Cattenom ist vom Stand der Wissenschaft weit entfernt

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Das AKW Cattenom liegt zwölf Kilometer von der deutschen Grenze und neun Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt.

Bildquelle: wikipedia

TRIER/CATTENOM. Wenn es nach dem Willen des Betreibers geht, soll das Atomkraftwerk Cattenom in Lothringen noch bis 2050 in Betrieb und am Netz bleiben. Fragt man Umweltpolitiker und auch Experten, dann plädieren die für ein Abschalten lieber heute als morgen. Immerhin gab es seit 1986 rund 850 Störfälle in dem Meiler an der Mosel.

Vier Reaktoren gibt es in der Stromfabrik im französischen Cattenom. Sie wurden 1986, 1987, 1990 und 1991 in Betrieb genommen. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass der Betrieb nach 40 Jahren, also 2031, wieder eingestellt wird. Davon rückt der Betreiber, die EDF aber inzwischen ab. Geht es nach ihr, soll Cattenom noch bis 2050 am Netz bleiben.

30 Störfälle pro Jahr

850 Störfälle wurden bisher aus Cattenom gemeldet. Das sind rund 30 Störfälle pro Jahr. Rechnet man das weiter hoch, so darf man sich auf noch weitere rund 1000 Störfälle einrichten, bis in der Anlage endlich die Lichter ausgehen.

156.000 Liter Salzsäure konnten auslaufen

Besonders brisant ist eine solche Vorstellung, weil man doch den Eindruck haben muss, dass die Verantwortlichen es mit der Sicherheit nun einmal nicht so genau nehmen. So konnten 2013 etwa über Stunden 156.000 Liter Salzsäure auslaufen und im Boden versickern, bevor jemand diese Störung bemerkte. Und auch 2015 begann schon recht früh mit einer Störung, nämlich mit einem Brand. Wie so häufig, hieß es auch dabei, dass es kein sicherheitsrelevantes Vorkommnis gewesen sei.

Weit vom Stand der Sicherheit entfernt

Der Atomexperte Dieter Majer war 2011 als Beobachter für Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg in Cattenom dabei, als der Meiler einem Stresstest unterzogen wurde. Das damalige Ergebnis war alles andere als positiv. Zahlreiche Mängel wurden festgestellt. Jetzt war Majer wieder in Lothringen, begleitet von einer Gruppe von Grünen-Politikern. Sein Fazit nach immerhin über drei Jahren: Die Anlage sei weit „vom heutigen Stand der Wissenschaft und Technik“ der Sicherheit entfernt. Für eine „bestmögliche Schadensvorsorge“ habe man nichts getan.

Notwarte unzureichend

So bemängelt er, dass Cattenom keine strahlenschutztechnisch ausgerüstete Notwarte hat. Die Notwarte ist ein Steuerungsstand, von dem aus ein AKW auch im Falle eines Unfalls gesteuert werden kann. Er sollte normalerweise so „verbunkert“ sein, dass das Bedienpersonal vor eventuell austretender Strahlung geschützt ist. Auch die Notstromversorgung, so Majer, sei unzureichend.

Ein Terrorangriff kommt nicht vor

Als weitere Mängel wurden nach dem Besuch des Experten und der Politiker angeführt, dass Cattenom nicht auf ein Erdbeben nach dem neuesten Stand der Erkenntnisse vorbereitet sei. Das Lagerbecken für die Brennelemente sei nur mit einem sehr dünnen Dach abgedeckt und ein Flugzeugabsturz oder gar ein terroristischer Anschlag ist im Sicherheitskonzept gar nicht aufgenommen. Dies ist besonders erschreckend, nachdem Cattenom zu den Kraftwerken gehörte, die vor einigen Monaten von Drohnen überflogen wurde, von denen man bis heute nicht weiß, wer sie gesteuert hat.

Ein GAU träfe ganz Luxemburg

Schon seit Jahren fordern Rheinland-Pfalz und Saarland zusammen mit Luxemburg die Stilllegung des gerade einmal 50 Kilometer von Trier entfernten AKW’s. Luxemburg hat an der Abschaltung ein besonderes Interesse, denn das Großherzogtum ist das einzige Land der Erde, dass bei einem so genannten GAU, also dem größten anzunehmenden Unfall, zur Gänze betroffen und bedroht wäre.

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