diesem Stück: Das Warten kann nämlich manchmal brachial ausgehen.“

Intendant Sibelius hat Sondheims Musical-Thriller zeitgemäß ins Deutsche übersetzt. Bei der Premiere präsentiert sich erstmals das neue Trierer Musical-Ensemble. Und das nicht nur schauspielerisch und gesanglich. Die Darsteller spielen alle Instrumente selbst – Sidonie Smith (Johanna) lernte dafür sogar eigens Harfe –, sind somit quasi ihr eigenes Orchester und zudem auf der Bühne stets präsent.

Stehr ist vom Erfolg des Stückes auch in Trier überzeugt. „Dieser Sweeney sitzt passgenau im neuen Motto ‚Verrückt Euch!‘, sagt der Mann, der einst im Modernen Fünfkampf für Olympia trainierte und sich später überlegte, Lehrer zu werden. Dass er schließlich Schauspieler, Sänger und Tänzer wurde, hat er nie bereut. „Auch auf der Bühne werfen wir uns den Ball zu“, sagt Stehr. Von der Perfektion können die Zuschauer sich vom 27. September an überzeugen. Insgesamt neun Mal wird SWEENEY TODD im alten Trierer Walzwerk aufgeführt.

Gesamtkonzeption und Regie: Karl M. Sibelius alias Rose Divine
Musikalische Leitung: Hariklia Apostolu
Ausstattung: Tobias Flemming
Video: Katarina Eckold
Regiemitarbeit, Produktionsleitung: Ulla Wentenschuh
Mrs. Lovett (Percussion): Carin Filipcic
Sweeney Todd: Norman Stehr

Pirelli: Martin Kiener
Toby: Thomas Huber
Johanna: Sidonie Smith
Anthony: Christopher Ryan

Richter Turpin: Gerhard Karzel

Büttel Barnford: Konstantin Riedl
Bettlerin: Anna Veit
Mrs. Fogg: Hariklia Apostolu

Mrs. Nightingale: Cornelia Hain

Eine Koproduktion mit dem theater // an der rott.
Weitere Aufführungstermine
1./4. (18 Uhr) /6./13./14./15./22. und 28. Oktober 2015, 19.30 Uhr Walzwerk Trier-Kürenz.

3 KOMMENTARE

  1. Erlauben Sie mir eine kleine Korrektur: Norman Stehr spielte den Sweeney im theater // an der rott nicht vor 25 sondern vor 2 Jahren.
    Glg. Karl Sibelius

  2. Liebe Kollegen,

    da ist Ihnen etwas durcheinander geraten: Die Aufführung mit Norman Stehr in Niederbayern war nicht vor 25 Jahren, sondern im Januar 2014, hier ist die Kurzfassung meiner Kritik dazu (scheint sich um eine Wiederaufnahme der Produktion vom Theater an der Rott zu handeln):
    Diehttp://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_rottal_inn/eggenfelden/1167826_Das-Rottaler-Theaterphaenomen-Sweeney-Todd-sagenhaft.html
    Viele Grüße
    Raimund Meisenberger,
    Ressortleiter Feuilleton der Passauer Neuen Presse

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