Lidia aus Bolivien hilft Menschen mit Behinderung im Hofgut Serrig

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Lidia und Susanne arbeiten gemeinsam auf dem Hofgut in Serrig

SERRIG. Es klackert als Lidia Herrera Galarza in einen Bottich mit metallenen Halteklammern greift. Die 23-jährige Bolivianerin legt die Teile der Reihe nach auf ein schwarzes Brett vor sich. 50 Stück passen darauf. Lidia sitzt mitten in der Montagehalle im Hofgut Serrig.

Neben ihr arbeiten 26 Menschen mit Behinderung. Die junge Frau hilft ihnen bei der Arbeit, unterstützt sie, wo sie Hilfe brauchen, oder steht einfach zum Gespräch bereit. Noch bis Ende Januar engagiert sich Lidia dort – als Freiwillige der Sozialen Friedensdienste im Ausland (SoFiA) im Bistum Trier. Über die Organisation leisten derzeit insgesamt zwölf junge Leute aus Lateinamerika, Afrika und Osteuropa einen Freiwilligendienst in sozialen Einrichtungen im Bistum Trier.

Im Hofgut Serrig leben und arbeiten insgesamt 170 geistig und mehrfach behinderte Menschen. Lidia ist im Bereich „Montage und Verpackung“ tätig. „Hier kann ich helfen, deutsch sprechen und lachen“, sagt Lidia. Daher mache ihr die Arbeit mit den Menschen mit Behinderung sehr viel Spaß.

Ihre dunklen Augen glänzen. Eine Lieblingsaufgabe hat sie nicht. Ob Teile sortieren, Schachteln etikettieren oder den Mitarbeitern erklären, wie eine spezielle Arbeit geht. „Bei allem habe ich mit Menschen zu tun.“, sagt sie. „Und zwischendurch machen wir oft auch Witze.“ Am Anfang habe sie zwar oft nicht so viel verstanden, mittlerweile klappt es mit dem Deutsch aber sehr gut. Vier Tage die Woche ist sie in der Einrichtung. An einem Tag gibt sie zudem am Gymnasium Saarburg Spanisch-Unterricht. In Saarburg hat sie ihr Zimmer bei einer Gastfamilie.

Eigentlich studiert Lidia Pharmazie in Sucre im bolivianischen Departmento Chuquisaca. Dabei wird sie unterstützt von der Stiftung „Solidarität und Freundschaft Chuquisaca-Trier“, Partner des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) des Bistums Trier im Rahmen der seit 55 Jahren bestehenden Bolivienpartnerschaft. In ihrem von der Stiftung getragenen Wohnheim hat Lidia von der Möglichkeit eines Freiwilligendienstes in Deutschland erfahren.

„Und ich habe sofort gesagt: ja“, erklärt sie rund eineinhalb Jahre später immer noch begeistert. Sie bewarb sich bei SoFiA. Als die Reise feststand, sei ihre Mutter „etwas traurig“ gewesen, sagt Lidia. „Dann hat sie aber gesagt: Ist gut.“ Und bei ihren sieben Geschwistern weiß Lidia ihre Mutter auch in guten Händen.

Die lebensfrohe Bolivianerin kommt aus einem Ort mit 8.800 Einwohnern, rund fünf Stunden Autofahrt von Sucre entfernt. „Und das ist noch sehr nah, verglichen mit anderen Orten“, beschreibt Lidia die geographischen Verhältnisse in Bolivien. Von deutschen Freiwilligen in Bolivien habe sie schon gehört, dass man in Deutschland mit der Bahn schnell von einem Ort zum nächsten komme. „Darauf habe ich mich sehr gefreut. Und ich genieße es.“ So ist sie etwa in nur 20 Minuten von Saarburg in Trier.

In der Werkstatt im Hofgut Serrig mischt sich im Hintergrund das Geräusch von brummenden Maschinen mit moderner Popmusik. Lidia wirft die 50 Halteklammern vor ihr in einen Karton. Dann steht sie auf, nimmt ihren Karton und bringt ihn zu Susanne. Die 29-Jährige steht vor einer Waage und wiegt noch mal ab, um sicher zu gehen, dass wirklich 50 Stück der Halteklammen in dem Karton sind. „Das ist gut so“, sagt sie zu Lidia. Und: „Schön, dass du mit uns arbeitest.“

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