Fische aus dem Spanger Bach am stärksten belastet

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Symbolfoto

Bildquelle: Pixabay

KOBLENZ/SPANGDAHLEM. Ein viel diskutiertes Thema ist die Belastung der Gewässer durch Perfluorierte Tenside (PFT) um die Flugplätze Spangdahlem und Bitburg. Bereits seit 2011 werden die Gewässer um den Flugplatz Spangdahlem durch zahlreiche Messstellen systematisch und kontinuierlich beobachtet. Es finden Informationsveranstaltungen statt und ein enger Austausch mit der U.S. Air Force, Bundes- und Landesbehörden und den betroffenen Kommunen.

Nachdem die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord Beprobungen der Gewässer im Umfeld der Flugplätze Spangdahlem und Bitburg durchgeführt hat, wurden im April und Mai diesen Jahres Fischuntersuchungen der Fließgewässer durchgeführt. Dabei wurden Strecken in der Nims, Salm sowie dem Spanger und Kailbach untersucht, in denen eine Belastung vermutet werden könnte. In den Gewässern Nims und Salm wurden zudem freifließende Teilabschnitte untersucht. Die Kyll wurde nicht analysiert, da hier bereits Ergebnisse von Fischuntersuchungen aus dem Jahr 2012 vorlagen. Bei einer Untersuchung im Jahre 2012 lagen die Werte der Fischuntersuchungen in der Kyll bei 200 µg/kg PFOS/kg.

Die aktuellen Untersuchungen wurden in enger Abstimmung mit den örtlichen Angelvereinen und Fischpächtern durchgeführt, die die SGD Nord auch durch den Fang der Fische unterstützten.

In allen 16 Fischproben wurden Belastungen festgestellt. Die Hauptbelastung besteht durch den Einzelstoff Perfluoroctansulfonsäure (PFOS).

Die stärkste Belastung der aktuellen Untersuchung weisen die Fische aus dem Spanger Bach mit einer Durchschnittsbelastung von über 80 µg PFOS/kg Fischfilet auf. An Fischen aus diesem Gewässer findet sich auch der höchste Einzelwert mit 134 µg PFOS/kg Fischfilet.

Dies ist eine Überschreitung der anzustrebenden EU-Umweltqualitätsnorm von 9,1 µg/kg PFOS/kg. Auch in Fischen in der Salm, unterhalb der Mündung des Kailbachs wurden erhöhte Werte von circa 40 µg PFOS/kg Fischfilet gefunden. Die gefundenen Belastungen liegen damit etwa doppelt so hoch wie im Kailbach. Hier wiesen die Fischproben einen Durchschnittswert von circa 17 µg PFOS/kg Fischfilet auf. Die SGD Nord wird noch weitere Rückstellproben von Fischen aus der Salm analysieren lassen.

Erfreulich ist, dass bei allen anderen überwachten Gewässerstrecken die gefundenen Werte deutlich unter der EU-Umweltqualitätsnorm liegen.

Auf Wunsch der örtlichen Angelvereine hat die SGD Nord ergänzend die Beprobung von Fischen aus den Angelteichen und -seen im Nahbereich des Flugplatzes Spangdahlem in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden im September gemeinsam mit den Ergebnissen der Untersuchungen an den Rückstellproben aus der Salm erwartet. Die SGD Nord geht davon aus, dann auch über den Fortgang der Untersuchungen auf dem Flugplatz und die Einrichtung der Grundwassermessstellen in Richtung des Brunnen Beilingen informiert werden kann. Die Experten der SGD Nord sichern zu, dass alle neu gewonnenen Erkenntnisse öffentlich gemacht werden.

Vordringliches Ziel ist der Schutz der menschlichen Gesundheit. Deshalb gibt die SGD Nord folgende Verzehrempfehlung für Fische heraus:

Für Fische aus dem Spanger Bach sollte eine Person mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm nicht mehr als 300 Gramm Fischfilet binnen eines Monats verzehren. Gleiches gilt für den Verzehr von Fischen aus der Kyll, für die bereits 2012 eine Verzehrempfehlung herausgegeben wurde.

Die Verzehrempfehlungen und detaillierte Daten zu den Fischuntersuchungen sind auf der Homepage der SGD Nord unter http://sgdnord.rlp.de/pft abrufbar.

Zum Hintergrund

Das Land Rheinland-Pfalz untersucht seit 2007 landesweit Grundwasser und Oberflächengewässer auf PFT. Seit 2011 werden die Gewässer um den Flugplatz Spangdahlem systematisch beobachtet. Um eine Gefährdung auch für die Zukunft auszuzuschließen, sind Vorsorgemaßnahmen eingeleitet worden. Etwa seit einem Jahr arbeitet eine Expertengruppe aus deutschen Behörden und amerikanischen Experten des Flugplatzes Spangdahlem daran, mögliche Quellen für die Belastungen zu identifizieren und Sanierungsmaßnahmen zu erarbeiten. Da es sich bei PFT um langlebige Verbindungen handelt, die inzwischen in der Umwelt weit verbreitet sind, sind schnelle Lösungen nicht zu erwarten.

Perfluorierte Tenside (PFT) werden seit einem halben Jahrhundert in vielen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt. PFT wird industriell hergestellt und kommt nicht natürlich in der Umwelt vor. Bekannt geworden sind PFT insbesondere über ihre Verwendung in Feuerlöschschäumen. Wegen ihrer besonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften werden sie aber auch in Galvaniken, in der Fototechnik, bei der Beschichtung von atmungsaktiven Textilien und in Hydraulikflüssigkeiten für die Luftfahrt eingesetzt.

Die technischen Vorteile der PFT wirken in Hinblick auf ihre Umwelteigenschaften negativ. Sie sind chemisch sehr stabil und reichern sich daher in der Umwelt und in tierischem Gewebe an. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Daher wird die Umwelt von den zuständigen Behörden sorgfältig auf mögliche PFT-Belastungen hin überwacht, festgestellte erhebliche Belastungen müssen dann saniert werden.

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