Homer Simpson – Das Vorbild vieler Arbeitnehmer

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Homer Simpsons Lieblingsbeschäftigung ist das Nichtstun.

Bildquelle: The34Truth / deviantart

Wer gern die Simpsons guckt weiß, wie unheimlich fleißig Homer ist. Ja. Nämlich überhaupt nicht. Er hat das Nichtstun quasi erfunden. Ein Wissenschaftler fand jetzt heraus, dass in jedem von uns ein kleiner Homer steckt.

In Finnland kam es 2004 zu einem verstörenden Zwischenfall. Eine Geschichte, die auf gleich zwei Arten Fragen aufwirft. Ein Finanzbeamter stirbt an seinem Arbeitsplatz, während er Steuereingänge kontrolliert. Er war in einer Institution tätig, in der 100 Mitarbeiter mit ihm auf einer Etage beschäftigt sind. 30 Kollegen arbeiteten mit ihm in einer Abteilung. Gefunden wurde der Verstorbene zwei Tage nach seinem Ableben – ein Kollege wollte mit ihm die Mittagspause verbringen. Nicht nur, dass der Finanzbeamte erst nach zwei Tagen tot an seinem Schreibtisch gefunden wurde – es fiel auch tagelang niemandem auf, dass seine Arbeit nicht voran geht.

Der Wissenschaftler Roland Paulsen beschäftigte sich mit der Frage, wie soetwas passieren kann. Er schrieb das Buch „Empty Labour“, Leere Arbeit, das im September veröffentlicht wurde. Während seiner Recherchen sprach er mit hunderten Menschen und kam zu der Erkenntnis, dass der durchschnittliche Arbeitnehmer täglich bis zu zwei bis drei Stunden am Arbeitsplatz verbummelt.

Es wird wahllos im Internet gesurft, geshoppt, sogar Pornos werden am Arbeitsplatz geguckt. In den USA machen Onlineshops zwischen 9 und 17 Uhr zwei Drittel ihres Umsatzes. 70 Prozent des Traffics auf Pornoseiten findet während der Arbeitszeiten statt. Paulsen nennt dieses Verhalten das „Homer-Phänomen“.

Diese Tatsachen sind natürlich kaum erforscht. Welcher Arbeitnehmer gibt schon gern freiwillig zu, dass er während der Arbeit, für die er bezahlt wird, zu oft nichts tut. Zu viele arbeiten einfach nicht gern, sondern nur, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Paulsen sieht die Ursachen des Problems aber nicht nur auf der Seite der Arbeitnehmer: Viele Berufstätige fühlen sich unterfordert.

Auch Paulsen hat schon Erfahrungen mit der „leeren Arbeit“ gemacht: Während seines Studiums verdiente er sich in einem Nebenjob etwas dazu. Während seiner eigentlichen Arbeitszeit konnte er lesen und für die Uni lernen, stellte sich aber hier schon die Frage: Wie kann es sein, dass fürs Nichtstun gezahlt wird?

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