Schlechtes Image des Lehrerberufs – Uni Trier geht neue Wege

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Lehramtsstudierende sollen an der Uni Trier zu Perlentauchern werden.

Bildquelle: Uni Trier

Die einen halten sie für überfordert, die anderen für faul – Lehrerinnen und Lehrer genießen hierzulande keinen guten Ruf. Dabei haben Politik und Hochschulen in den vergangenen Jahren schon einiges getan, um das Image des Lehrerberufes zu verbessern. Hierzu gehört auch die Diskussion um die Eignung für diesen Beruf. Nach Ansicht von Birgit Weyand vom Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) an der Universität Trier haben die Verantwortlichen hier aber zumeist am falschen Ende angefangen: „Wir haben uns jahrelang nur mit denjenigen Studierenden beschäftigt, die für den Lehrerberuf nicht geeignet waren und alle unserer Anstrengungen auf deren Förderung gelegt.“

Pilotprojekt Perlentaucher

Dabei zeigten Studien, dass es viel mehr Lehramtsstudierende gibt, die besonders begabt und engagiert sind und somit gute Voraussetzungen für Leadership mitbringen. Deren Stärken und Kompetenzen zu entdecken und sie in die Lage zu versetzen, Führungsaufgaben und Verantwortung im System Schule zu übernehmen, ist das Ziel des Pilotprojekts Perlentaucher. Entwickelt wurde es vom Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Trier, welches in Zusammenarbeit mit dem Studienkolleg der Stiftung der Deutschen Wirtschaft jetzt erstmals durchgeführt wird.

Das zweisemestrige Programm besteht aus mehreren Workshops, Einzelberatungen und Trainings sowie einer Praxisphase an einer Schule und schließt mit einem Zertifikat ab. Nebenbei läuft das reguläre Studium weiter. Die 19 Teilnehmenden, 14 Studentinnen und 5 Studenten, aus verschiedenen Lehramtsfächern wurden von ihren Dozentinnen oder Dozenten gezielt angesprochen und werden von ihnen während des Programms als Mentoren begleitet.

Weiterbildung schon während des Studiums

Nach einem Auftakt-Workshop zum Kennenlernen nahmen die Studierenden jetzt an einem Self-Assessment mit Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber von der Pädagogischen Hochschule Zug teil. Der renommierte Experte für Bildungs- und Schulmanagement ist bekannt für seine Schulleiter-Studien im deutschsprachigen Raum. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer hat er nun denselben Fragebogen ausfüllen lassen und für alle ausgewertet. Auf Grundlage der Ergebnisse haben sich die Studierenden in kleinen Gruppen mit ihren eigenen Fähigkeiten, Motiven und Verhaltensweisen auseinandergesetzt und daraus Lern- und Entwicklungsaufgaben abgeleitet.


„Das Programm bietet mir die Möglichkeit, mich schon während des Studiums weiterzubilden“, meint Jonas Koch, Masterstudent für Geographie und Biologie auf Lehramt Gymnasium. Es sei eine Ehre, für das Projekt ausgewählt zu sein und auch eine Würdigung seines bisherigen Studiums. „Bis jetzt mussten wir immer nur leisten, jetzt bekommt man mal etwas zurück und erfährt dabei viel über sich selbst.“ Katharina Knobloch, Masterstudentin für Englisch und Biologie auf Lehramt Gymnasium, gefällt vor allem die lockere Atmosphäre in dem Workshop, die viel Zeit zur Diskussion lasse „Das Studium dagegen ist stark auf die Fächer konzentriert, die Pädagogik kommt zu kurz.“

„Wir brauchen auch die Querdenker“

In einem nächsten Schritt sollen die Perlentaucher Ideen für ein Schulprojekt entwickeln. Hintergrund dafür ist das so genannte Service Learning. Die Methode kombiniert Lernen mit der Übernahme von Verantwortung in der Gemeinschaft. Davon profitieren die angehenden Lehrerinnen und Lehrer genauso wie die beteiligten Schulen. Die Gruppe um Katharina Knobloch überlegt, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern den Schulgarten des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums wieder aufblühen zu lassen. Vielleicht können dabei auch die Bienen des Uni-Projekts Bee.Ed helfen, bei dem eine Studentin aus der Gruppe mitarbeitet. Ehrenamtliches Engagement neben dem Studium ist unter den Perlentauchern weit verbreitet – und war auch ein Kriterium, wonach Teilnehmende ausgewählt wurden.

Birgit Weyand spricht demnach auch von den „Peaks & Freaks“, die es zu fördern gelte, also diejenigen mit besonderen Leistungen, aber auch diejenigen mit besonderer Haltung. „Wir brauchen auch die Querdenker, die nicht im, sondern am System denken. Und Lehrer brauchen Persönlichkeit.“ Nur so könnten sie die Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, sich zu Persönlichkeiten zu entwickeln – und auch zu einem Studium zu befähigen. Und das hat wiederum Auswirkungen auch auf die Universitäten: „Nur wenn wir gute Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, bekommen wir gute Studierende.“

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