Vortragsreihe „Sacra Treveris capta – Vor 200 Jahren wurde Trier preußisch“

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Professor Dr. Stephan Laux

TRIER. Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier setzte ihre Vortragsreihe „Sacra Treveris capta – Vor 200 Jahren wurde Trier preußisch“ fort, mit der sie an den Beginn von Triers „preußischer Ära“ 1815 erinnert.

Der Trierer Landeshistoriker Professor Dr. Stephan Laux referierte vor zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern über „Preußen an der Mosel – Schlaglichter auf eine schwierige Beziehungsgeschichte (1815-1848)“. In seinem Vortrag skizzierte der Referent überzeugend die Gründe für den Pauperismus in Trier und seinem Umland nach 1815, indem er die strukturelle Entwicklung Triers mit einer globalen Sicht verknüpfte.

Eindrucksvoll entkräftete Laux dadurch die noch heute weit verbreitete Annahme zur „Beziehungsgeschichte Trier – Preußen“, die „Preußen an der Mosel“ allein hätten durch ihre Politik die unbestrittene wirtschaftliche Notlage Triers und massenhafte Verelendung seiner Menschen nach 1815 verschuldet.

Denn das Königreich Preußen erbte im Trierer Land die Strukturprobleme des untergangenen Kurfürstentums Trier und die Folgen der Napoleonischen Kriege: Das Umland Triers war bereits bis zum Ende Kurtriers 1794 weder städtisch geprägt noch industriell entwickelt worden. Neben dem Handwerk stellte also die Landwirtschaft den Haupterwerbszweig dar. Diese Abhängigkeit hatte dramatische Folgen.

Einerseits führte der Spätausläufer der „kleinen Eiszeit“, eine weltweite Klimaabkühlung nach einem Vulkanausbruch, zu Missernten und Hungernöten nicht nur im Trierer Land. Andererseits zersplitterte die hier althergebrachte „Realteilung“, ein unvorteilhaftes Erbrecht, den bäuerlichen Grundbesitz immer mehr. Deshalb fanden viele Eifler Bauernfamilien kein Auskommen mehr, verarmten und wanderten nach Amerika aus oder später in die Industriegebiete an Saar und Ruhr ab. Aber die preußische Zentralregierung war an dieser ungünstigen Ausgangslage nicht schuld, auch wenn sie lange vor einem neuen Erbrecht – trotz besseren Wissens – zurückschreckte. Die preußischen Behörden der Rheinprovinz billigten auch das karitative Engagement der katholischen Kirche im Bistum Trier, da sie selbst nicht abhelfen konnten.

Verantwortlich zeichnete allerdings Preußen für die Wirtschafts- und Zollpolitik, die Trier von seinen Absatzmärkten in Frankreich abschnitt bzw. den hiesigen Markt mit billigen, auswärtigen Erzeugnissen bestücken ließ.

Vielmehr thematisierte der Vortragende auch die Mitverantwortung der einflussreichen Trierer Bürgerfamilien für die wirtschaftliche und politische Entwicklung unserer Heimatstadt. Am Beispiel der beiden Oberbürgermeister Anton Joseph Recking und Wilhelm von Haw verdeutlichte er die strukturellen und personellen Kontinuitäten der Trierer Oberschicht. Denn deren beide Vertreter hatten die politischen Umbrüche 1794 vom Kurstaat Trier zur französischen Herrschaft sowie 1814 den Übergang zu Preußen unbeschadet überlebt. Je nach Deutung kann diese Tatsache als „politischer Opportunismus“ oder Klugheit gewertet werden. Ein Streitpunkt zwischen Trierer Oberschicht und preußischer Verwaltung war das jahrzehntelange Ringen um die Beibehaltung der Kommunalverfassung. Aber hinter dem „Lokalpatriotismus“ verbarg sich häufig ein Eigeninteresse der Großbürger.

Die kleine Reihe zu Triers „Preußenzeit“ wird mit Vortrag von Dr. Beate Dorfey („Eine unauflösliche Einheit? – Die Stadt Trier und die preußische Rheinprovinz [1900-1932]“) am 7. Juli, um 18 Uhr in der Bibliothek des Priesterseminars Trier beendet.

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