Update: Das Imperium schlägt zurück – Afrikas Asse dominieren Trierer Silvesterlauf

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Bitte lächeln! Das Podium nach dem Herrenrennen. Ganz oben thront Moses Kipsiro, links der Zweite Tegen Amare, rechts Homiyu Tesfaye.

Bildquelle: lokalo, Silvesterlauf Trier

TRIER. Rund 15 000 Zuschauer waren Zeuge eines historischen Augenblicks. Der Weltklasse-Langstreckler Moses Kipsiro aus Uganda trat beim 25. Bitburger Silvesterlauf in Trier zum fünften Mal an über die 8-km-Strecke an und gewann auch zum fünften Mal. Er ist damit alleiniger Rekordsieger beim bestbesetzten deutschen Silvesterlauf. Auch bei den Frauen gab es eine Wachablösung. Nazret Weldu aus Eritrea, die erst am Veranstaltungstag nachgemeldet hatte, komplettierte den afrikanischen Triumph.

Ein Jahr nach dem deutschen Doppelsieg beim Trierer Silvesterlauf schlug das Imperium zurück. Das „Deutsche Sao Paulo“ war 2014 wieder fest in afrikanischer Hand – dennoch darf man den deutschen Assen bescheinigen, sich großartig geschlagen zu haben. Im topbesetzten Männerrennen verwies Vorjahressieger Homiyu Tesfaye seinen Landsmann Arne Gabius knapp auf Platz vier. Bei den Frauen landete Corinna Harrer, die Gewinnerin der beiden letzten Jahre, vor Diana Sujew auf Rang fünf.

Neun Jahre nach seinem ersten Triumph in Trier, damals als 19-Jähriger, ist Moses Kipsiro („Trier ist mein Zuhause“) am Ziel. Der bescheidene 10 000-m-Commonwealthsieger, der bisher gemeinsam mit dem Kenianer Daniel Gachara mit vier Siegen in den Rekordbüchern stand, ist nun mit fünf Erfolgen der ungekrönte König von Trier. Vielleicht macht vollzieht er ja jetzt schon den für die Zukunft schon angekündigten nächsten Schritt in seiner Lebensplanung, wird Viehzüchter in seinem Heimatland und nennt die Farm „Trier“.

In der dritten Runde lagen die Favoriten noch dicht beieinander. Moses Kipsiro bestimmt mit dem späteren Fünften Abraham Kipyatich aus Kenia das Tempo.
In der dritten Runde lagen die Favoriten noch dicht beieinander. Moses Kipsiro bestimmt mit dem späteren Fünften Abraham Kipyatich aus Kenia das Tempo.

Er musste sich seinen Sieg hart erarbeiten. Nach vier Runden bestand die Kopfgruppe noch aus zehn Läufern – ein klarer Favorit hatte sich bis dahin noch nicht herausgeschält. Schon auf der ersten Streckenhälfte zeigte der deutsche Langstreckler des Jahres 2014, Arne Gabius, besondere Qualitäten. Gegen die durchweg von kürzeren Strecken kommenden Konkurrenten konnte er das Tempo nicht bestimmen, der Neu-Marathoni hatte nur die Chance, sich festzubeißen. Was er in beeindruckender Manier auch tat. Kleine Lücken konnte er immer wieder schließen.

Nach dem fünften Kilometer blies Vorjahressieger Homiyu Tesfaye zur Attacke. Seiner Tempoverschärfung konnten nur Kipsiro und die Nummer 27 folgen, den die Zuschauer vergeblich in den Starterlisten suchten. Es war Tegen Hailemariyam-Amare, ein 21-jähriger junger Mann aus Äthiopien, der erst am Renntag nachgemeldet hatte. Gabius folgte dem Trio mit etwa 20 m Abstand. Als es in die vorletzte Runde ging, setzte Amare alles auf eine Karte, griff am Hauptmarkt an und lief als Erster in die Fleischstraße – Kipsiro und Tesfaye blieben auf Tuchfühlung. Als es auf den letzten Kilometer ging, war Tesfaye geschlagen, die Entscheidung fiel innerafrikanisch.

Gemeinsam bogen Kipsiro und Amare in die Brotstraße ein. Unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Trillerpfeifen und Sambatrommeln zog Kipsiro seinen Endspurt an, dem auch der starke Äthiopier nicht gewachsen war. Im Konfettiregen überquerte der 28-jährige Ugander in 23:04,3 Minuten mit zwei Sekunden Vorsprung die Lichtschranke am Hauptmarkt. Amare lief mit 23:06,3 ins Ziel. Mit zehn Sekunden Respektabstand lieferten sich Arne Gabius und Homiyu Tesfaye ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Rang drei, das Tesfaye (23:16,5) mit einer halben Sekunde Vorsprung für sich entschied.

Corinna Harrer verpasste den Hattrick. Dennoch gab es den Konfettiregen für eine starke Leistung.
Corinna Harrer verpasste den Hattrick. Dennoch gab es den Konfettiregen für eine starke Leistung.

Auch im Rennen der Frauen über 5 km waren die deutschen Topläuferinnen der Konkurrenz aus Afrika nicht gewachsen. Corinna Harrer, die nach einer langwierigen Verletzung erst seit wenigen Wochen wieder im Lauftraining ist, scheiterte bei dem Versuch, den ersten Hattrick bei den Frauen zu landen, bot dennoch eine bärenstarke Vorstellung. In einem wahren Ausscheidungsrennen wurde die Spitzengruppe durch die unermüdlich abwechselnd attackierenden Afrikanerinnen immer mehr reduziert. Eingangs der letzten Runde waren noch sechs Läuferinnen zusammen. Harrer trat die Flucht nach vorne an. Als das Führungsquintett in die Brotstraße einbog, wurde die Vorjahressiegerin aber gleich von einem Quartett überholt, dass sie zwar nicht abschütteln konnte, sie aber auf Distanz hielt. Im Zielsprint setzte sich Nazret Weldu aus Eritrea in 16:01,3 Minuten klar vor der Äthiopierin Yemenu Tewabech (16:03,2) durch – beide waren hatten nachgemeldet und waren deshalb nicht vom Start weg im Fokus. Rang drei belegte Weynshetsan Weldetsadik, ebenfalls aus Äthiopien, in 16:05,7. Harrer lief in 16:08,7 auf Rang fünf, als erste aus der Verfolgergruppe überquerte Diana Sujew in 16:18,6 den Zielstrich.

Schnell aber schweigsam. Nazret Weldu aus Eritrea, die Überraschungssiegerin bei den Frauen.
Schnell aber schweigsam. Nazret Weldu aus Eritrea, die Überraschungssiegerin bei den Frauen.

An der Siegerin, der 21-jährigen Nazret Weldu, hatte sich nicht nur die Konkurrenz die Zähne ausgebissen. Bei dem Versuch die Siegerin auf der Ehrentribüne auf dem Hauptmarkt zu interviewen, scheiterte ZDF-Chefreporter Wolf-Dieter Poschmann. Die stolze Afrikanerin schwieg auf alle Fragen des Journalisten. Auch von der Zweit- und Drittplatzierten erntete er nur ein Kopfschütteln. Ganz am Ende der Siegerehrung, als die Damen das Podium verließen, hatte er dann doch noch ein Erfolgserlebnis. „Thank you“, hauchte Nazret Weldu vor sich hin – und „Poschi“ war begeistert.

Insgesamt 2000 Teilnehmer aus 22 Nationen gingen beim „Deutschen São Paulo“ durch die historische Trierer Altstadt an den Start. Etwa 15.000 Zuschauer feuerten die Läufer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Trillerpfeifen, Samba-Trommeln und Konfetti-Regen an. Bereits zum 22. Mal moderierte ZDF-Mann Wolf-Dieter Poschmann, unterstützt von Berthold Mertes, dem Vorsitzenden des Vereins Silvesterlauf Trier, das Geschehen auf dem Hauptmarkt.

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