Flüchtlingsproblematik im Fokus der Weihnachtspredigten – In Rom und in Trier

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Der Papst rief in seiner Weihnachtspredigt zu mehr Zärtlichkeit auf

Bildquelle: Wikipedia, lokalo.de

ROM/TRIER. Weihnachtspredigten genießen nach wie vor einen besonderen Stellenwert. Ihre Botschaften werden gehört. Zur Weihnacht nutzen insbesondere der Papst und die Bischöfe die Gelegenheit, die christliche Lehre mit den Problemen der aktuellen politischen Lage zu Verbinden. 

Papst Franziskus hob in seiner Predigt bei der Christmette im Petersdom das Bedürfnis der Welt nach Zuneigung hervor. „Wie sehr braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit“, sagte das Oberhaupt der 1,2 Milliarden römischen Katholiken. Weiter sagte er: „Haben wir den Mut, mit Zärtlichkeit die schwierigen Situationen und die Probleme des Menschen neben uns mitzutragen, oder ziehen wir es vor, sachliche Lösungen zu suchen, die vielleicht effizient sind, aber der Glut des Evangeliums entbehren?“

Vor der Christmette rief der Papst im Irak an

Bevor der Papst die Christmette vor tausenden Gläubigen feierte,hatte er ein Flüchtlingslager für verfolgte Christen im Nordirak angerufen, um den Menschen dort Mut zu machen. In dem Lager bei Erbil haben Tausende vor der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat Zuflucht gesucht.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann stellte die konkret die Flüchtlingsproblematik in den Kontext mit der Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium. Er sagte in seiner Weihnachtspredigt am heutigen ersten Weihnachtstag, die Weihnachtsbotschaft ist nicht nur eine moralische Hilfe für die Flüchtlingsfrage. Vielmehr hilft die Flüchtlingsthematik, die Botschaft besser zu verstehen und Aspekte an ihr zu entdecken, die bislang nicht gesehen oder wieder vergessen wurden.

Wer sich der Tatsache bewusst sei, dass derzeit über 50 Millionen Menschen auf der Flucht sind, weil sie in ihrer Heimat keine Lebensperspektive mehr sehen, weil sie benachteiligt oder sogar mit dem Tod bedroht sind, und „nur halbwegs menschlich empfindet“, der könne nicht unbeteiligt an der Seite stehen. Die Hilfe für Menschen in diesen Bedrängnissen sei schlicht ein humanitäres Gebot. „Wenn wir in früheren Jahren die Botschaft von Gott, der in Jesus Christus Mensch wurde und in dieser Welt Aufnahme sucht, rein abstrakt-spirituell hören konnten, so ist dieser Weg nun versperrt“, sagte der Bischof.

Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann.
Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann.

Gott klopft durch die Flüchtlinge ganz konkret an

Die Weihnachtsbotschaft aber nur als „frommes Mittel zur Verstärkung der Spendenfreudigkeit und Hilfsbereitschaft“ zu sehen, würde sie instrumentalisieren, warnte Ackermann. Er machte das am Gedanken des „Aufnehmens“ deutlich, der schon im Prolog des Johannesevangeliums ein zentrales Motiv sei: Dort ist die Rede von denen, die Gott nicht aufnehmen – die Hohepriester und führenden Repräsentanten Israels – und denen, die ihn aufnehmen, allen voran Maria und Josef. Ackermann ermutigte die Gläubigen, sich zu fragen, zu welcher Gruppe sie gehören würden – und fragte, ob die Antwort wirklich so klar sei. „Denn wir müssten zugeben, dass Gott noch nie unmittelbar bei uns angeklopft und um Aufnahme gebeten hat.“ Gott trete immer vermittelt an die Menschen heran, spreche durch Zeichen, „selbst dann, wenn wir überzeugt sind, dass er uns ganz nah ist“.

Durch Störenfriede kommt Gott zu uns

Das Jahr 2014 habe mit einer besonderen Intensität den Blick auf die Menschen gerichtet, die ihre Heimat verlassen haben und an anderen Orten um Aufnahme bitten. „Damit weitet es unseren Blick für die vielfältigen Weisen, wie Gott zu uns kommen und aufgenommen werden will.“ Er komme eben nicht nur durch die Heilige Schrift oder die Feier des Glaubens oder „durch Menschen zu uns, die uns mit Verständnis und Liebe begegnen, sondern auch durch solche, die wir als Störenfriede empfinden, die uns vielleicht sogar lästig sind“. Irgendeine „Art von frommem Gefühl“ sei noch kein Anzeichen für die Nähe Gottes. „Entscheidend ist, ob uns etwas zu mehr Glaube, zu mehr Hoffnung, zu mehr Liebe herausfordert und anspornt!“ betonte der Bischof. Wer sich so herausgefordert fühle, könne davon ausgehen, dass Gott sich nähert und um Aufnahme bitte.

Ackermann sagte, dass der Mensch weder wisse, wie das Kind noch wie der erwachsene Jesus aussehe, bewahre ihn davor, sich festzulegen und zu sagen: „Nur in dem, der so aussieht, erkenne ich Gott. Und nur er darf von mir erwarten, aufgenommen zu werden.“ Diese „göttliche Liebeslist“ treibe immer wieder dazu an, Ausschau danach zu halten, „wo Gott uns sein Gesicht zeigt und auf uns zukommt“.

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