„Sturm im Wald“ will keine weiteren Windkraftanlagen

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Bildquelle: Helmut Gassen

UERSFELD. Energiewende ja, aber nicht um den Preis der Zerstörung der Natur. Das ist die Forderung der Windkraftgegner vom Verein „Sturm im Wald“. In Uersfeld informierten sie jetzt die Bevölkerung über die Pläne der Verbandsgemeinde zur Errichtung von Windkraftanlagen der Gemeinden Retterath, Kolverath und Mannebach.

Der offene Kampf gegen die Errichtung von Windkraftanlagen und damit einer Zerstörung der Eifellandschaft hat den Verein „Sturm im Wald“ mit Volkes Willen in die Kommunalpolitik katapultiert. Auch im Verbandsgemeinderat der VG Kelberg ist der Verein seit diesem Jahr vertreten und dort sogar zweitstärkste Kraft geworden. Im Kelberger Land sieht es danach aus, dass in 14 der 32 Gemeinden neue Windkraftanlagen (WKA) der Drei-Megawatt-Klasse (Höhe bis 200 Meter, Rotordurchmesser 100 Meter) aufgestellt werden. Insgesamt sollen es 35 bis 40 neue Anlagen sein. Zehn WKA stehen bereits. Der Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Kelberg für den Teilbereich Windkraft
wird derzeit fortgeschrieben, die Verbandsgemeindeverwaltung sieht durch den Flächen-nutzungsplan „die Windkraft konzentriert und gesteuert und vom Privilegierungstatbestand aufgehoben“.
Doch im Oberen Elztal ist man gar nicht erfreut über die „Verspargelung“ der Landschaft. Geplant ist, auf den Flächen der Gemeinden Mannebach, Kolverath und Retterath zusammen 14 Windkraftanlagen zu bauen. „Die Landschaft um Kelberg wird sich durch die Windkraftanlagen verändern“, sagt Reinhold Jansen vom Verein „Sturm im Wald“.

Walter Eich, Bürgermeister der Gemeinde Mannebach war als einziger Ortsbürgermeister der drei betroffenen Gemeinden zur Infoversammlung nach Uersfeld gekommen. „Ja, es ist objektiv gesehen viel Geld, das wir für die Windkraftanlagen bekommen. Aber auch uns muss man zugestehen, dass wir Geld brauchen um die Bürger zu entlasten“, sagt er. Dieses Jahr wird es nach seinen Worten aber nichts mehr mit dem Bau der Anlagen, da es „sehr schleppend voran geht mit dem Flächennutzungsplan“.

Sein Kollege Andreas Daniels, Bürgermeister der Gemeinde Uersfeld, sieht den Bau der Anlagen mit anderen Augen: „Hier werden finanzielle Erwartungen geschürt, dafür wird aber unsere schöne Eifellandschaft geopfert. Es ist eine Schande, was sie hier machen wollen.“

Besonders kritisch steht man in Gunderath und Uersfeld zum Bau der Windkraftanlagen in der Nähe des Naherholungsgebietes Holzberg. Hier sollen sieben 200 Meter hohe Anlagen auf dem Gebiet der Gemeinden Retterath und Kolverath entstehen. Sie hätten ihren Standort genau vor den Augen der Touristen im Ferienpark „Centerparcs Eifel“: Das ist das größte Feriendorf in Rheinland- Pfalz mit fast 400.000 Übernachtungen und damit auch ein überaus wichtiger Gewerbesteuerzahler in der VG Kelberg.

Werner Ritter, Geschäftsführer der Touristik GmbH Oberes Elztal und Centerparcs-Generalmanager Jos Kruiter sind entsetzt über die Pläne. „Wir werben für unseren Park mit Natur, Natur und noch mal Natur und dann sollen hier solche Windkraftanlagen direkt vor unserer Nase entstehen“, sagt Kruiter. Deshalb wurden auch schon Gäste angesprochen, wie sie über solche Pläne denken. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windenergie, aber „Centerparcs“ wurde bezüglich der Aufstellung der Windkraft-anlagen nicht angesprochen. Die Informationen, die wir jetzt haben, haben wir uns selbst geholt. Im Juni haben wir deshalb in einem Brief an die Verbandsgemeindeverwaltung Fragen zu diesen Anlagen gestellt, die bis heute nicht beantwortet sind. Alles ist sehr unsicher, wir machen uns große Sorgen um den Tourismus hier“, so der Manager.

Auch Ritter ist überzeugt, dass der Bau der Anlagen der Region schadet. „Der Tourismus hier wird nicht besser durch die Errichtung von Windkraftanlagen, wir können froh sein, wenn sich die Lage nicht dadurch verschlechtert“, sagt er. Für Jansen ist klar: „Das ist eine überstürzte und kopflose Energiewende. Dieser Strom wird nur durch Subventionen rentabel aber es wird dafür eine dauerhafte Landschaftszerstörung in Kauf genommen. In der VG Kelberg haben wir auch kein effektives Windgebiet und es gibt im Elztal Milane und Schwarzstörche.“ Der Verein will eine erweiterte Abstandsregelung fordern und ganz genau schauen, welche Gutachten zu den schützenswerten Vögeln erstellt worden sind und ob alle Anregungen der Nachbargemeinden und der SGD Nord sowie des Raumordnungsplans umgesetzt worden sind. „Wir haben genügend Anlagen hier, es macht keinen Sinn, in intakten Wäldern so nah an den Ortschaften noch zusätzliche Anlagen aufzustellen“, so Jansen weiter.

Stimmen:

Helmut Müller (53) aus Mannebach: Ich würde mir sehr wünschen, das dieser Kelch an unserer Heimat vorbei geht. Denn ich liebe die Natur und gehe gerade hier gerne spazieren. Durch die Windkraftanlagen wird viel Wald zerstört. Es wäre gut, wenn die Windparks zentralisiert würden. Das hier ist alles ziemlich planlos, aber jede Gemeinde will ja etwas vom Kuchen abhaben. Aber die ganze Landschaft wird dadurch zersiedelt. Letztendlich geht es den Investoren doch nur um die Subventionen.

Erwin Michels (66) aus Retterath: Wenn die Windkraft unsere Energieprobleme wirklich lösen würde, dann hätte man Verständnis. Aber das ist ja nicht der Fall, die Windkraftanlagen laufen doch nur zwei bis drei Monate im Jahr. Dafür sind die Windverhältnisse hier nicht so gut. Das alles ist keine Energiewende, hier wird nur Geld verbraten. Wer ist bloß auf die Idee gekommen solche Anlagen in den Wald zu stellen? Pro Windrad müssen 1,6 Hektar Wald fallen. Die Windkraftanlagen passen überhaupt nicht in unsere Landschaft. Was hat man bloß vor mit der Eifel. Das ganze Konzept stimmt nicht mehr.

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