CDU und Unternehmen fordern bessere Berufsorientierung an Schulen

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Symbolfoto

Bildquelle: pixabay

MAINZ. Die vier rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) haben am Mittwoch in Mainz die Ergebnisse ihrer aktuellen Ausbildungsumfrage vorgestellt. Demnach wollen 80 Prozent der Unternehmen die Zahl der Ausbildungsplätze auf dem heutigen Niveau belassen oder ihr Angebot sogar erhöhen. Hauptgrund hierfür ist mit 91 Prozent die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig konnte jedes dritte Unternehmen im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.

Dieser Wert hat sich gegenüber der letzten Umfrage 2014 noch einmal um sieben Prozentpunkte verschlechtert (von 27 auf 34 Prozent). Nach wie vor ist der Hauptgrund für die Nichtbesetzung mit 67 Prozent der Mangel an geeigneten Bewerbern. In 31 Prozent der Fälle gingen gar keine Bewerbungen ein. Offenbar tun sich kleine und kleinste Unternehmen hierbei schwerer als größere. Jeden fünften Ausbildungsplatz (genau: 21 Prozent) haben die Bewerber trotz Ausbildungsvertrag nicht angetreten, 18 Prozent der Verträge haben Auszubildende kurz nach Beginn wieder gelöst.

Vier von zehn befragten Unternehmen stellen Ausbildungshemmnisse fest; das gravierendste ist die unklare Berufsvorstellung vieler Schulabgänger (75 Prozent, Mehrfachnennungen möglich). „Bei der Berufsorientierung an den Schulen sehen wir noch deutliches Verbesserungspotenzial“, analysiert Michael Böffel, Bildungspolitischer Sprecher der Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer IHKs. „Die fehlende oder unzureichende Berufsorientierung trägt dazu bei, dass Jugendliche sich in die falsche Richtung orientieren und ist damit oft schon die Keimzelle für einen späteren Ausbildungsabbruch“, so Böffel. Eine weitere Schwierigkeit sieht jedes dritte Unternehmen (genau: 29 Prozent) darin, dass junge Leute trotz eines Übernahmeangebots nach der Ausbildung das Unternehmen verlassen, um zu studieren oder in ein anderes Unternehmen zu wechseln. 69 Prozent der befragten Unternehmen geben an, ihre Auszubildenden nach dem Abschluss weiterzubeschäftigen.

Wird die Ausbildungsreife bemängelt, so geht es hauptsächlich um das Fehlen elementarer Rechenfertigkeiten, mangelnde Disziplin und Belastbarkeit, schlechtes Ausdrucksvermögen sowie fehlende Motivation. Vier von zehn Unternehmen (genau: 41 Prozent) reagieren darauf mit einem eigenen Nachhilfeangebot oder Hilfen der Agentur für Arbeit (32 Prozent), Tendenz steigend. Auch hier sind die Betriebe bereit, in ihre zukünftigen Fachkräfte zu investieren.

Die Unternehmen spüren angesichts rückläufiger Bewerberzahlen erheblichen Handlungsdruck. Heute nehmen 57 Prozent aller Schulabgänger ein Studium auf; im Jahr 2000 waren es noch 33 Prozent. Somit nimmt auch die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz nicht nur demografisch bedingt ab.

Gegenmaßnahmen sind das Angebot von Praktikumsplätzen (64 Prozent), die Verbesserung des Ausbildungsmarketings (45 Prozent) und vermehrte Kooperationen mit Schulen (33 Prozent). Gerade hier unterstützen die IHKs die Betriebe. Etwa bei Ausbildungsmessen, Elternabenden oder im Unterricht. Die Unternehmen tragen selber viel dazu bei, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Sie wünschen sich jedoch in der Mehrzahl (90 Prozent), dass gerade auch an den Gymnasien mehr über die Chancen einer dualen Ausbildung informiert und dass die Gleichwertigkeit der beruflichen und der akademischen Bildung betont wird (74 Prozent). Hier vertrauen sie mehrheitlich auf die Kompetenz der IHKs; 68 Prozent nennen das Thema Berufsorientierung an den allgemein bildenden Schulen als wichtiges IHK-Beratungsfeld bei der Fachkräftesicherung. „Wir hoffen, dass die vereinbarte Berufsorientierung auch an Gymnasien in Zukunft stärker gelebt wird als bisher“, sagt Böffel.

35 Prozent der befragten Unternehmen geben außerdem an, sich neue Bewerbergruppen, etwa Studienabbrecher, erschließen zu wollen. Allerdings kennt nur jedes dritte Unternehmen das Gesetz zur Qualifikation und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen. Hier sehen die Industrie- und Handelskammern noch deutlichen Nachholbedarf, um mehr ausländische Fachkräfte für den hiesigen Arbeitsmarkt zu gewinnen.

Mit den angebotenen Instrumenten und der Arbeit der IHKs bei der Beratung von Bewerbern sind zwei Drittel der Unternehmen vollauf zufrieden; 34 Prozent wünschen sich weitere Hilfestellung. Auch über Weiterbildungsthemen fühlen sich die Unternehmen von ihren IHKs gut informiert, wie 79 Prozent angeben. So ist zum Beispiel die Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt oder Industriemeister 86 Prozent der Betriebe bekannt; die Hälfte (genau: 51 Prozent) nutzt diese Kurse auch beziehungsweise unterstützt ihre Mitarbeiter bei der Weiterbildung.

An der Online-Umfrage haben sich 586 Unternehmen aller Branchen und Größen beteiligt; die Ergebnisse liefern laut den IHKs ein repräsentatives Bild der Ausbildungssituation in Rheinland-Pfalz.

Martin Brandl, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und Mitglied im Bildungsausschuss des Landtages, sieht gravierende Mängel in der Berufsorientierung und bei dem von den rheinland-pfälzischen Schulen vermittelten Bildungsniveau:

„Die heute veröffentlichte IHK-Umfrage ist ein Armutszeugnis für die rot-grüne Bildungspolitik. Jeder dritte Ausbildungsplatz kann nicht besetzt werden, Ausbildungsverhältnisse werden häufig abgebrochen. Grund dafür sind eine unzureichende Berufsorientierung und mangelnde Grundkenntnisse in Deutsch, Mathematik und im sozialen Miteinander. Das ist die Folge, wenn man sich seit Jahren nur mit rot-grünen Lieblingsthemen beschäftigt, statt dafür zu sorgen, dass die Bedingungen an den Schulen stimmen. Trotz vielfacher Zusagen der rot-grünen Landesregierung fehlt vielfach noch immer eine effektive Berufsorientierung an den Schulen. Der Unterrichtsausfall insbesondere an den Realschulen plus und Berufsschulen ist zudem Gift für die zukünftigen Ausbildungschancen. Um die Schulabschlüsse vergleichbar zu machen und die Bildungsqualität auch gewährleisten zu können, fehlen zentrale Abschlussprüfungen für alle Bildungsgänge.“

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