Der Meister kommt – Spiel des Jahres für die TBB gegen Bayern München

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Der Kader des deutschen Basketballmeisters FC Bayern München.

Bildquelle: FCB Basketball

TRIER. Am 18. Juni 2014 war es soweit: Der FC Bayern München hatte ALBA Berlin in vier Spielen um die deutsche Basketball-Meisterschaft niedergerungen. Das entscheidende Duell fand in der Hauptstadt in der o2-World statt. Pikanterie am Rande, der für München spielende Berliner Heiko Schaffartzik verneigte sich am Ende provokant vor dem Publikum in seiner ehemaligen sportlichen Heimat. Ein Affront – zumindest fassten es die Berliner so auf, denn die Chemie zwischen den beiden deutsche Topclubs ist nach etlichen Wechseln von ehemaligen ALBA-Akteuren an die Isar nachhaltig gestört.

Der erste Meistertitel für die Münchener nach 1954 und 1955 wurde nach einer wahren Achterbahnfahrt Realität. Im Verlauf der Playoffs hatte es große Kämpfe und ebensolche Emotionen gegeben. Oldenburg hatte den Bayern im Halbfinale fünf Spiele aufgezwungen, Nihad Djedovic war mit einem Handbruch schon im Viertelfinale ausgefallen und als skurriles Highlight wurde die Partie der Bayern bei den MHP RIESEN Ludwigsburg wegen eines Formfehlers wiederholt.

Mit Schaffartziks Verbeugung war die Mission erfüllt, die 2010 in der Pro A begonnen hatte, als der FCB mit Dirk Bauermann den amtierenden Bundestrainer verpflichtete, um ein mit BBL-Profis gespicktes Zweitliga-Team ins Oberhaus zu führen. Die erste Saison nach dem Aufstieg endete auf Platz 5, Bauermann wurde kurz vor Beginn der Spielzeit 2012/13 beurlaubt, im November 2012 übernahm Trainerlegende Svetislav Pesic. Pesic führte den FC Bayern 2013 ins Halbfinale und dann 2014 zum Titel.

Die nächste Mission auf dem Bayern-Zettel heißt folgerichtig: Titelverteidigung – darunter wird es der große „Mutterverein“ seine Basketballabteilung nicht machen lassen. „So bereite ich die Saison vor, so werde ich trainieren lassen“, sagte Svetislav Pesic dem BIG-Magazin im Sommer. Wer Pesics Vita kennt, weiß, dass der 65-jährige die Mittel dazu hat – mit ALBA BERLIN holte Pesic zwischen 1997 und 2000 vier Deutsche Meisterschaften in Folge.

Seinen manchmal eigenwilligen Point Guard Malcolm Delaney, letztes Jahr MVP der Beko BBL, musste Pesic ziehen lassen, der 25-jährige US-Amerikaner spielt jetzt im russischen Krasnodar. Für ihn holten die Bayern das Riesentalent Vasilije Micic – erst 20 Jahre alt, ein völlig anderer Spielertyp und vor allem, wie Pesic, Serbe. Vom früheren Serienmeister Brose Baskets Bamberg wechselte mit Anton Gavel einer der beliebtesten Spieler der Liga – „ein klassischer Bayern-Transfer“ mögen Kritiker denken, „für Gavel die richtige Entscheidung“, sagen die Bayern-Fans.

Auch auf der Power Forward-Position wird jetzt serbisch gesprochen: Mit Dusko Savanovic (Istanbul) und Vladimir Stimac (Malaga) kommen zwei Euroleague-erfahrene Big Men an die Isar. Geblieben ist Nihad Djedovic, der die Bayern aktuell mit 16,4 Punkten als Topscorer anführt, gefolgt von „Big John“ Bryant mit 14,9 Punkten und 8,1 Rebounds. Der amerikanische Center-Riese hat sich in seinem zweiten Jahr in München endgültig auf Pesics Radar gespielt. Er hat enorm abgespeckt und ist somit viel athletischer und auch schneller geworden. Auch Überathlet Bryce Taylor ist aus der Meistermannschaft noch dabei, ebenso die deutschen Nationalspieler Robin Benzing, Heiko Schaffartzik, Jan Hendrik Jagla, Yassin Idbihi und Lucca Staiger.

Doch selbst mit diesem Kader ist die Titelverteidigung kein Selbstläufer. Aktuell belegt der FC Bayern Platz 2 hinter dem „Erzfeind“ ALBA BERLIN, der ohne Niederlage vorweg marschiert. Die Bayern haben bisher zwei Spiele liegen lassen – eins in Berlin, eins zuhause gegen Göttingen. Der Aufsteiger nahm Mitte Oktober einen deutlichen 95:81-Auswärtssieg aus dem Audi Dome mit – und profitierte dabei von der Doppelbelastung der Gastgeber, die nur zwei Tage zuvor in der Euroleague in Barcelona ran mussten.

Das Bayern-Management reagierte Mitte November mit einem wahrhaften Transfer-Coup auf diesen Terminplan und eine anhaltende Verletztenmisere: Mit Bo McCalebb sicherte man sich die Dienste eines der besten Aufbauspieler in Europa. McCalebb, der neben dem amerikanischen auch einen mazedonischen Pass besitzt, ließ in bislang zwei Spielen seine Klasse mehr als aufblitzen: 13,5 Punkte und 8,5 Assists sind Topniveau.

Die TBB Trier trifft nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge als Tabellensechzehnter auf den Deutschen Meister. Die Freude, wieder vor großer Kulisse zu Hause zu spielen, überwiegt – dennoch sieht Henrik Rödl „eine klare Rollenverteilung.“ Der Trierer Coach weiter: „Münchens Kader ist unglaublich – auch wenn er in letzter Zeit arg verletzungsgebeutelt ist. Taylor, Gavel oder Micic kann man nicht einfach so ersetzen, wenn überhaupt. Bayern München kann das mit diesem endlos großen Kader noch am ehesten. Mit McCalebb sollten sie sicher an die Leistung anknüpfen, die sie zum Meister gemacht hat. Das wird für uns natürlich sehr schwer.“

Aber so Rödl weiter: „Wir wollen natürlich am Sonntag gut aussehen und an die Leistung der vergangenen Wochen anknüpfen. Ein Aufwärtstrend ist ja zu erkennen. Vielleicht können wir noch den einen oder anderen Schritt weitergehen, um München noch mehr zu ärgern. Man wird sehen, was am Ende dabei rauskommt.“
Dabei lässt sich Henrik Rödl wie gewohnt nicht in die Karten schauen: „Alle Spieler sind fit“, mehr sagt der Coach nicht auf die Frage, wer aufgrund der Ausländerregelung am Sonntag auf der Bank Platz nehmen soll.

[td_text_with_title custom_title=“Extra Eintrittskarten“] Zum „Spiel des Jahres“ zwischen der TBB Trier und dem FC Bayern München am Sonntag um 17 Uhr sind alle Sitzplatzkarten der Arena Trier ausverkauft. „Stehplätze werden knapp“ sagt Pressesprecher Tom Rüdell. Die TBB-Geschäftsstelle hat am Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet. red/wir

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