IHK’s setzen auf TTIP

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Dem exportierenden Gewerbe geht es gut. Auch in Rheinland-Pfalz.

Bildquelle: Wikipedia

TRIER/RHEINLAND-PFALZ. Die Bundesrepublik ist ein Exportland und auch Rheinland-Pfalz verkauft seine Produkte in andere Länder. 2014 war für das exportierende Gewerbe ein gutes Jahr, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern des Landes jetzt gezeigt hat. Die Erwartungen für das laufende Jahr aber sind eher verhalten. Hier hofft man auf das Außenhandelsabkommen TTIP zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten.

Gute Nachrichten aus der rheinland-pfälzischen Außenwirtschaft: Die Ausfuhren aus Rheinland-Pfalz sind 2014 um knapp drei Prozent gewachsen. Die heimischen Exporteure blicken insgesamt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das geht aus der aktuellen Umfrage „Going International“ der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) hervor. „Das Ergebnis erstaunt, wenn wir an die weltweiten Krisen und Unruhen denken“, sagt Volker Scherer, Sprecher des Themengebiets International in der IHK-Arbeitsgemeinschaft.

Niedrigzinsen wie ein Konjunkturprogramm

Doch die Unternehmen passen ihre Auslandsaktivitäten den Krisenszenarien an: „Viele Betriebe haben Ausweichstrategien gesucht und gefunden“, sagt Scherer. Zusätzlich wirkten der anhaltend schwache Euro und die niedrigen Zinsen in der Eurozone wie ein Konjunkturprogramm für deutsche Exporteure. Deutlich rückläufig waren aber die Ausfuhren nach Russland und in die Ukraine – besonders im zweiten Halbjahr. Die Exporte nach Russland sind im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel eingebrochen, in die Ukraine sogar um ein Drittel.

Frankreich ist der Spitzenreiter

Der größte Abnehmer für rheinland-pfälzische Produkte blieb mit einem Exportanteil von 10,6 Prozent auch 2014 das Nachbarland Frankreich. Auf Frankreich folgen die USA mit 9,3 Prozent und China mit 4 Prozent als wichtige Handelspartner.

Die Geschäftserwartungen der rheinland-pfälzischen Exporteure für 2015 fallen aktuell verhalten aus. „Für die kommenden Monate lassen die Exporteure Vorsicht walten“, sagt Scherer. Die wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich und Italien stagniere bestenfalls. Fortschritte in Sachen Wettbewerbsfähigkeit seien in diesen beiden Ländern ebenfalls kaum bemerkbar. Die Reformstaaten Spanien, Irland und Portugal dagegen würden allmählich zu Hoffnungsträgern: Die Konjunktur ziehe an, die Arbeitslosigkeit gehe zurück. Für die Geschäftsperspektiven in den EU-Staaten außerhalb der Eurozone zeichne sich in der IHK-Umfrage unterm Strich ein ähnliches Bild ab. Die wirtschaftliche Entwicklung der mittel- und osteuropäischen Länder sei eng an die Konjunktur in der Eurozone gekoppelt, aber auch stark von der russischen Wirtschaft abhängig.

Bürokratie kostet Zeit und Geld

Der Umfrage nach spüren die auslandsaktiven Unternehmen weiterhin deutliche Hürden für ihr Auslandsgeschäft: 41 Prozent der rheinland-pfälzischen Betriebe berichten von einer Zunahme internationaler Handelshemmnisse, etwa steigende lokale Zertifizierungsanforderungen für Produkte, aber auch höhere Zölle oder Sicherheitsanforderungen. „Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren ungemindert fortgesetzt. Die negativen Effekte sind für die hiesige Wirtschaft deutlich spürbar: Mehr Bürokratie kostet Zeit und Geld“, kritisiert Scherer. Zudem verzerre die in vielen Weltregionen staatlich subventionierte Konkurrenz den Wettbewerb und reduziere Chancen für einen Markteinstieg.

TTIP könnte ein Vorbild sein

Umso stärker setzt sich die IHK-Organisation für weitere internationale Handelsabkommen ein. „Wir hoffen weiterhin auf einen Erfolg beim Freihandelsabkommen mit den USA. TTIP könnte ein Vorbild sein für eine künftige Generation von Handelsabkommen“, sagt Scherer. Bisher erschweren neben Zöllen insbesondere die unterschiedliche Prüfung von Standards und lokale Zertifizierungen den transatlantischen Handel und Marktzugang – vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen.

11 KOMMENTARE

  1. Ich verstehe nicht warum keiner die gefahren an TTIP erkennt?
    Was soll das? Dieser Artikel befürwortet dieses Freihandelsabkommen sogar!?
    Export hin oder her, die kleinen Firmen werden untergehen. Das kann doch auch die IHK
    nicht gut finden. Denn gerade in unserer Region zählen die vielen Kleinunternehmer.
    Ich würde mir wünschen das über dieses Thema sachlich und neutral, eventuell auch einmal
    kritisch, berichtet wird! Den Bürgern werden Tatsachen vorenthalten.

  2. Sehe ich genauso. TTIP ist noch weit vor Putin die größere Gefahr für Europa, aber auch insbesondere für strukturschwache Regionen wie hier.

  3. @Vivi
    ich kann mich nur über diesen Artikel wundern. genauso über eine Begrüßung durch die IHK. Die Leute sind entweder nicht richtig informiert oder aber genießen selber über irgendwelche anderen Kanäle Vorteile durch solche Abkommen. TTIP ist absoluter Nonsens!

  4. TTIP ist ein handelskrieg mit anderen Mitteln, der Aushebelung aller Standards der europäischen Staaten und die Ausschaltung des europäischen Rechtssystems.

    Jeder der dieses Abkommen befürwortet ist entweder eine geistige Null oder amerikahörig oder mit finanziellen Mitteln gefügig gemacht worden.

    Die Tatsache unter welcher Geheimhaltung das TTIP verhandelt wird, der freie Zugang der Dokumente ist nicht möglich , selbst die Abgeordneten des europäischen Parlaments dürfen nur in speziell gesicherten Räumen der Kommission Einsicht nehmen ist alles andere als demokratisch und zeigt dass sich dahinter wohl sehr brisantes Material verbirgt, besonders in Bezug auf Patentschutz , Markenschutz und genetisch veränderten Lebensmitteln.

    Was haben uns die Amerikaner nach 1945 gebracht ?

    Den reinen Kapitalismus , Niedriglohnempfänger, Share Holder Value , wir durften als Vasallen mit dafür kämpfen dass die Amerikaner billiges Öl bekommen , jetzt wollen sie uns auch noch in einen Russlandkrieg mit hinein ziehen.

    Den Amerikanern sind die Euopäer egal, es sei denn als Konsumenten ihrer Waren und was macht die Politik ?

    Die verwirklicht das wovon vor über 30 jahren in den Schulen gesprochen wurde, die Prekarisierung der Bevölkerung und das treiben des Mittelstandes in die Armut .

    Aber die meisten Bürger interessiert das nicht , hauptsache Facebook und Smartphone, alles andere ist ihnen egal und dann wundern die sich wenn die sozialökonomische Situation von Jahr zu Jahr schlechter wird .

  5. Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen – undemokratischer geht es auch gar nicht mehr. Hier wurde ganz klar GEGEN den deutlichen Willen des Volkes entschieden und das nur, um ein paar geldgeilen Säcken noch mehr Kohle in die Tasche zu stecken.
    Unsere Regierung ist nicht für das Volk, es arbeitet für die Wirtschaft…

    Erst letztes Jahr hatten wir bei diversen Seminaren zum Thema Zoll-Abwicklung noch das Thema und es definitiv eine Gefahr, die uns am Ende richtig teuer zu stehen kommt.
    Für alle, die es auch noch nicht gesehen haben: Letzte Ausgabe der Heute-Show vom 13.02. – nur zu empfehlen. Unter anderem mit einer Aussage von Sigmar Gabriel, in der TTIP scharf verurteilt wird – und dann vor kurzem hinter vermeintlich „verschlossenen“ Türen, hinter denen er Wirtschaftsgrößen sagte, dass sie sich keine Sorgen machen müssten. Die Deutschen wären „hysterisch und reich“ und wir sollten uns nicht so anstellen. Inkl. eines direkt folgenden Kommentars, dass das aber bitte nicht den nächsten Tag in der Zeitung stehen solle.
    Was ist das denn bitte für ein Vize-Kanzler, der so von „seinem“ Volk spricht????

    • Die Regierung ist doch der Steigbügelhalter der Wirtschaft, seit derAgenda 2010 hat die SPD ihr S abgeschafft, siehe alle mittlerweile getroffenen Entscheidungen in der Wirtschaft die sind doch alle zu Lasten des kleinen Bürgers

      Ich warte nur noch drauf dass Mutti sagt : Wie die Leute haben kein Brot, sollen sie doch Kuchen essen

      Wieso wehren sich die Leute nicht ? und da wo es getan wird, bei der DB wird auch noch über die Gewerkschaften gemault.

      Wer kennt eigentlich noch George Orwells 1984 ? es wurde etwas später aber es kam , die Anfänge sind da

  6. Ja glaubt denn ihr, dass wir gefragt werden? Wurden wir jemals gefragt, ob wir etwas wollten? Die EU? Den Euro? Wenn die akute Regierung/Verwaltung etwas will, dann wird diese es durchsetzen! TTIP wird kommen, das bekommt dann nur einen schönen deutschen Namen in der Form: „Europäischamerikanischeswirtschaftsbeschleunigungsvereinfachungsabkommen zur Wohlsandssteigerung“
    oder so ähnlich.

  7. und warum werden wir nicht gefragt weil der deutsche Michel die Schnauze hält und den Kopf senkt.

    Demonstrieren wir doch in Berlin und den anderen Landeshauptstädten , so heftig und so lange bis die Politiker die Hosen voll haben.

    Es ist traurig dass es 25 Jahre her ist seit die Ostdeutschen vehement für ihre Freiheit kämpften, wir sind doch heute in der gleichen Position vom Staat gegängelt.

  8. Die Kammern schwimmen im Geld, von 2009 bis 2012 haben alle deutschen IHK’s 589 Millionen Euro
    von der EU erhalten, zusätzlich zu den hohen Gelder der Zwangsmitgliedschaften die man der Wirtschaft
    unter dem Schutz der Politiker abpresst. Damit nicht genug, schon wieder wurden 100 Millionen Euro
    von unseren Bundes-u. Landespolitkern an die armen Kammern verteilt. Der Kammerzwang mit dem der Wirtschaft Jahr für Jahr Gelder abgepresst werden ist von den Politikern der etabl. Parteien geschützt.
    So wird in Deutschland Politik gemacht, deshalb sind die Kammern für TTIP.

  9. alle hier vergessen, für wen, das ganze ein riesen Geschäft wird, ja, ja, die Wiedergutmachungszahlungen
    sind noch lange, lange nicht abgeschlossen !!!

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