EU sagt der Plastiktüte den Kampf an

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30 Minuten im Gebrauch, 400 Jahre Müll. Eine wilde Müllhalde mit viel Plastik

Bildquelle: Wikipedia

BRÜSSEL/LUXEMBURG/MORBACH. Es ist eine unvorstellbar große Zahl. 100 Milliarden Plastiktüten werden jedes Jahr in Europa verbraucht. Vielfach nur einmal, dann werden die Tüten weggeworfen. Das will die EU jetzt ändern. Bis 2019 soll sich der Verbrauch von derzeit 200 Tragetaschen auf 90 reduzieren. Bis 2025 sollen es sogar nur noch 40 Tüten sein.


Jeder hat sie zu Hauf irgendwo rumliegen, die Baumwolltaschen, mit denen man seinen Einkauf bequem vom Laden nach Hause tragen kann. Und meistens bleiben sie dort liegen und im Geschäft nimmt man sich dann die Plastiktüte. Durchschnittlich wird eine solche Tüte 30 Minuten benutzt, braucht aber 400 Jahre um zu verrotten. Acht Milliarden Plastiktüten landen jährlich in der Nordsee, wie neueste Zahlen der EU aussagen. 94 Prozent der Vögel an den Stränden unseres Meeres haben, laut diesen Unterlagen, Plastik in ihren Bäuchen.
500 Tüten pro Jahr
Eigentlich sind sie ja sehr praktisch, die Baumwolltaschen. Man kann sie leicht zusammen falten und in die Jackentasche stecken. Sollte mal etwas auslaufen, kann man sie auch noch Waschen. Trotzdem, in der breiten Masse konnten sie sich wohl nie so richtig durchsetzen. Die Plastiktüte hat offensichtlich an ihrer Attraktivität nichts verloren. 70 Stück verbraucht alleine schon jeder Bundesbürger im Jahr. Allerdings: in Portugal oder in Polen sind es 500 pro Jahr.
Man kann nur vermuten, dass es im Hunsrück Menschen gibt, die sich darüber freuen. Die Morbacher Firma Papier Mettler ist der weltweit größter Hersteller von Plastiktüten. Dass die Maßnahmen, die jetzt in Brüssel auf den Weg gebracht wurden, Konsequenzen für das heimische Unternehmen haben werden, kann man nur vermuten. Eine Stellungnahme aus Morbach gab es dazu nicht. Eine Anfrage zu diesem Thema wurde mit der Antwort beschieden, dass es die Geschäftspolitik der Firma Mettler sei, sich zu diesem Thema gegenüber der Presse nicht zu äußern.
Es geht nur um die dünne Tüte
Jedoch, gravierend wird der Einbruch nicht sein, denn, wie so oft, es geht nur um ein Segment im Bereich dieser Taschen. Die Zielvorgaben richten sich gegen die leichten Tüten, die häufig für kleinere Einkäufe an Kassen von Kaufhäusern ausliegen. Die hauchdünnen Tüten für Obst und Gemüse und auch die kräftigen Taschen sind nicht betroffen.
Eine Alternative zeigen auch unsere Nachbarn im Großherzogtum Luxemburg auf. Schon vor zehn Jahren führte man dort die „Öko-Tut“ ein. Eine Aktion, die von den Supermarktketten mitgetragen wird. Für 70 Cent kauft man sich eine solche wiederverwendbare Tasche. Sollte sie beschädigt sein, kann man sie kostenlos umtauschen. Innerhalb dieser Zeit reduzierte sich der Verbrauch im Ländchen von 100 Millionen auf 10 Millionen Taschen. Das bedeutet, jeder Luxemburger verbraucht nur noch 18 Plastiktüten im Jahr.

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