„Ein Traumspiel“ – Strindbergs Drama getanzt

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Bildquelle: Kreuz&Quer

TRIER. Eigentlich ist „Ein Traumspiel“ von August Strindberg ein Schauspiel, das 1907 in Stockholm seine Uraufführung hatte. Die Theatergruppe „Kreuz&Quer“ interpretiert das Stück in Kooperation mit Mitgliedern des Trierer Tanztheaters als in getanzter Form.

Strindbergs Werke sind düster, wie die schwedische Nacht dunkel ist. Und trotz der Botschaft, dass sich die Menschen das Leben zur Hölle machen, stecken in Strindbergs Dramen ein Schimmer von Hoffnung und Lebenssinn. Ganz besonders findet sich diese Hoffnung in „Ein Traumspiel“ wieder, in dem  Agnes, die Tochter des indischen Gottes Indra beschließt, zu den Menschen hinabzusteigen. Doch schnell stellt Agnes fest: „Es ist schade um die Menschen!“ Versuchte sie am Anfang den Menschen liebendes Mitleid entgegenzubringen, endet sie zum Schluss auf einer Pest-Insel in absoluter Isolation. Diese Geschichte bringt Kreuz&Quer gemeinsam mit Ensemble-Mitgliedern des Tanztheater Triers im November im Kasino am Kornmarkt auf die Bühne. Premiere ist am Dienstag, den 18. November, um 19 Uhr.

Dazu erklärt Regisseur, Marc-Bernhard Gleißner: „Strindbergs „Ein Traumspiel“ erzählt keine lineare Handlung. In unterschiedlichen Szenen vermischen sich die Ebenen der Wirklichkeit: Man weiß nicht, ob es sich um Traum, Theater, Literatur oder um ein mystisches Geschehen handelt, das sich im Drama vollzieht. Diese verwirrende Struktur haben wir in der Inszenierung bewusst linearer dargestellt und symbolisch verstärkt. So wird das Drama mit den Stationen Himmel, Erde, Fegefeuer und Hölle inszeniert. Uns ist die Entwicklung der Atmosphären dieser einzelnen Orte wichtig, da sie letztlich Strindbergs Aussage über den Menschen thematisieren soll: Der Mensch selbst wird als göttliches Wesen in die Welt geschickt, mit der Gabe zu lieben. Während er am Anfang versucht, die Welt durch Liebe zu retten, wird er schnell zum Opfer von Missgunst, Gewalt und verweigerter Liebe seiner Mitmenschen. Die Konsequenz: Die Menschen isolieren sich gegenseitig und sind, wie Agnes, in der letzten Szene des Stückes gefangen am Strand der Schande. Ein Symbol für die Hölle.“

Für die atmosphärische Verstärkung sind die einzelnen Stationen von Liedern der schwedischen Band Kent umrahmt. Für die choreographische Inszenierung der Rahmengeschichte boten Susanne Wessel, René Klötzer und Robert Seipelt vom Tanztheater Trier eine Kooperation an. „Die Zusammenarbeit mit Kreuz&Quer hat sich in den letzten zwei Jahren entwickelt. Durch ein gemeinsames Projekt haben sich René, Marc-Bernhard und ich uns kennengelernt. Mit der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit beim GrAFiTi-Festival 2014 stellte sich dann in der Folge für uns die Frage, ob man nicht mal ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen kann. Dann kam der Vorschlag, dass man Strindbergs „Ein Traumspiel“ einer Neuinszenierung zwischen Tanztheater und Schauspiel unterziehen könnte. Das Konzept klang spannend, also war die Kooperation geboren.“ erzählt Suanne Wessel.

„Die Tanzinszenierung des Stückes bilden eine eigene Einheit. Sie kommentieren nicht das Schauspiel, sondern entwickeln eigene, sphärische und emotionale Interpretationen des Stückes. Dabei laufen die Tanzinszenierungen manchmal konträr, manchmal ergänzend und manchmal symbolisch synchron mit dem Schauspiel und verstärken so die Traumperspektive des Stückes. Die Choreographien haben wir uns über Improvisation erarbeitet und sind stilistisch vom zeitgenössischen modernen Tanz geprägt. An der Palucca-Schule, auf der wir ausgebildet wurden, legte man viel Wert auf Improvisation. Diese Methode macht es auch erst möglich, die recht wirren Strukturen in Strindbergs „Traumspiel“, die wirklich der Logik des Traumes entsprechen, emotional nachzuspüren und inszenieren.“ berichtet Susanne Wessels.

„Die Inszenierung von „Ein Traumspiel“ wird eine der erwachsensten Inszenierungen in der 10-jährigen Geschichte von Kreuz&Quer. Noch nie wurde in der Inszenierung eines Stoffes so klar das Thema der Isolation des Menschen erzählt. Jedoch bleiben wir uns auch treu: Viele versteckte Anspielungen in Farben und Klang werden den Zuschauern die mystische Inszenierung von Traum, Wahr- und Alpträumen zeigen.“ verdeutlichen die neuen Leiter der Theatergruppe Sabine Lamberty und Alexander Kotz.

Aufführungen: Premiere 18.11., 20.11., 24.11., 4.12.2014, Kasino am Kornmarkt 19 Uhr

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