„Alternative“ fordert Bürgerentscheid zum Theater

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Bürgerentscheid zur Zukunft des Hauses.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Thomas Egger hat sich gegenüber lokalo festgelegt: Der Trierer Kulturdezernent favorisiert einen Neubau des Trierer Theaters am Augustinerhof. Die finanzielle Schmerzgrenze soll laut Egger bei 40 Millionen Euro liegen. Das ruft die „Alternative für Deutschland“ (AfD) auf den Plan. In einer Pressemitteilung fordert die Partei nun einen Bürgerentscheid zum Theater.

„Die Stadt Trier zählt zu den am höchsten verschuldeten Kommunen in Deutschland: Ende 2012 hatte der städtische Schuldenberg eine Höhe von 622 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrug fast 6.000 Euro. Seitdem sind weitere zweistellige Millionenbeträge hinzugekommen“, heißt es in der Mitteilung der AfD. Ungeachtet dieser dramatischen Entwicklung schmiede man bei der Stadt dennoch „hochtrabende Pläne“ für die Zukunft des Trierer Theaters. „Die in dem eigens von der Stadt in Auftrag gegebenen Haselbach-Gutachten aus dem Jahre 2013 dargestellten Einsparmöglichkeiten sollen weitgehend unter den Tisch fallen“, kritisiert die AfD. Die alternativlose Festlegung auf den Erhalt des Drei-Sparten-Theaters werde dazu führen, dass der jährliche Betriebskostenzuschuss der Stadt in Höhe von mehr als sieben Millionen Euro langfristig festgeschrieben werden müsse.

„Darüber hinaus beabsichtigt die Mehrheit des Rates eine aufwendige Sanierung des bestehenden Gebäudes oder gar einen vollständigen Neubau am selben oder einem anderen Ort – Kosten zwischen 22 und 40 Millionen. Gleichzeitig wächst der Investitionsstau bei Schulen, Brücken und Straßen, fehlt das Geld für Sozial- und Gemeinwesenarbeit, scheinen Steuererhöhungen zur Finanzierung der dringendsten kommunalen Aufgaben unausweichlich“, so die Alternative.

„Angesichts der Finanzlage der Stadt“ fordere die AfD daher, „alle denkbaren Varianten noch einmal sorgfältig in Erwägung zu ziehen. Dabei darf es keine grundsätzlichen Tabus geben. Zudem halten wir es für unverzichtbar, die Trierer Bürger an dieser folgenschweren Entscheidung zu beteiligen. Wir verlangen daher, dass die endgültige Entscheidung über die zukünftige Gestaltung des Theaters in einem Bürgerentscheid fallen muss. Wer so tief in die Taschen der Trierer greifen will, sollte dies nur mit ihrer Zustimmung tun.“ (red/et)

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21 KOMMENTARE

  1. Ich schreibe hier einer von außen, einer der in Linz übrigens auch den erfolgreichen Weg des design. Intendanten über viele Jahre verfolgen konnte, einer der in einer Stadt lebt, wo es genau diese Diskussion auch gegeben hat: Über Kultur abzustimmen ist leider meistens ein Schuß nach hinten Zu komplex sind die Themen und wenn wir die Bürger nach der Notwendigkeit von Kunst und Kultur fragen, müssten wohl nahezu alle Theater geschlossen werden. Welche enorm positiven Auswirkungen (Umwegrentabilität) die Aufwertung von Kunst und Kultur, auch in hoch belasteten Kommunen bedeutet, zeigt zum Beispiel das Linzer Musiktheater, zuerst gab es da ein eindeutiges Nein der Bevölkerung, das Haus wurde dennoch gebaut und Linz blüht auf….
    Es gibt viele positive Beispiele und es ist schade, dass die AfD die Theaterfrage nun zu rein populistischen Zwecken missbraucht. Alle politischen Vertreter der relevanten Parteien haben sich zum Theater bekannt und zum Glück sieht es so aus, dass der oder die neue OB auch zu 100% dazu steht. Dieser Vertreter sind vom Volk gewählt. Ich plädiere dafür, viel mehr zu kommunizieren welchen Mehrwert Kunst- und Kultur in einer Region hat, die als älteste Stadt Deutschlands doch genau auf diese Säulen bauen sollte. Natürlich darf dieser Bau nicht zu lasten anderer Institutionen gehen, aber das ist auch nicht geplant. Weit über 200 Mitarbeiter am Theater Trier haben es verdient unter menschenwürdigen Bedingungen zu arbeiten und die Menschen vor Ort haben sich in einer Petition schon einmal klar für den Erhalt eines Mehrspartenhauses ausgesprochen. Auch überregional wäre ein Theaterneubau ein klares Signal, dass Trier sich zur Kunst und Kultur bekennt. Wir befinden uns in einem der reichsten Länder der Welt, nicht zuletzt deshalb, weil wir eine Kulturnation sind und uns folgendes bewusst sein muss: Kultur kostet Geld, Unkultur aber noch viel mehr (Zitat Sibelius, design. Intendant)

    • Das ist ja das Problem: Über 200 Mitarbeiter. Es sind 230 um genau zu sein. Damit ist das Theater das mit Abstand größte Amt innerhalb der Stadtverwaltung. Beispiel: Für den Winterdienst stehen, wenn Sportamt, Stadtreinigung und Tiefbau ihr Personal zusammenwerfen mal grade 180 Leute zur Verfügung. Oder die Feuerwehr: ca. 150 Leute. Oder die Schulen: Für alle Schulen in Trier stehen mal gerade 30 Hausmeister zur Verfügung. Es gibt bei der Stadt Handwerker, die sind für 7 ! Kindergärten verantwortlich.
      Das Ordnungsamt muss mit 9 Mann auskommen( Koblenz hat über 40 Mann). Und da stellt sich ihnen die Frage was wir brauchen? Mir nicht.

  2. So sieht es aus, Bürgerentscheide zur Erhaltung der Theater und es gibt in 10 Jahren kein Theater mehr in Deutschland.
    Die AfD soll das machen was Sie kann, nämlich nichts.
    Die Petition für den Erhalt des Theaters hat die AfD wohl schon verdrängt?! Ebenso das die Trierer Politik sich für das Theater ausgesprochen hat.
    Armseliger Verein.

    • Sie haben so Recht. Mein Vorschlag: Wir geben den Mietern der 700 Städt. Wohnungen einfach Freikarten fürs Theater. Damit schlagen wir 2 Fliegen mit einer Klappe: Das Theater ist regelmäßig voll und die Mieter müssen Abends nicht mehr in ihren Schimmelbuden sitzen.
      Wieso lagen die Unterschriften-Listen für diese Petition denn nicht bei den Elternabenden in den Schulen aus?
      Oder in den Feuerwehrhäusern? Oder in den Sporthallen(sofern diese noch auf waren)?

  3. In einem der reichsten Länder der Welt ist es also üblich, dass eine Sporthalle nach der anderen geschlossen werden muss und Geld für das Notwendigste im Bildungssystem fehlt? Vielleicht sollte man dann zukünftig das neue Theater multifunktional nutzen können: Als Sporthalle, Mensa fürs HGT, Fachraum-Ersatz für verschiedene Gymnasien in Trier. Nicht zu vergessen die Trierer Sportvereine, von denen einige zwar viel für die Jugendförderung tun, das aber in keinster Weise honoriert wird. Die sollten die Heimspiele ihrer Jugendmannschaften dann bitte auch auf den eigens im Foyer eingerichteten Kunstrasenplatz verlegen können.

    Ein Theater ist da natürlich viel wichtiger, auch wenn es statistisch nur ein Bruchteil der Bevölkerung nutzt. Und von diesem Bruchteil wiederum stammt ein Drittel aus dem Kreis Trier-Saarburg, der sich allerdings an einer Finanzierung nicht beteiligt.

    Wir brauchen keinen Theaterneubau, wenn wir dafür die zukünftige Generation derart vernachlässigen, wie es in Trier aktuell der Fall ist. Denn die zukünftige Generation ist es, die nicht nur den Trierer Schuldenberg abbezahlen muss. Die zukünftige Generation ist es, die in der heutigen Zeit überhaupt kein Interesse mehr am Theater hat.

    Die Forderung nach einem Bürgerentscheid ist vor diesem Hintergrund nicht populistisch, sondern die logische Konsequenz aus dem Handeln der Stadt Trier in den letzten 6 Jahren, in denen das Eigenkapital der Stadt Trier von einem satten Plus in ein jetzt großes Minus verwandelt wurde. Die Verantwortungslosigkeit, mit der Klientelpolitik gemacht wird statt sich dem Gemeinwohl zu widmen, gipfelt nun in einer 40 Millionen-Investition in ein Theater. Traurig daran ist nur, dass erst die AfD diese Grundsatzfrage gestellt hat, während sich alle anderen Fraktion darin einig sind, das Geld der Bürger mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen.

    • In einer Kommune mit nicht nur begrenzten, sondern faktisch nicht vorhandenen Mitteln müssen Prioritäten gesetzt werden. Zwar wird sich das Land beteiligen, dennoch wird eine solche Investition nur zu Lasten anderer öffentlicher Bereiche machbar sein.

      Und was die Landesmittel angeht, sind auch das Steuermittel, die vor dem Hintergrund der Finanzbaustellen Nürburgring, Hahn, Hotel Bad Bergzabern etc. mit Bedacht eingesetzt werden müssen.

      Sprich: Statt das Theater zu finanzieren, sollte sich auch das Land seiner Grundaufgabe widmen und in die Bildung und das Gemeinwohl der Mehrheit der Bürger zu investieren. Und die Mehrheit der Bürger hat nun mal keinen Bezug zum Theater, soll aber dafür aufkommen, während in vielen anderen Bereichen der Geldhahn zugedreht wird?

  4. Langsam ist aber gut mit dem Theatergedöns. Das Ding hat noch nie n schwarze Null geschrieben und wird es auch nie. Das ganze Gedöns gehört dem Erdboden gleichgemacht.
    Die Stadt hat Schulden bis zum geht nicht mehr und dann werden solche Hirngespinste gesponnen.
    Es gibt viel wichtigeres, z.B. n neue Feuerwehrhauptwache und 1000 andere Sachen die vorrangiger sind wie Theaterklamauk.

  5. Die Sache ist doch im Prinzip ganz einfach:
    1. Das Theater ist in jedem Fall ein riesiger Zusachussbetrieb. Darin wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Das kann man wollen oder auch nicht. Letztlich ist das in einer so hoch verschuldeten Stadt mit vielfältigen Problemen wie Trier eine Frage der Prioritätensetzung.
    2. Die AfD hat nicht gefordert, das Theater zu schließen. Wir wollen nur, dass der Bürger, DER DAS GANZE SCHLIESSLICH BEZAHJLT, auch darüber entscheidet.
    3. Wer davor warnt, die Bürger zu einem solchen Thema zu befragen, weil dabei „falsche Antworten“ herauskommen, offenbart ein seltsames Demokratieverständnis. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Nichtgefragten die Kosten tragen müssen, ist das schon dreist.
    4. Eine Petition ist kein Bürgerentscheid, sondern allenfalls ein Stimmungstest. Außerdem ging es damals nicht um einen Neubau von 40 Millionen!
    5. Natürlich ist Kultur für unsere Stadt unverzichtbar. Aber Kultur findet nicht nur im Theater statt und das Ende eines Drei-Sparten-Theaters- so es denn die Trierer wollten – würde nicht das Ende der Kultur in unserer Stadt bedeuten. Im Gegenteil: Man könnte einen Teil des eingesparten Geldes vielleicht sogar in andere Kulturprojekte investieren, die bisher zu kurz kommen.
    Im Übrigen: Was daran „armselig“ ist, mehr Mitbestimmung der Bürger zu fordern, bleibt Higgins´ Geheimnis. Und wieso das in einer Demokratie (=Herrschaft des Volkes!!) „populistischer Missbrauch“ ist, ist noch weniger nachhvollziehbar.

  6. @frisch
    Sehr geehrter Herr Frisch,
    ja, das kann man natürlich so sehen und genau das ist es, warum ich ihre Partei für kulturlos und absolut unwählbar halte.

  7. @Anna: Es soll tatsächlich gebildete Menschen geben, die sich fürs Theater nicht interessieren. Das betrifft insbesondere die jüngere Generation zu großen Teilen. Es gab in Trier als Römerstadt viele interessante kulturelle Schauspielprojekte, die nicht den Bruchteil dessen an Kosten verursachten, die das Theater jährlich verschlingt.

    Kultur ist auch ohne Theater möglich, in Trier aufgrund unserer langen Historie sogar einfacher und reizvoller als sonst irgendwo. Touristen besuchen Trier nicht wegen des Theaters – wenn sie ins Theater fahren, dann eher nach Luxemburg.

    Es sagt auch niemand, dass Trier kein Theater mehr haben solle. Nur: Bevor die ganzen Probleme in für eine Kommune lebenswichtigen Bereichen wie Bildung & Jugend nicht gelöst sind, sollte man die Prioritäten anders setzen. Vor allem dann, wenn die Kommune hoffnungslos überschuldet ist, sind solche Prestigeprojekte einfach völliger Irrsinn und gegenüber den Bürgern der Stadt Trier nicht mehr zu verantworten!

    • Es gab mal eine Kalkulation( glaube von einem FWG-Mitglied), das es die Stadt günstiger käme, 2-3 mal die Woche einen kostenlosen Bus von Trier nach Luxemburg fahren zu lassen als das Theater zu sanieren. Wenn man das jetzt auf die Neubaupläne umrechnet, könnte man die Leute bestimmt auch mit dem Taxi günstiger fahren.

  8. @heinz: Bitte erklären Sie mir, was an meiner Stellungnahme „kulturlos“ ist? Ich habe ausdrücklich geschrieben, dass ich Kultur für wichtig und – ich füge hinzu – auch für förderungswürdig halte. Oder ist es in Ihren Augen schon kulturlos, wenn man das „gemeine Volk“ darüber abstimmen lässt, wieviel Geld man ihm für eine ganz bestimmte Form von Kultur (!!) abknöpfen darf? Aber vielleicht bin ich nicht nur kulturlos, sondern auch zu dumm, um Ihre Ausführungen zu verstehen.

  9. Auf der Einnahmenseite waren somit öffentliche Betriebszuschüsse der Ensembletheater zwischen 122 € je Besucher (Mainz) und 167 € je Besucher (Koblenz) erforderlich, um die Theaterausgaben zu decken. Für das Stadttheater in Trier waren es 134 € je Besucher in der Spielzeit 2010/11. Das heißt: Jeder Theaterbesuch der ausgewählten Ensemble-Theater wurde mit rd. 90 % der Ist-Ausgaben subventioniert.

    http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/kultur/theater+trier./Kultur-in-der-Region-Zukunft-des-Theaters-in-Trier;art764,3703303

    Die Zahlen sprechen doch wohl mehr denn je für sich. Da braucht man keinen Bürgerenscheid, da nimmt man den Schlüssel, sperrt zu und wirft ihn für immer weg.

    Man muß sich das mal vor Augen halten, sobald jemand ins Theater geht läuft die Schuldenuhr auf Hochtouren …

    • Absolut richtig, meine Ex- Schwiegermutter wohnt in Gutweiler und hat ein Abonnement fürs Trierer Theater, sie ist solvent und wir Trierer zahlen das mit. Ich sprach sie darauf an, es ist ihr scheissegal

  10. Ich hatte im Frühjahr die Ehre, einer Tanzvorführung im Theater beiwohnen zu dürfen: Auf die 5 ! Zuschauer kamen 25-30 Personen, die hinter den Kulissen tätig waren.

  11. Hans Lamberti
    angesichts der immensen städtischen Schulden,
    fordere ich vor dem Rathaus die Aufstellung einer Schuldenuhr wie sie vom Bund der Steuerzahler her bekannt ist.
    Dann hört das Theater um das Theater von selbst auf.

  12. Man sollte Stadt in Modulen denken. Funktionsbauten mit begrünter oder ausgefallener bemalter Fassade, die multifunktional nutzbar sind. In Jena wurde eine Baskettballhalle gebaut. Eine reine Sporthalle, die auch von Schulen genutzt werden kann, wollte aber keiner. Heute haben wir eine Multifunktionshalle für Leistungssport, Schulsport, Kongresse, Messen, Ausstellungen sogar Theaterspiele wären da möglich. Also alle an einen Tisch und darüber nachdenken, wie Funktionsbauten von Morgen aussehen. Ein reines Theater, was die halbe Zeit ungenutzt da steht, kann sich heute keiner mehr leisten. Mit einen Klick organisieren wir heute in Sekunden unser Leben, da sollten auch öffentliche Gebäude flexibel gebaut werden. Die Stadt von morgen sollte man in Modulen denken. Dafür gibt es Universitäten wo Urbanisten ausgebildet werden. Zum Bauspiel an der Bauhaus Uni in Weimar. Einfach mal anrufen, die freuen sich über neue Aufgaben für eine Masterarbeit.

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