Neue Überlegungen ohne Denkverbot – Theaterplanung fängt noch einmal von vorne an

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Bildquelle: Trier.de

TRIER. Es mutet schon merkwürdig an, dieses Theater um das neue Theater für die Stadt Trier. Druck der Öffentlichkeit, kritische Fragen des neuen Oberbürgermeisters und der von der AfD geforderte Bürgerentscheid hat Kulturdezernent Thomas Egger jetzt dazu gebracht, alle Planungen noch einmal auf Null zu setzen.

Kurzfristig hatte Egger gestern ein Pressegespräch angesetzt. In der Einladung hieß es, „die von der Verwaltung vorgelegten Ergebnisse zur Untersuchung des Theaters in Bezug auf einen möglichen Abriss und Neubau und die genannten Kosten haben ihn (Egger, Anmerkung der Redaktion) und Oberbürgermeister Wolfram Leibe dazu veranlasst, den Entscheidungsvorschlag zu überdenken und die Verwaltung mit der Prüfung von Alternativen zu beauftragen.“

Nie in der Diskussion gewesen

Noch vor dem Kulturausschuss informierte Egger die Öffentlichkeit darüber, dass man ohne Denkverbot über Alternativen zum Abriss des alten und Neubau eines neuen Theaters nachdenken wolle. Es soll auf einmal auch geprüft werden, in welchem Kostenrahmen sich denn eine Sanierung des alten Gebäudes bewegen würde. Da kommt doch die Frage auf, warum darüber nicht schon längst nachgedacht wurde. „Das ist nie in der Diskussion gewesen“, sagt Egger, „weil man alle Komponenten, die für ein Dreispartenhaus notwendig sind, an einem Standort bündeln wollte. Das aber läßt sich im alten Haus nicht machen.“

Machtwort des OB

Nun also die Notbremse. In einem Gespräch mit lokalo.de hatte OB Leibe schon vor einigen Wochen gesagt, dass er vor einer Entscheidung zu einem neuen Theater alle Möglichkeiten geprüft haben will und sprach dabei auch von einer Sanierung des bestehenden Hauses. Wenn man jetzt zwei und zwei zusammenzählt, kann man nur zu dem Schluss kommen, Leibe hat ein Machtwort gesprochen.

Nicht vergessen darf man, dass schließlich schon einiges in den Bau am Augustinerplatz investiert worden ist. Sowohl in die Sicherheitstechnik als auch in die Besucherfreundlichkeit, wie etwa ein barrierefreier Zugang. Wie groß die hier aufgewendeten Mittel waren, auf diese Frage war Egger beim Pressegespräch nicht vorbereitet.


So richtig schmeckt die neue Variante dem Dezernenten nicht. Das lässt er deutlich durchscheinen. Zu häufig kommt die Bemerkung, dass wahrscheinlich eine Lösung mit zwei Standorten nicht viel billiger wäre als ein Neubau. Und er hat dann auch direkt eine Stelle parat, die dann wahrscheinlich quer schießen würde. Der Landesrechnungshof. so Egger, werde sich zu Wort melden, wenn eine Sanierung nicht mindestens 20 Prozent preiswerter sein würde, als ein neues Haus.

Zwei Standorte haben höhere Folgekosten

Für einen Neubau hatte er zuletzt immer wieder die Summe von 55 Millionen Euro genannt. Eine Sanierung dürfte also nur 44 Millionen kosten. Und er führt noch an, dass die Lösung mit zwei Standorten, bei der die Werkstätten und die Studiobühne ausgelagert werden, auch höhere Folgekosten hätte. Etwa, weil man dann auch zwei Abendkassen benötige.

Zugegeben: Egger hat mit dem Graubner-Bau ein schweres Erbe übernommen, bei dem lange Jahre nichts mehr investiert wurde. Er muss jetzt eine Suppe auslöffeln, die andere ihm eingebrockt, beziehungsweise hinterlassen haben. Trotzdem: erst jetzt auf die Idee zu kommen, auch mit dem alten Haus zu arbeiten, ist letztendlich ein Armutszeugnis.

Virulent, so Egger, ist das Thema Theater und die Sanierungsbedürftigkeit schon seit 2008. Seit über fünf Jahren trägt Egger hier Verantwortung. Fünf Jahre, in denen viel hätte passieren können. Es spricht nicht gerade für ihn, wenn er jetzt beim Theaterprojekt eine „Ehrenrunde“ drehen muss, wie er selber es nennt.

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1 KOMMENTAR

  1. Theater-Neubau

    einzig Gerhard W. Kluth trifft den Nagel auf den Kopf.
    Was ist in den letzten fünf Jahren passiert ?

    2012 wurde ein Theater in Heidelberg mit 550 Plätzen eröffnet die Kosten beliefen sich damals
    auf 80 Millionen Euro. In Karlsruhe wird ein neues Schauspielhaus gebaut mit 600 Plätzen dafür
    sind bis zu 120 Millionen Euro eingeplant.
    In Trier wurde ein halbes Jahres verkündet ein Theater-Neubau für 40 – 50 Millionen Euro.
    Schon vor zwei Monaten habe ich im Trier Mercure Hotel auf diese Unterschiede aufmerksam
    gemacht( Vortrag über Richard Wagner in Wien)
    Während meiner Amtszeit in Trier wollte ich das Theater aufstocken lassen, der Anlass waren die beengten
    Räumlichkeiten der Schneiderei. Mir wurde mitgeteilt die bauliche Substanz des Hauses ist zu schwach!

    Mit freundlichen Grüßen
    Heinz Lukas-Kindermann

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