Gedenken für ermordete und verschleppte Sinti und Roma im Trierer Dom

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Verbandsvorsitzender Deutscher Sinti und Roma Jacques Delfeld; Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Bischof Dr. Stephan Ackermann (von links) beim Mahnmal.

TRIER. „Der Schmerz hält die Erinnerung wach“, hat Bischof Dr. Stephan Ackermann erklärt. Zur Erinnerung daran, dass vor 75 Jahren Sinti und Roma von Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden, gedachten am 17. Mai das Bistum Trier, das Land Rheinland-Pfalz, die Stadt Trier, der Verband Deutscher Sinti und Roma und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger den Opfern mit einem Gottesdienst im Trierer Dom und einer anschließenden Kranzniederlegung am Mahnmal am Bischof-Stein-Platz neben dem Dom.



Weil das Gedenken schmerzlich sei, gebe es immer wieder Menschen, die der Meinung seien, dass es „irgendwann einmal genug sein muss mit solchem Gedenken“, sagte der Bischof. „Die Antwort darauf kann nur lauten: Nein.“ Die Menschen heute hätten zwar keine unmittelbare Schuld an dem Geschehenen. „Aber wir haben Verantwortung für heute und morgen.“ Dies sieht auch der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe so. Mit „Trauer und Scham“ seien die Trierer den Opfern und Angehörigen der verschleppten und ermordeten Sinti und Roma verbunden, erklärte Leibe. „Aber auch im festen Bewusstsein, dass solche Verbrechen niemals mehr begangen werden dürfen.“ Denn die Schuld der Vergangenheit müsse auch in die Zukunft wirken. Erinnerungsarbeit richte nie den Blick nur zurück, sagte Bischof Ackermann, „sondern ist immer auch Hilfe und Anstoß für die Gegenwart.“ Dieser könnte sich etwa in einem respektvollen und unterstützenden Umgang mit Flüchtlingen zeigen, die derzeit in Deutschland Zuflucht suchten.

Der Gottesdienst und das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sei „ein Zeugnis für den Willen in unserer Gesellschaft, die nationalsozialistischen Völkermordverbrechen an Sinti und Roma in das historische Gedächtnis der Bundesrepublik einzubeziehen“, sagte Jacques Delfeld, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma. Die Anerkennung sei wichtig für die Opfer und deren Nachkommen. Und sie sei ein Teil der gesellschaftlichen Aufgabe, „die Last der Geschichte“ mit ihnen gemeinsam zu tragen. „Verbrannte Erde kann dadurch wieder fruchtbar gemacht werden.“ Delfeld erinnerte daran, dass die Überlebenden Sinti und Roma nach dem Zweiten Weltkrieg „versuchten, sich aus dem Nichts wieder ein Leben aufzubauen, meistens ohne Unterstützung und Hilfe der Gesellschaft.“ Erst im März 1982 wurde der Völkermord an den Sinti und Roma als solcher von der deutschen Bundesregierung anerkannt.

Über 500.000 Sinti und Roma wurden in Europa in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet. Mit der ersten großen Verschleppungsaktion von Sinti und Roma 1940 in die Konzentrations- und Vernichtungslager waren zum ersten Mal in Deutschland ganze Familien betroffen. Es war sozusagen ein „erster Testlauf“ für die Nationalsozialisten. Wie waren so viele Menschen zu transportieren und zu überwachen? Leisteten die verhafteten Menschen Widerstand? Wie reagierte die Bevölkerung auf das öffentliche Fortschaffen einer Minderheit? Insgesamt wurden bei dieser Aktion 2.800 Menschen deportiert. Am Morgen des 16. Mai 1940 wurden auch mindestens 26 Sinti und Roma aus Trier verschleppt. Namentlich sind sieben Trierer Sinti und Roma bekannt, die in Auschwitz ermordet wurden – darunter Kinder und Jugendliche.


Das Mahnmal am Bischof-Stein-Platz für die ermordeten und verschleppten Sinti und Roma wurde 2012 errichtet. Es wurde vom Trierer Künstler Clas Steinmann entworfen. Es besteht aus sechs Stelen, die eine Grenze symbolisieren – und durchlässig ist für Schutzbedürftige. Gleichzeitig soll das Mahnmal einen Wall darstellen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Vor dem Mahnmal legten Bischof Ackermann, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Oberbürgermeister Leibe und der Verbandsvorsitzende Delfeld jeweils einen Kranz nieder.

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