„Wegwerfen? Denkste!“ – Trierer Repair Café macht Defektes wieder flott

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Alex Dupre, Cornelia Hahn und Franz Karges suchen gemeinsam nach dem Defekt der Lampe.

Bildquelle: Sophia Schorle

TRIER. Seit einem Jahr bieten ehrenamtliche Helfer des Repair Cafés Trier am letzten Samstag des Monats ihre Hilfe bei der Reparatur defekter Schätze. Im Jugendzentrum Mergener Hof werden gemeinsam elektrische Geräte, Möbel, Spielzeug oder Kleidung wieder flott gemacht. Auch in Zukunft soll das Repair Café dauerhaft angeboten werden.

Wir alle haben sie Zuhause: den kaputten Toaster oder Staubsauger, das Fahrradlicht, das plötzlich den Geist aufgibt, den Lieblingspullover, an dem sich die Motten zu schaffen gemacht haben oder ein kaputtes Erbstück, das einem ganz besonders am Herzen liegt. Vielen Besitzern fehlt zum Reparieren das nötige Know-how und so landet Einiges auf dem Müll, das mit kleinen Handgriffen wieder funktionstüchtig gemacht werden könnte.

Die Niederländerin Martine Postma setzt sich seit 2007 für das Thema Nachhaltigkeit ein. Vor fünf Jahren gründete sie in Amsterdam das erste Repair Café. Die Resonanz freiwilliger Helfer war so groß, dass sie die Non-Profit-Organisation „Stichting Repair Café“ ins Leben rief. Mittlerweile werden weltweit Repair Cafés organisiert.

Jeden letzten Samstag im Monat öffnet das Repair Café im Jugendzentrum Mergener Hof seine Pforten.
Jeden letzten Samstag im Monat öffnet das Repair Café im Jugendzentrum Mergener Hof seine Pforten.

Auch in Trier findet unter dem Slogan „Wegwerfen? Denkste!“ im Jugendzentrum Mergener Hof seit nun einem Jahr das Repair Café statt. Träger des Projekts sind der „Lokale Agenda 21 Trier e.V.“ in Zusammenarbeit mit dem Mergener Hof, „Transition Trier“ und „Computer Menschen Dinge“.

An jedem letzten Samstag im Monat helfen ehrenamtliche Experten und Expertinnen den Besitzern beim Flicken: elektrische Geräte, Fahrräder, Kleidung, Möbel oder Spielzeug – um alles wird sich gemeinsam bemüht. „Oft stehen die Leute schon eine halbe Stunde bevor wir loslegen Schlange!“ erzählt Ina Schulte, die bei der Organisation der Treffen hilft.

Mit großen Hoffnungen ist auch Cornelia Hahn gekommen. Sie sucht Unterstützung bei einem ganz besonderen Stück – einer Tischlampe aus mundgeblasenem Glas, die schon ihren Großeltern gehörte. „Die Lampe ist schon in der dritten Generation in unserer Familie. Erst gehörte sie meiner Großmutter, dann meiner Mutter und ich habe sie jetzt auch schon sehr lange.“ Eigentlich steht die Lampe bei Hahns auf dem Nachttisch und schenkt durch den grünen Glaskörper zartes Licht. Seit kurzem funktioniert sie allerdings nicht mehr.

Franz Karges ist Elektriker und ist im Trierer Repair Café Helfer seit der ersten Stunde. Er nimmt sich dem Problem sofort an: „Es handelt sich um eine Ikora-Lampe – ein Sammlerstück. So etwas wird heute gar nicht mehr hergestellt!“ Er schätzt den Wert der Lampe auf 600 Euro. „Sie stammt vermutlich aus den 40er Jahren.“ Gemeinsam mit Cornelia Hahn zerlegt er die Lampe behutsam in ihre Einzelteile. Er vermutet das Problem in der Fassung der Lampe. Cornelia Hahn besorgt schnell eine Neue, während Franz Karges die Verkabelung und den Schalter kontrolliert. Gemeinsam setzen sie die Lampe anschließend zusammen und sind erfolgreich: Sie leuchtet wieder!

Cornelia Hahn freut sich über die Reparatur ihres Erbstücks.
Cornelia Hahn freut sich über die Reparatur ihres Erbstücks.

Cornelia Hahn ist überglücklich und strahlt über beide Ohren. Auch Franz Karges freut sich: „Es ist auch interessant für uns Helfer, wir kriegen im Repair Café manchmal Dinge zu sehen, die gar nicht mehr in Werkstätten gegeben werden.“

Darüber hinaus geht es auch um den Erfahrungsaustausch unter den Helfern. Jeder kann vom Anderen etwas lernen. Bis zu 70 Besucher hat das Repair Café pro Treffen. Die Erfolgsquote liegt bei ungefähr 60 Prozent.

Kurt Zender (r.) bemüht sich, die Nähmaschine von Valentin Hennings Oma wieder zum Laufen zu bringen.
Kurt Zender (r.) bemüht sich, die Nähmaschine von Valentin Hennings Oma wieder zum Laufen zu bringen.

In jeder Ecke wird getüftelt: Valentin Henning hat die alte Nähmaschine seiner Oma ausgegraben. Er würde gern daran arbeiten, aber auch sie funktioniert nicht, wie sie soll. Kurt Zender gibt sein Bestes, um sie wieder ans Laufen zu bringen.

Auch Edgar May ist leidenschaftlich bei der Sache: Er kümmert sich um das Fahrrad von Anna, dessen Vorderbremse schleift und gibt ihr gute Tipps, wie sie ausgerüstet sein sollte, um solche Probleme bei der nächsten Radtour selbst beheben zu können.

Edgar May korrigiert mit Anna die Vorderbremse ihres Fahrrads.
Edgar May korrigiert mit Anna die Vorderbremse ihres Fahrrads.

Bis zu 15 ehrenamtliche Helfer engagieren sich pro Treffen. Nicht jeder muss zwingend handwerkliches Geschick mitbringen. Gisela Kimmer zum Beispiel. „Ich möchte auch helfen! Handwerklich bin ich aber nicht begabt, deshalb kümmere ich mich gern um die Verpflegung.“

Gisela Kimmer sorgt mit Zimtwaffeln für das leibliche Wohl.
Gisela Kimmer sorgt mit Zimtwaffeln für das leibliche Wohl.

Sie hat Zimt-Waffeln im Gepäck. Und als Dankeschön hat Matthias Birkel ihr kurzerhand den defekten Staubsauger repariert.

Dank Matthias Birkel ist Gisela Kimmers Staubsauger wieder einsatzbereit.
Dank Matthias Birkel ist Gisela Kimmers Staubsauger wieder einsatzbereit.

„Der hatte einen Wackelkontakt. Da haben wir den Stecker ausgetauscht. Jetzt läuft er wieder!“, freut sich der Heimwerker.

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Wenn auch Sie über besondere Kenntnisse oder handwerkliches Geschick verfügen oder auf andere Art Ihren Beitrag leisten möchten, Informationen erhalten Sie bei der Lokalen Agenda 21 Trier e.V. (Tel.: 0651 – 991 77 53), auf der Homepage des Repair Café, der Facebook-Seite, oder schreiben Sie eine eMail an repaircafe@la21-trier.de.

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