DGB: 9450 Beschäftigte in der Region profitieren von Mindestlohn

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Bildquelle: Wikimedia Source, YouTube

TRIER. In wenigen Tagen ist es soweit: Der von der Großen Koalition beschlossene Mindestlohn tritt am 1. Januar des neuen Jahres in Kraft. 8,50 Euro müssen Arbeitsgeber dann verpflichtend pro Stunde bezahlen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der Region Trier schätzt, dass davon rund 9450 Vollzeitbeschäftigte profitieren, die bisher weniger verdienen. 

Das heißt: Fast 10 Prozent der insgesamt 104 000 Vollzeitbeschäftigen in der Region Trier werden von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns profitieren, so die Berechnungen der Gewerkschaft. Der profitierende Anteil bei den sozialversicherten Teilzeitbeschäftigten (43 000) und den Minijobbern (38 000) wäre laut DGB noch deutlich höher.

Christian Z. Schmitz, DGB-Regionsgeschäftsführer Trier, betont die Vorzüge des Mindestlohns für Arbeitnehmer in der Region.
Christian Z. Schmitz, DGB-Regionsgeschäftsführer Trier, betont die Vorzüge des Mindestlohns für Arbeitnehmer in der Region.

Bundesweit arbeiten deutlich mehr Frauen im Niedriglohnbereich als Männer. Dieser Trend zeigt sich auch in der Region Trier. Während 4,7 Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer in der Region Trier brutto weniger als 1.500 Euro monatlich verdienen, liegt der Anteil der Frauen bei 20,5 Prozent.

DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz ist überzeugt, dass der gesetzliche Mindestlohn zu mehr Gerechtigkeit und auch mehr Kaufkraft führen wird: „Die Akzeptanz bei den Unternehmen wird Schritt für Schritt zunehmen, wenn sie sicher sein können, dass der Mindestlohn auch von der Konkurrenz bezahlt wird“. Wichtig sei allerdings eine wirksame Überwachung. „Einige Arbeitgeber versuchen mit allen Tricks den Mindestlohn zu umgehen. Das ist kein Kavaliersdelikt: wer gegen das Mindestlohngesetz verstößt, muss mit Geldbußen von bis zu 500.000 Euro rechnen“, warnt der Interessensvertreter.

Laut wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen soll der Kaufkraftgewinn durch den Mindestlohn alleine für die Region Trier über 122 Millionen Euro im Jahr betragen. „Gerade regional ausgerichtete Unternehmen werden davon profitieren“, ist sich Schmitz sicher. Der Gewerkschaftslobbyist weist darauf hin, dass der DGB ab dem 2. Januar eine bundesweite Infohotline schalten wird, an der sich jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin kostenfrei informieren könne. Grundsätzlich sei schon jetzt wichtig zu wissen, dass der Mindestlohn bis zu drei Jahre rückwirkend eingeklagt werden könne. Und auch die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne behalten ihre Gültigkeit und können nicht mit Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn gekürzt werden.

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18 KOMMENTARE

  1. Was denn jetzt, 8,50 brutto oder netto, Herr Gewerkschaftssekretär? 160 Stunden mal 8,50 eu Brutto ergibt 1360 eu brutto und ca 1000 eu netto, je nach Steuerklasse. Dies ist weit weg von ihren postulierten 1500 eu . Mal wieder versucht die Leute zu verarschen! Viele Leute die bisher netto bezahlt wurden, Bsp Minijobs, werden künftig schlechter gestellt sein. Es geht hier doch garnicht um die Menschen, sondern nur darum die Sozialversicherung zu füllen um sie später für fremde Leistungen zu plündern!

  2. Die 8,50 EUR sind natürlich brutto. Die Arbeitsstunden der Minijobber werden so weit reduziert, dass sie in der 400 – 450 EUR-Zone bleiben. Fazit: statt mehr Geld gibt’s mehr Freizeit, in der unsere Mitmenschen ihr nicht vorhandenes Geld ausgeben sollen/dürfen. Also mal wieder klassisch am Volk vorbeigeplant. Danke Bundesregierung.
    Im Übrigen: Wie sagt man: Wer rechnen kann ist klar im Vorteil. Will heißen: Wer mal zu Ende rechnet, dass in DE endlich wieder Löhne und Gehälter nötig sind, damit eine mindestens drei bis vierköpfige Familie von einem einzelnen Einkommen vernünftig und ohne existenzielle Not leben (nicht nur _über_leben) kann, der kommt schnell darauf, dass dadurch viele Vorteile für alle entstehen: Umkehr des Problems mit dem demographischen Wandel, steigende Inlandsnachfrage, mehr Produktion, stabilisierte Wirtschaft, geringere Sozialabgaben bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern und trotzdem höhere Renten für unsere verdienten Vor-Generationen, besseres und verbreitertes Werteempfinden bei den jüngeren Mitbürgern weil jemand zuhause (egal ob Papa oder Mama) die Richtung vorleben kann, dadurch geringere Jugendkriminalität und somit mehr Chancen für Bildung, … Ich könnte hier ewig weiter aufzählen… Aber wer verhindert das? Unsere Wirtschafts-Entscheider und deren Gehilfinnen und Gehilfen aus der Politik. Nochmals: Danke Bundesregierung. Danke auch an alle Dumm-Wähler, Nicht-Nachdenker und an alle unmutigen Meinungs-Zurückhalter. Ihr Deutschen seid selbst schuld an Eurer Dumm-Regierung. Wie oft lasst Ihr Euch bloß noch auf den Schnabel hauen, bevor Ihr Euch traut mal „Autsch“ zu rufen und Euch endlich wehrt? Naja, ist ja Euer Leben und Eure Zukunft… Viel Spaß beim „Flaschen-Sammeln-gegen-Alters-Armut“.
    Noch was: Wozu haben sich unsere Ur-Ur-Ur-Großeltern eigentlich nochmal den Hintern aufgerissen und Gewerkschaften aus dem Boden gestampft, wenn wir das heute alles nicht mehr nutzen wollen? Aktuelles Beispiel: Der Mindestlohn eines ausgebildeten Schreiners in Rheinland-Pfalz liegt bei 15,38 EUR und damit ist er, ähnlich wie die Vertreter/-innen einiger weiterer Branchen, bundesweit einer der am schlechtesten bezahlten Handwerker. Wetten, dass viele hier noch viel, viel weniger bekommen und trotzdem die Klappe halten? Selbst schuld, kann ich da nur sagen…

  3. Hat doch diese Woche erst die Firma McDonalds freudestrahlend verkündet, man habe sich nach langem Ringen mit der Gewerkschaft NGG auf einen neuen Haustarif geeinigt. So steigt der Lohn von 7,30 Euro auf 8.51 Euro. Wow. Einen ganzen Cent über dem Mindestlohn.

  4. @ herr fischer: können Sie mir bitte sagen wie sich das in Zukunft für mich darstellt? Ich bin Schüler und verdiene derzeit 7 eu netto/std., Soviel ich weiß trägt mein Arbeitgeber zusätzlich nochmal 30% Nebenkosten pauschal, was für ihn eine stundenbelastung von 9,10 eu bedeutet. Werden mir in Zukunft die Nebenkosten von dem, dann 8,50 eu betragenden Brutto-Stundenlohn, abgezogen, sodass ich dann netto weniger in der Tasche habe?

    • Nö. Bin zwar nicht Herr Fischer, aber Minijob bleibt Minijob. Je nach Branche greifen die 8,50 brutto ja noch nicht mal. Minijobber arbeiten meist einfach nur ein paar Stunden weniger, sonst ändert sich für sie normalerweise nichts. Und die AG bleiben bei ihren Pro-Kopf-Nebenkosten. Sie müssen die freien Stunden dann mit zusätzlichen Leuten auffüllen oder lassen das einfach sein.

      • Richtig. Zum Beispiel ist da eine Presse/Werbungsverteilfirma aus Euren, die Zahlen auch an Jugendliche nur Akkordlohn. Da muss der Staat mal ran.

    • Arbeiten weniger Stunden. Beispielrechnung: bei 5 Euro Stundenlohn konnte/musste man 90 Stunden Arbeiten um die 450 Euro zu erreichen. Jetzt sind es maximal 53 Stunden.

    • @Sepp: Wen meinst Du mit „keine Ahnung“? Es muß nicht jeder gleich alles wissen, nur weil’s ihn betrifft. Dafür gibt’s normalerweise die Leute, die Ahnung haben. Wenn man sich aber auf die nicht verlassen kann, weil die die Nachteile solcher Regelungen verschweigen, dann muss Nachfragen doch erlaubt sein, ohre dafür Kritik einstecken zu müssen. Seltsames Posting von Dir, ehrlich…

        • Fragen und Antworten gehören zu den Grundlagen der Kommunikation. Macht doch jeder, oder? Es gibt sicher auch Leute, die keine Fragen stellen und nur nach bereits gegebenen Antworten suchen, die auf Fragen anderer veröffentlicht wurden. Selbst fragen zeigt interesse, geht schneller und ist oft effektiver als langes Rumgesuche. Bei beiden Fragestellern hier handelt es sich offenbar um Leute, die dieses spezielle Thema betrifft, die aber bisher nur wenig Erfahrung damit haben. Zum Fragen gehört Mut, und den sollten wir als jene, die die Antworten kennen, nicht niedertrampeln, sondern begrüßen.

  5. Grundlage der DGB-Berechnungen: Rein rechnerisch müssten alle Vollzeitbeschäftigten, die bisher bei einer 39-Stunden-Woche und im Schnitt 4,35 Arbeitswochen weniger als 1.442 Euro brutto im Monat erhalten haben, bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro mehr verdienen. Bei den Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung werden aber auch einmalige Zahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, Überstundenzuschläge, Gefahrenzulagen etc. anteilig berücksichtigt. Da auch Beschäftigte unter Mindestlohnniveau teils in den Genuss der genannten Zuschläge wie bei Überstunden kommen und zum Teil auch länger arbeiten, gehen die DGB-Berechnungen von einer Verdienstgrenze von 1.500 Euro brutto im Monat aus.

  6. Sehr geehrter Herr Schmitz,
    gemessen an der Zahl der Mini- und Midijobber, die bis 31.12.2014 weniger als 8,50 EUR bekommen haben, ist die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten in dieser „Preisklasse“ doch wohl
    verhältnismäßig gering. Warum gibt es beim DGB denn keine Erhebung über die Anzahl der Geringverdiener, die jetzt zwar nur durch den gesetzlichen Druck einen höheren Stundensatz erhalten, aber trotzdem unterm Strich nicht mehr raus haben? Von ein paar Stunden mehr Freizeit können sich diese Leute auch nichts kaufen. Wirtschaftspolitisch ist das jedenfalls jetzt erst mal ’ne Null-Nummer. Die Zahl, die bei einer solchen Erhebung unterm Strich raus käme, ließe sich dann jedenfalls nicht mehr als positives Ergebnis der Mindestlohn-Gesetzgebung verkaufen.

    Und weiter: erzählen Sie den Betroffenen, die unter die vorübergehenden Ausnahmeregelungen fallen, einmal, warum sie den gesetzgebenden Volksvertretern diesbezüglich weniger Wert sind als die Allgemeinheit, für die keine Ausnahmen geschaffen wurden? Bei mit öffentlichen Leistungen aufstockenden Familien stoßen Sie damit sicher auf wenig Verständnis.

    Ist es nicht die Aufgabe einer Gewekschaft, sich für die Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer einzusetzen, wenn sie gleiche Leistungen erbringen? Ist es nicht langfristig ihre Aufgabe, dafür zu arbeiten, dass Familien von einen einzelnen Einkommen vernünftig leben können? In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ist auch der DGB dieser Aufgabe NICHT gerecht geworden und hat mit seiner Lohn- und Gehaltspolitik letztendlich zu dem beigetragen, was jetzt von gesetzgeberischer Seite in Patchwork-Manier ausgebügelt werden soll. Als Vertreter einer Organisation, die zwar ihre ursprünglichen Ziele aus der Zeit der Industrialisierung erreicht hat, sich dann aber nach den siebzige/achtziger Jahren mehr durch duckmäuserisches Verstecken gegenüber dem Willen der Wirtschaft und der Politik aufgefallen ist als durch die Festigung sozialgesellschaftlich langfristig tragfähiger Strukturen, würde ich mich schämen, den aktuellen Mindestlohn mit all seinen Fehlern als Erfolg zu feiern. Es ist abscheulich, Menschen für 8,50 EUR zur Arbeit zu schicken und dann auch noch zu erwarten, dass sie damit auch noch Kinder in die Welt setzen sollen, die hinterher fremderzogen werden und jede Form von geradeliniger Wertevermittlung aus dem Elternhaus vermissen müssen, weil ja Papi _und_ Mami arbeiten müssen, damit Miete, Strom und Wasser bezahlt werden können und trotzdem noch was übrig bleibt, mit dem man den Kühlschrank füllen kann. Und dann wundert man sich hierzulande über den demographischen Wandel und doktort weiter an rentenaufstockenden Reglements wie bAV und Rente mit 67 oder neuerdings abschlagsfrei ab 63 nach genügend Beitragsjahren.
    Wenn die Gewerkschaften in den letzten zwanzig/dreißig Jahren ihre Arbeit gemacht hätten, gäb’s heute keine Minijob-Auswüchse, keinen „demographischen Wandel“ der den Generationenvertrag zerstört und deutlich weniger „bildungsferne Familien“ und „Bildungsnotstand“. Die verfehlte Familienpolitik des gleichen Zeitraums hat ebenfalls ihr Übriges dazu beigetragen.

    Nicht zu fassen, dass der verfehlte, geflickschusterte Versuch einer Korrrektur der verfahrenen Folgen der Fehler der letzten Jahrzehnte nun als Erfolg gefeiert wird.

  7. Da ich 1975 geboren wurde, kann ich über Versäumnisse der 70er und 80er trefflich analysieren, ändern würde das kein bißchen. Ich setze mich in meinen Möglichkeiten für eine Änderung des Kräfteverhältnisses von Arbeit und Kapital ein. Der von Ihnen richtigerweise als „zu wenig“ kritisierte Mindestlohn bringt Geringverdienern in der Region Trier ein Lohnplus von mind. 122 Mio. € im Jahr.
    Minijobs: allerdings ist dies das „Krebsgeschwür“ unseres regionalen Arbeitsmarktes. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich aber noch niemanden getroffen, der sich darüber beschwert hat, nur noch max. 53 Std./Monat dafür zu arbeiten.
    Meine Bitte: helfen sie doch bei unseren Initiativen mit, den „Minijob“ in seiner privilegierten, weil subventionierten Form abzuschaffen und kämpfen sie mit uns, dass die Dokumentationspflicht bei der Stundenerfassung beim MiloG, die einzig eine wirksame Form der Kontrolle bietet, erhalten bleibt.

  8. Wo bitte ist der Minijob privilegiert! Der Arbeitgeber zahlt hier ca 32 % on Top auf den Stundenlohn, bei festen Arbeitsverhältnissen nur ca 22% on Top auf den Stundenlohn! Mal wieder eine Lüge der roten Neider und Umverteiler! Warum wollen Sie eigentlich, dass ich als Studentin keinen Minijob mehr ausüben kann?

    • @studentin:weil die roten Umverteiler es ihnen nicht gönnen, das ihr Stundenlohn brutto gleich netto ist! Denn das Märchen vomArbeitgebervorteil schwirrt nur in den Köpfen der Menschen, die in Arbeitgebern grundsätzlich den Ausbeuter sehen. Bei Vollzeitbeschäftigten beträgt der Arbeitgeberanteil nur ca 23 % gegenüber 32 % bei Minijobs! Wo also sollte der Sinn/ Vorteil für den Arbeitnehmer sein?

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