Wolfram Leibe ist neuer Oberbürgermeister – CDU versinkt in Trauer

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Hiltrud Zock gratuliert Wolfram Leibe nach einem absoluten Auszählungskrimi zu seinem Wahlsieg.

Bildquelle: Sophia Schorle/Yvonne Romes, Sophia Schorle, Yvonne Romes

TRIER. Der Trierer Oberbürgermeisterwahlkampf ist zu Ende. Denkbar knapp entschied SPD-Kandidat Wolfram Leibe am Abend das Rennen um das höchste Amt der Stadt für sich. Der letzte Stimmwahlbezirk gab nach einem langen Hin und Her der Ergebnisse den Ausschlag. Die Sozialdemokraten feiern zur Stunde vor allem sich selbst. Die CDU stürzt in ein tiefes Loch der Fassungslosigkeit. 

Am Ende reichte es mit 111 Stimmen Vorsprung für den sozialdemokratischen Kandidaten und Verwaltungsprofi Wolfram Leibe. Am Trierer Augustinerhof war die Spannung während der Auszählung kaum auszuhalten. Um 19.10 Uhr stand dann der Sieger fest. Zwischenzeitlich überschlugen sich die Ereignisse. Vorsprung Leibe – Aufholjagd Zock – Gleichstand, jedes einzelne Ergebnis aus den 72 Stimmbezirken wurde ganz genau beobachtet.

Ausschlaggebend war dann der 73. Stimmbezirk. Der nämlich, unter dem sämtliche Stimmen zusammengefasst sind, die im Laufe der vergangenen Woche bereits direkt im Rathaus abgegeben wurden. Generell bewegte sich die Wahlbeteiligung jedoch auf einen traurigen Negativrekord. Nur 30,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Im Ratssaal selbst wurden diese Stimmen bis zuletzt ausgezählt, während vor der Tür die Anhänger der beiden Kandidaten mitfieberten. „Wolfram, Wolfram“-Rufe feierten im Anschluss den Sieger.

„Ich glaube, dass es uns letztendlich besser gelungen ist, die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren“, erklärte Leibe seinen knappen Vorsprung. Die Spekulationen im Vorfeld waren riesig. Wie würden sich vor allem diejenigen Wähler entscheiden, die im ersten Wahlgang noch Grünen-Kandidat Fred Konrad unterstützt hatten? Auch die zwischenzeitliche Anbandelung zwischen CDU und Grünen, die für ihre zukünftige Zusammenarbeit im Stadtrat eine Art Kooperationsvereinbarung geknüpft haben, galt als Einflussfaktor. „Das hat uns sicherlich nicht geschadet“, betonte SPD-Kreisvorsitzender Sven Teuber im Nachgang.

Auf der anderen Seite: Unendliche Trauer. Die Trierer CDU hatte sich mit Kandidatin Hiltrud Zock und deren Anhängerschar aus dem Rathaus schnell ins Casino am Kornmarkt aufgemacht. Dort war eigentlich eine riesige Wahlparty geplant. Doch die Trauer und das Entsetzen war den Christdemokraten deutlich ins Gesicht geschrieben. „Ich hätte selbst nicht mit diesem Ausgang gerechnet“, gestand die geschlagene Kandidatin ein.

CDU-Kreisvorsitzender Bernhard Kaster erklärte: „Das ist ohne Frage eine bittere Enttäuschung, da will ich gar nicht drumherum reden.“ Kaster und sein enger Vertrauter, Fraktionschef Dr. Ulrich Dempfle, hatten Zocks Kandidatur im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben. „Ich habe es keine Minute bereut, dich gefragt zu haben. Es ist immer noch eine hundertprozentig richtige Entscheidung gewesen“, beschwichtigte er seine unter Tränen aufgelöste Kandidatin.

Tränen auch bei der Wahlparty der SPD im Handelshof – Freudentränen. Die Genossen feiern sich zur Stunde selbst. „Wir haben es aus eigener Kraft geschafft. Das ist eigentlich unglaublich“, jubelte Kreisvorsitzender Sven Teuber. Und spielte damit auf die mögliche Unterstützung der CDU durch die Grünen an. Mit von der Partie war auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer: „Trier ist eigentlich eine konservative Stadt. Dieser Sieg ist also ein doppelter Sieg.“ 

Für die CDU heißt es nun nach vorne schauen. Internen Kreisen zufolge soll der eigentlich für das Frühjahr angesetzte Parteitag des Kreisverbandes vorverlegt werden. Dort soll die politische Verantwortung verteilt und entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Für die SPD wird es trotz Wahlsieg nicht leicht. Ihr bleibt der Chefsessel – doch die Fäden im Stadtrat ziehen andere. Es wird die wohl größte Bewährungsprobe für den neuen Oberbürgermeister Wolfram Leibe, sich in dieser Konstellation zu behaupten.

[td_text_with_title custom_title=“Impressionen vom Wahlabend“]

 








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9 KOMMENTARE

  1. Liebe grünen CDU-ler,
    nicht trauern…
    Verantwortungsgemeinschaft + gegenseitige Personalgarantie = OB-Wahl verloren.
    So einfach geht das.
    Aber die Formel hätte man sich auch selbst erschließen können. Selbst schuld.

    • @geradeheraus: …gilt aber auch für die CDU insgesamt! Allein die Aussage, ab März 2015 auf KT zu verzichten, hätte mit Sicherheit genügend Wähler pro Frau Zock mobilisiert!

  2. Bis zur Herausgabe von dem „ExtraBlatt“ hatten wir die Frau Zock hier auf dem Plan. Nach mehrmaligem Durchlesen und diskutieren haben wir unsere Entscheidung dann zu Gunsten von Herrn Leibe revidiert. Wir brauchen keine Kreativität und Gestaltungswillen für uns Trier, sondern Konsequenz und Handlungsvermögen. Die Auflistung der ganzen Selbstständigen, Hochbegabten, Unternehmer und renomierten Ruheständler auf der letzten Seite von dem „ExtraBlatt“ waren sowas von unnütz……
    Dem Kolzens Hanni sein schien Bildscher konnten daran auch nichts ändern.
    Ich hier für meinen Teil hoffe das Herr Leibe sich im „Rathaus der Narren“ durchsetzt und konsequent seine propagierten Ziele weitesgehend umsetzt. Eine weitere „Nullnummer“ in den nächsten 8 Jahren wäre mehr als schändlich für unsere schöne Stadt.

    Also Herr Leibe,…Ärmel hochkrempeln und Tatsachen schaffen!

    • „…wir brauchen keine Kreativität und Gestaltungswillen…“
      Wie traurig ist das denn? Wenn man eine Großstadt mit einem „Altaktenkeller“ verwechselt, braucht man sich nicht wundern, wenn sie dann auch so unwirtlich ist.

      • Der Nörgler hat recht. OBs, die immer nur das große Rad drehen wollten und dabei die Finger ihrer Nachfolger in die Speichen gedrückt haben, hatten wir genug.

    • Joa aber das war ja klar. Ist jetzt nichts Neues, was die Damen und Herren vom TV schreiben. Ist doch ein normales Vorgehen, wenn die Amtszeit endet. Heißt nur, dass die Stelle offiziell frei wird und dann ausgeschrieben werden muss. Dass KT dann nicht doch bleibt oder weg ist, steht da nicht.

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