Liebe darf durchaus spielerisch und lustvoll sein – Bilderzyklus zum Hohelied in der Basilika

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Die Palastaula

Bildquelle: Presseamt Trier, Marlies Lehnertz-Lütticken., ekkt.de

TRIER. 36 mal anderthalb Meter. 54 Meter aneinandergereiht an der Seitenwand der Konstantin-Basilika, der Evangelischen Kirche zum Erlöser – so stehen sie da, die Bilder des Flensburger Künstlers Uwe Appold. Selbst für die Basilika, insgesamt 71 Meter lang, ist das beachtlich. Und beachtlich ist auch die Farbenpracht, welche der Bilderzyklus zum Hohelied Salomos ausstrahlt. Am vergangenen Samstag ist die Ausstellung offiziell im Rahmen einer feierlichen Vernissage eröffnet worden; bis zum 1. November kann man sich selbst ein Bild davon machen.

„Dies ist eine Welturaufführung“, betonte Frieder Lütticken von der Evangelischen Kirchengemeinde Trier und einer der Organisatoren der Veranstaltung. „Es brauchte schon eine Kirche dieses Ausmaßes, um alle Bilder des Zyklus nebeneinander zeigen zu können“, so Lütticken weiter. Johannes Rau, für das Bistum Trier mit im ökumenischen Vorbereitungsteam, brachte zudem den inhaltlichen Gehalt der Bilderreihe auf den Punkt: „Es geht um die Faszination des Hoheliedes Salomo, es geht um Lust – und um Liebe, um die so viele ringen und Lebensengagement wagen.“ Uwe Appold habe in seinem Bilderzyklus das Hohelied „brillant interpretiert“, so Rau weiter. Es sei wünschenswert, dass die Besucherinnen und Besucher das Hohelied nun neu entdecken, denn: „So könnte auch Ihre Liebe wachsen und sich entfalten und werden zu dem, was sie ist: Eine Offerte Gottes.“

Frieder Lütticken, Uwe Appold und Johannes Rau / Foto: Marlies Lehnertz-Lütticken
Frieder Lütticken, Uwe Appold und Johannes Rau / Foto: Marlies Lehnertz-Lütticken

Uwe Appold zeigte sich sichtlich angetan: „Es ist eine große Freude, die 36 Bilder nebeneinander zu sehen, so, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Es ist wie ein Buch, das sich entfaltet – und genauso ist es gedacht.“ Rund 13 Jahre hat der Flensburger Künstler für die Bilder gebraucht – ursprünglich geplant waren drei, vielleicht vier Jahre für den Bilderzyklus zum biblischen Buch Hohelied. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem biblischen Text, dem Entstehungshintergrund und den vorkommenden Motiven, bestimmte seine Arbeit und zeigt direkten Einfluss auf die Werke: „Ich habe mich anregen lassen von den Farben, welche die Worte mir gegeben haben“, erläuterte Appold weiter seine Vorgehensweise. Und das wird bei jedem einzelnen Bild deutlich – handelt es sich dabei doch um sogenannte Dipthychen, zwei dialogisch miteinander verbundene Flächen. Eine logische Wahl, so Appold: „Wenn ich über die Liebe arbeite, brauche ich zwei Flächen, eine wäre nicht ausreichend.“ Eine der beiden Flächen ist dabei immer der dem jeweiligen Text entnommenen Farbe vorbehalten, getrennt sind beide Flächen durch einen Spalt: „Nähe und Distanz, getrennt sein und sich wieder näher kommen, genau darum geht es doch“, so Appold. Aber nicht nur darum: „Das große Geschenk Gottes an die Menschen ist die Liebesfähigkeit“, fasst der Künstler zusammen; dies gelte es in den Wandel der Zeit, auch in unsere Zeit mitzunehmen. Denn in einer immer freizügiger werdenden Gesellschaft sei deutlich zu machen: „Die Liebe ist kein Spiel – deshalb ist der heilige Ernst der Liebe auch so entscheidend.“

Reveriano Camil, und Felizia Roth / Foto: ekkt.de
Reveriano Camil, und Felizia Roth / Foto: ekkt.de

Spielerisch und lustvoll darf Liebe aber durchaus sein – das unterstützte nicht nur die Präsentation der Ausstellung, welche durch die an die Bilder angelehnten Improvisationen in Tanz und Musik, dargeboten von den Künstlern Felizia Roth, Reveriano Camil, Maria Kulowska und Armin Neises, ebenso wie durch die interpretierenden Orgelklänge Martin Bambauers sowie die szenisch angelegten Textlesungen von Sarah Rau und Michael Maus abgerundet wurde. Auch Pfarrerin Wiebke Dankowski betonte in ihren exegetischen Überlegungen zu dem im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umstrittenen Hohelied: „Wir haben es mit Liebesliedern zu tun. Sie vermitteln uns Freude, Lust und Genuss an den Schöpfungswerken Gottes und innerhalb derer besonders auch an der erotischen Anziehungskraft der Geschlechter und an der sexuellen Erfüllung.“ Die Aufnahme des Textes in den biblischen Kanon könne, so Dankowski, auch das Ziel gehabt haben, „mit der positiven Würdigung der menschlichen Sexualität“ den körperfeindlichen Tendenzen nicht nur der damaligen Zeit ein klares Votum entgegenzusetzen. Für die heutige Zeit ließen sich dem Hohelied auch einige wichtige Impulse entnehmen.

Das Hohelied mache deutlich, dass das Menschenbild der Bibel eben nicht von Leibfeindlichkeit geprägt sei, sondern einen positiven Zugang zu der „existentiell wichtigen Dimension von Sexualität“ vermittle, die helfen könne, diese adäquat zu würdigen. Auch zeichne sich, so Dankowski weiter, das Hohelied durch eine „dichterisch gelungene Ausdrucksweise“ aus, die zur „inspirierenden Quelle“ werden könne. Denn aller Enttabuisierung zum Trotz erlebe sie heute eine wenig gelungene Sprachfähigkeit in diesem Bereich, so die Trierer Pfarrerin weiter. Und nicht zuletzt sei der größte Teil der Lieder aus der Perspektive der Frau geschrieben, die ihre „Sehnsüchte, Eindrücke vom Geliebten, ihr Wünschen und Wollen unverblümt zum Ausdruck bringt.“ Dies könne gerade für Frauen ermutigend sein, betonte Dankowski.

„Als Trierer möchte ich mich ausdrücklich bei Uwe Appold bedanken. Er hat das Hohelied in Trier lebendig werden lassen; viele Menschen haben sich bereits mit diesem Buch der Bibel auseinander gesetzt“, fasste Lütticken zusammen. Denn die Ausstellung ist nur ein Punkt im umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit dem Titel „shir – das Hohelied Salomos“ – wenngleich sicherlich ein Höhepunkt. Zahlreiche Veranstaltungen hat das ökumenische Vorbereitungsteam, zu dem neben Frieder Lütticken und Johannes Rau auch Micha Flesch vom Bistum Trier, die für die Schulen zuständigen Referenten Dr. Christopher König (Evangelischer Kirchenkreis Trier) und Jakob Kalsch (Bistum Trier) sowie Lehrerinnen und Lehrer der Trierer Gymnasien gehören, vorbereitet und koordiniert. Die Schulen spielten dabei eine besondere Rolle: In der „Woche der Schulen“ haben sich Schülerinnen und Schüler bereits im Vorfeld zu der Ausstellung mit dem Hohelied und dem Thema „Liebe“ allgemein auseinandergesetzt – und ihre ganz eigenen Beiträge dazu in Bild, Wort und Ton erstellt. Diese werden ab Sonntag, 27. September 2015, Vernissage um 17 Uhr, ebenfalls in der Konstantin-Basilika zu sehen und zu hören sein. Denn der Dialog mit seinen Bildern liegt Uwe Appold besonders am Herzen: „Ich wünsche Ihnen einen guten Dialog – mit den Bildern, mit dem Text“, so Appold abschließend.

Weitere Informationen

Neben der Ausstellung in der Basilika und der „Woche der Schulen“ bietet die Veranstaltungsreihe „shir- das Hohelied Salomos“ zahlreiche weitere Veranstaltungen bis November –ein Kurstag für Paare unter dem Motto „Ein werden – Zwei bleiben“, eine Matinee zum Thema „Was bedeutet Familie heute“ sowie ein Krabbel- aber auch ein Jugendgottesdienst sind nur einige Beispiele. Das vollständige Programm finden Sie unter www.konstantin-basilika.de

Zur Person Uwe Appold

Uwe Appold, geboren 1942 in Wilhelmshaven. Bildhauer, Designer, Maler. Seit 1962 Ausstellungen im In- und Ausland. 1975 Stipendiat des Landes Schleswig-Holstein – Aufenthalt in Paris. 1980 Kulturpreis der Stadt Wilhelmshaven. 1985 Berufung in den Deutschen Werkbund. Verschiedene Lehrtätigkeiten, u.a. auch an der Nationalakademie in Hangzhou/China für abstrakte Malerei. Bis 2006 lehrte er an der Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg. Uwe Appold lebt und arbeitet in Norddeutschland.

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