Schwerer Einbruch in Bordell: Täter auf der Flucht

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Bildquelle: privat – lokalo.de

TRIERWEILER. Am vergangenen Wochenende haben drei bisher unbekannte Täter in das Etablissement „Club Elen“ in Trierweiler-Sirzenich eingebrochen und einen Bargeldbetrag von mehreren tausend Euro gestohlen. Die Täter sind flüchtig.

Drei maskierte Täter sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag in das Bordell im Gewerbegebiet Trierweiler-Sirzenich eingedrungen, in dem sie die Eingangstür des Gebäudes mit einem Brecheisen aufhebelten. Die Männer sind daraufhin in die Kellerräume des Hauses vorgedrungen und haben dort einen der Schlaf- und Aufenthaltsräume der Prostituierten vollständig durchwühlt und nach Wertsachen durchsucht.

Der Geschäftstresor und ein Wandtresor, in dem sich auch die persönlichen Wertgegenstände und die Ausweise der Frauen befanden, wurden gestohlen. Durch den von den Tätern verursachten Lärm wurden die etwa zehn Frauen, die sich zu dem Zeitpunkt des Einbruchs im Haus befanden, aufgeschreckt.

Dadurch alarmiert ergriffen die Einbrecher mitsamt ihrer Beute die Flucht, vermutlich in einem VW Golf- oder Citroen Kombi. Zusätzlich dazu kursieren in der Szene Gerüchte, dass sich die Männer aktuell noch in Trier aufhalten würden. Augenzeugen wollen am heutigen Mittwochnachmittag drei Männer auf der Terrasse des Mc Donald’s in der Zurmaiener Straße in Trier gesehen haben, die auf die Täter hinweisen.

Bei dem Kennzeichen des Fluchtwagens handelte es sich um ein ausländisches Nummernschild mit schwarzen Buchstaben auf weißem Grund, das die Buchstaben „BZ“ trug. Unklar ist, ob die Buchstaben am Anfang oder in der Mitte des Kennzeichens standen. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 0651-9779-2253 oder -2290 zu melden.

Die im Bordell beschäftigten Damen fielen den Tätern bei dem Einbruch am Wochenende zwar nicht körperlich zum Opfer, jedoch hat der Vorfall bei vielen der Frauen einen schweren Schock hinterlassen unter dem das Sicherheitsgefühl jetzt drastisch leidet. Die Verletzung der Privatsphäre der Prostituierten wiegt schwer:

„Ich habe seit dem Einbruch extreme Probleme einzuschlafen, einfach aus Angst darüber, was alles hätte passieren können“, klagt etwa eine der im Club Elen beschäftigten Damen. Eine weitere Frau schläft seit dem Vorfall nur noch mit einer kleinen Reisetasche unter dem Arm ein, in der sie ihre persönlichen Gegenstände verstaut hat.

Vielen der Frauen wurde der erarbeitete Lohn von mehreren Wochen Arbeit, auch aus anderen Clubs, gestohlen. Die Frauen jetzt ohne Ausweis und Papiere und ohne ihr Geld zurück in ihr Heimatland zu verabschieden, kommt für die Clubbetreiber in Trierweiler nicht in Frage.

„Das hätte noch wesentlich schlimmer enden können. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Wir werden für einen Teil des Schadens der Frauen aufkommen und sie bei der Beschaffung ihrer Dokumente und den dazugehörigen Gesprächen mit den Behörden so gut wie möglich unterstützen“, sagt die Geschäftsleitung gegenüber lokalo.de.

Erst im Frühjahr dieses Jahres wurde in den Club eingebrochen. Damals wurde ebenfalls ein Tresor gestohlen, den die Polizei einige Wochen nach dem Vorfall im Raum München sichergestellt hat. Das Hab und Gut der sich zu dem Zeitpunkt im Bordell befundenen Frauen wurde damals jedoch nicht berührt.

Zu einem weiteren Einbruchsversuch kam es wenige Wochen später. In jener Nacht scheiterten die Einbrecher an den verstärkten Sicherheitsmaßnahmen des Clubs.

Hintergrund
Das die Frauen zur Zeit genau dort untergebracht sind, wo auch mögliche Einbrecher ihre Beute vermuten, ist den Betreibern des Clubs schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Im Untergeschoss des Hauses teilen sich bis zu zehn Prostituierte zwei Räume zum Leben und Schlafen und eben genau dort befindet sich auch der Geschäftstresor des Bordells. Grundsätzlich möchte die Geschäftsleitung die Arbeitsstätte von den Privaträumen der Beschäftigten trennen.

Jetzt, wo die Bundesregierung die Arbeit von Prostituierten in Deutschland menschenwürdiger gestalten will, hatte auch die Geschäftsleitung des Club Elen vor die Gegebenheiten der Prostituierten zu verbessern und ein sogenanntes Schlafhaus zu bauen. Ein Gebäude, dass den Damen unabhängig von dem Gebäude in dem sich die Arbeitsplätze der Damen befinden, als Rückzugsort und private Schlafstätte dienen und, nach den aktuellen Ereignissen, auch eine entsprechende Sicherheit bieten soll.

Der diesbezügliche Bauantrag aber wurde abgelehnt. Begründet wurde diese Ablehnung mit dem Verweis darauf, dass im Bebauungsplan des betroffenen Gewerbegebietes die Errichtung eines solchen Gebäudes nicht vorgesehen sei. Sowohl der Widerspruch gegen diese Ablehnung bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, als auch die Klage beim Verwaltungsgericht Trier brachten den Betreibern jedoch keinen Erfolg.

Der Ortsbürgermeister der Gemeinde Trierweiler, Matthias Daleiden, ist glücklich über diese Entscheidung. Die Anlieger in Trierweiler-Sirzenich hatten bereits in den Jahren 2006 und 2007 gegen weitere geplante Bordelle im Gewerbegebiet protestiert. Daraufhin wurde der Bebauungsplan in Abstimmung mit dem Zweckverband Wirtschaftsförderung im Trierer Tal geändert und so besteht heute nur noch Bestandsschutz für bereits bestehende Bordelle. Dennoch zeigt Daleiden im Gespräch mit lokalo.de Verständnis für die Situation im Club Elen. Der Zustand um die fehlenden Privaträume der Frauen im Club Elen sei „sehr traurig“.

Laut Grundgesetz ist Privatsphäre ein Menschenrecht und der Schutz dieser ist aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht abzuleiten. Das besondere Persönlichkeitsrecht dient dem Schutz eines besonders abgeschirmten Bereichs der persönlichen Entfaltung. Auch in der Situation um den Club Elen soll den Frauen ein spezifischer Bereich verbleiben, in dem sie sich frei und ungezwungen verhalten und leben können.

Die Geschäftsleitung des Etablissements sagte in einem Gespräch mit lokalo.de bereits im März: „Es ist unser Ziel, die Bedingungen, unter denen die Damen hier arbeiten, humaner zu gestalten. Derzeit schlafen sie in einem Gemeinschaftsraum oder aber in den Betten, in denen sie auch ihrem Gewerbe nachgehen. Durch die derzeitigen Gegebenheiten haben sie hierzu keine Ausweichmöglichkeit. Eine Trennung von Arbeitsumfeld und Freizeit ist nach den derzeitigen Bedingungen nicht machbar. Das möchten wir im Interesse der Frauen ändern, indem wir auf dem Nachbargrundstück dieses Schlafhaus errichten. Nicht mehr aber auch nicht weniger.“

Ursprünglich hatten Benutzer des Mitfahrerparkplatzes an der B 51 in Trierweiler-Sirzenich der Polizei gemeldet, dass in den frühen Morgenstunden gegen 5 Uhr ein unbesetzter dunkler Pkw mit laufendem Motor an einem Fußweg stand, der in Richtung eines alleinstehenden Hauses in der Straße „Im Langengrund“ hielt.

Plötzlich erkannten sie drei vollkommen in schwarz gekleidete Personen, die aus Richtung dieses Hauses angelaufen kamen. Alle drei Personen trugen Kopfmasken, die lediglich die Augenpartie aussparten. Die Personen schleppten „schwere Kisten“, die sie in den Kofferraum warfen. Hiernach stiegen sie in das Fahrzeug und verließen schleunigst den Parkplatz, vermutlich in Richtung Bitburg oder Luxemburg.

Daraufhin trafen die sogleich alarmierten Polizeibeamten im Club Elen auf die aufgeregten Bewohner des Hauses, die den Beamten mitteilten, dass offenbar die gleichen maskierten Männer in den Club eingebrochen waren und gezielt die Räume aufsuchten, in denen die Tresore und Spinde der Bewohner und Mitarbeiter standen.

Die beiden Tresore wurden aus der Verankerung gebrochen und komplett entwendet, aus den Spinden wurde mindestens ein Koffer gestohlen.

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1 KOMMENTAR

  1. Abgesehen vom Überfall ist das Schlafhaus im Speziellen und die Prostitution im Allgemeinen ein ganz ganz schwieriges Thema. Das der Bebauungsplan damals geändert wurde kann ich verstehen, trotzdem sollten Gesetze nicht zwingend in Stein gemeißelt sein, vorallem dann nicht, wenn sie nachweislich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zum Ergebnis haben. Das der Bestandsschutz seine Berechtigung hat ist nachvollziehbar, aber m.E. zu steif. EU-Recht und Gesetz beispielsweise ist Knetmasse, siehe Maut und siehe Griechenland. Hier profilieren sich meiner Meinung nach Kommunalpolitiker um irgendwas zu entscheiden. Bestandsschutz ja, Verbesserungsmöglichkeiten auch ja. PRO BÜRGERENTSCHEID. Der gesunde Menschenverstand und das kollektive Gewissen würde da richtig entscheiden. Papier kann nicht denken und die Kommunen offensichtlich auch nicht.

    E. Z.

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