Das Laster mit dem Pflaster

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Das Bild der Trierer Fußgängerzone: Vereinzelt fehlen sogar ganze Steinreihen.

Bildquelle: Privat/Carlo Calchera

TRIER. Am gestrigen Donnerstag passierte, was so oft in der Trierer Innenstadt passiert. Diesmal traf es eine ältere Dame. Zeugen berichteten, dass sie aufgrund von Löchern in der Natursteinpflasterdecke gestürzt sei und sich blutige Gesichtsfrakturen zugezogen habe. Ein entsprechender Beitrag wurde im Netzwerk Facebook fast 170 mal geteilt. lokalo.de hat daraufhin bei der Stadtverwaltung nachgehakt. 

Auf Nachfrage erklärte das städtische Presseamt, dass der Vorall beim Tiefbauamt nicht bekannt sei: „Ob der Sturz der Frau aufgrund des Pflasters verursacht wurde, kann nicht bestätigt werden, da weder eine Meldung bei der Stadt noch irgendwelche Zeugenaussagen vorliegen.“

Generell ist das Tiefbauamt der Stadt „verkehrssicherungspflichtig“. Das heißt für Trier, dass das Amt vier Millionen Quadratmeter öffentliche Verkehrsfläche im Blick haben muss – darunter 500 Kilometer Straßen und Wege. Es sei „nicht auszuschließen, dass es durch schadhafte Beläge zu Unfällen kommen kann“, so die Stadtverwaltung. Grundsätzlich gelte, dass sich Verkehrsteilnehmer aufmerksam fortbewegen müssten. Gerade bei Natursteinbelägen wie in der Trierer Simeonstraße sei die Gefahr von Fehlstellen, Fugen oder fehlenden Steinen immer gegeben.

An dieser Stelle kam eine ältere Dame zu Fall. Stellen wie diese gibt es in der Trierer Fußgängerzone zu Hauf. Die Stadt will die Natursteinpflasterdecke nach und nach sanieren.
An dieser Stelle kam eine ältere Dame zu Fall. Stellen wie diese gibt es in der Trierer Fußgängerzone zu Hauf. Die Stadt will die Natursteinpflasterdecke nach und nach sanieren.

Um die Gefahren in Grenzen zu halten, betreibt die Stadt einen sogenannten Straßenkontrolldienst, der Straßen, Wege und Plätze in regelmäßigen Abständen auf Mängel und Schäden kontrolliert. Aus versicherungstechnischen Gründen wird die Fußgängerzone sogar einmal wöchentlich kontrolliert und je nach Gefahrenklasse behoben. Gerade dadurch, dass der Innenstadtbereich täglich stark frequentiert ist und auch von Schwertransportern im Liefervekehr befahren wird, ist die Gefahr, dass sich einzelne Pflasterstein lösen, erhöht.

Seit einigen Jahren ist die Straßenunterhaltung des Tiefbauamtes zusätzlich damit beschäftigt, das Natursteinpflaster in der Fußgängerzone grundsätzlich zu sanieren. „Das Verfahren ist nicht nur aufwändig, sondern durch viele äußere Einflüsse auch sehr zeitintensiv“, so das Presseamt. Das alte marode Material muss komplett aus den Fugen ausgestemmt und anschließend mit hochwertiger Fugenmasse verfüllt werden. Während der Arbeiten und im unmittelbaren Anschluss ist es aus Verkehrssicherheitsgründen erforderlich, die Baustelle über mehrere Tage abzusperren. „Leider lässt es sich aus verständlichen Gründen nicht bewerkstelligen, diese Arbeiten in einem Stück im Laufe eines Jahres durchzuführen. Das verwendete Material kann nur außerhalb der Frostperioden eingebaut werden“, rechtfertigt sich die Verwaltung.

Als idealer Zeitraum bleiben die Monate Mai bis September, bei günstiger Witterung möglicherweise noch bedingt die Monate April und Oktober. Mit Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen setzt zusätzlich der Tourismusverkehr in Trier ein, sodass die Arbeiten in der Fußgängerzone ab diesem Zeitpunkt gar nicht mehr ausführbar sind. „In der übrigbleibenden Zeit liegen Veranstaltungen, wie Altstadtfest oder Feiertage, bei denen die Arbeiten unterbrochen werden müssen“, so Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier. „Als zusätzlicher Aspekt kommt hinzu, dass in den Sommermonaten die Gastronomie große Flächen der Fußgängerzone beansprucht. Außerdem müssen Mindestfahrbahnbreiten für Rettungsfahrzeuge eingehalten werden. Aus diesen Gründen können die Arbeiten jedes Jahr nur stückweise in kleinen Flächen ausgeführt werden. Auch in den nächsten Jahren werden Arbeiten in den Monaten Mai und Juni, bei günstiger Witterung vielleicht auch im Herbst ausgeführt.“

Die Stadt gibt an, seit 2006 bereits folgende Flächen saniert zu haben:

  • Hauptmarkt         circa 2300 m²
  • Simeonstraße      circa 1100 m²
  • Jacobsstraße       circa 100 m²
  • Sternstraße          50 m²
  • Neustraße            circa 50 m²
  • Stockplatz            circa 800 m²

Zur Sanierung der Pflasterflächen in der Simeonstraße seien für das Jahr 2015 noch etwa 200.000 Euro eingeplant.

Einen Tag nach dem Sturz wurde die Steinspalte sofort geschlossen - trotz fehlender Unfallmeldung beim Tiefbauamt.
Einen Tag nach dem Sturz wurde die Steinspalte sofort geschlossen – trotz fehlender Unfallmeldung beim Tiefbauamt.

Das Schicksal der älteren Damen wird sich – zumindest an dieser Stelle – wohl so schnell nicht wiederholen. Einen Tag nach dem häufig geteilten Facebook-Posting waren – trotz der laut Presseamt fehlenden Meldung beim Tiefbauamt – Mitarbeiter der Stadt vor Ort, um die unfallverursachende Steinspalte zu schließen. „Die kamen in meinen Laden und haben gefragt, wo die Frau gefallen ist. Ich habe denen die ungefähre Stelle gezeigt und die haben direkt die Spalte zugemacht“, so Café-Betreiber Carlo Calchera, der mit seinem Beitrag auf Facebook für Wirbel gesorgt hatte.

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6 KOMMENTARE

  1. Vorschlag: in den kommenden Jahren mal auf alle Einschtänkungen verzichten und im Jluli und August vor der Eisdiele das Pflaster in Ordnung bringen.

    • Genau! Rache an Carlo calchera, weil er die Missstände angesprochen hat! Mit sowas muss man in Trier besonders bei einigen Mitarbeitern der Verwaltung immer rechnen!

  2. Das Problem hat seine Wurzeln sehr weit zurück. Beim Ausbau der Fußgängerzone vor vielen Jahren. Da stellte sich die Frage, Plattenbelag oder dieses Altstadtpflaster? Alle Bausachverständige haben von diesem Altstadtpflaster abgeraten, da es instabil und witterungs-anfällig (Streusalz und Frost) sei. Nein, die Politik im Rathaus, hatte ein viel besseres Sachwissen und hat alle Bedenken weggewischt. Zur Erinnerung, zu dieser Zeit fuhren die Stadtbusse noch durch die gesamte Fußgängerzone.

  3. Was die Stadt jetzt hier nicht sagt, aber letztes Jahr ganz stolz im Amtsblatt verkündet hat: Für diese 500 km Straßen stehen zur Kontrolle ganze 3 Mann zur Verfügung. Aber mit nem E-Bike! Und da die Leute der Stadtreinigung so Sachen wie defektes Schild nicht melden (Verwaltungshandeln § 1: Zuerst Zuständigkeit prüfen) , kann es schon mal vorkommen, das die 3 Monate um ein umgefahrenen Schild drumrumkehren.
    Bei dem Personalansatz kann die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht ja gar nicht nachkommen. In der Glockenstraße z.B. hat es ganze 5 Wochen gedauert, bis ein ca. 30×30 cm Loch wieder zugepflastert wurde.

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