Bekämpfung von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung – Erkennen, Reagieren und Kooperieren

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Auch in Deutschland gibt es den Menschenhandel. Im Verborgenen.

Bildquelle: Wikipedia

Trier. Zu einem Netzwerk-Workshop mit dem Thema „Bekämpfung von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung“ trafen sich in Trier Vertreterinnen und Vertreter aus Behörden und Beratungsstellen der Stadt, um über Möglichkeiten der Vernetzung, Kooperation und besseren präventiven Information zu beraten. In das Thema führten ein Maria Dimcheva vom Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen, Anne Pawletta, Beraterin der Internationalen Arbeitsorganisation, sowie Julia Windhorst, Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung / Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz. Denn Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung findet statt: Auch in Deutschland zwingen Menschen andere Menschen unter unwürdigen Bedingungen zu arbeiten – und begehen damit schwere Menschenrechtsverletzungen.

Vertreterinnen verschiedener Institutionen, so beispielsweise von Diakonie, Bistum, Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Gesundheitsamt, Ausländerbehörde und Polizei, erörterten deshalb aktuelle Gesetzesfragen und konkrete Fallbeispiele. Zu dem Workshop eingeladen hatten das Diakonische Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach sowie das Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung.

Die Betroffenen müssen erkannt werden

Carsten Stumpenhorst, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, wies darauf hin, wie komplex die Problemlagen der Betroffenen von Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft, auch im Hinblick auf die rechtliche Klärung nach § 233 StGB, seien. Umso wichtiger sei es, vor Ort jeweils zu klären, wer ansprechbar sei und mit wem man zusammenarbeiten könne, so Stumpenhorst. „Es gibt keine Fachberatungsstellen in der Region, aber viele Stellen, die damit zu tun haben. Und wenn diese Stellen zusammenarbeiten, kann vielen Menschen geholfen werden“, bekräftigte auch Julia Windhorst. Die Arbeit des Bündnisses gehe deshalb entsprechend vor: „Die Bekämpfung des Menschenhandels zur Arbeitsausbeutung und die Unterstützung der Opfer erfolgt in zwei Schritten. Zunächst müssen die Betroffenen als solche erkannt werden, um ihre besonderen Rechte geltend machen zu können. Wenn Behörden und Beratungsstellen in der Region Trier dann eng kooperieren, können sie ihnen effektiv helfen. Um den Straftatbestand und die Opferrechte bekannter zu machen und Handlungsempfehlungen zu geben, organisiert das Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung (BGMA) Workshops und Fortbildungen für ganz unterschiedliche Akteure“, so Windhorst.

Auch hier fehlt es an Personal

„In den letzten Jahren sprechen wir über eine verstärkte Ausbeutung von Zuwanderern“, erläuterte Maria Dimcheva die verstärkte Brisanz des Themas. Ihr Verein setzt sich für die Rechte von Zuwanderern ein und deckt Missstände auf. Gründe für die Gefahr einer Ausbeutung seien vor allem fehlende Deutschkenntnisse, damit verbunden mangelnde Kenntnisse der Arbeitnehmerrechte sowie Angst und Scham. „Fast alle Opfer einer Arbeitsausbeutung sprechen kein oder nur wenig Deutsch und leben noch nicht lange oder nur vorrübergehend in der BRD.“ Der Zugang zu einer muttersprachlichen Beratungsstelle sei deshalb wichtig, so Dimcheva. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine Sonderorganisation der UN, ermittelte bei ihrer letzten Schätzung 2012 eine Zahl von rund 20 Millionen Betroffenen weltweilt. Für Europa konnte eine Zahl von 610.000 von durch Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung betroffenen ermittelt werden. Häufigste Herkunftsländer sind Osteuropa, Afghanistan und Pakistan, die am stärksten betroffenen Sektoren die Baubranche, Gastronomie, aber auch Landwirtschaft und Haushalt und Pflege. Unklare Zuständigkeiten beispielsweise hinsichtlich des Arbeitgebers erschwerten die Arbeit aller Beteiligten, erläuterte Anne Pawletta. Die Kontrolle der tatsächlichen Arbeitsbedingungen sei schwierig, oft seien die Zuständigkeiten auf viele Behörden verteilt und es fehle an Personal, so Pawletta. Und hier setzt das Projekt „Unsichtbar? Gemeinsam für menschenwürdige Arbeit, Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung“ an: Es hat sich zum Ziel gesetzt, von Ausbeutung und Zwang Betroffene durch die Entwicklung verlässlicher Strukturen und sensibler Netzwerke zu unterstützen. Mehr Informationen unter: www.buendnis-gegen-menschenhandel.de

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