Die Biotonne – Wer braucht sie? – „Wir brauchen sie nicht!“

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Bildquelle: Peter Freitag / pixelio.de

TRIER/MERTESDORF. Wohin mit Essensresten und organischen Abfällen? In die Mülltonne! Was über Jahrzehnte normal war, soll ab dem 1. Januar 2015 nicht mehr erlaubt sein. Zuständig für Vollzug und Umsetzung dieser Gesetzesvorgabe sind die Länder. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will eine Biotonne einführen, in der alle kompostierbaren Abfälle gesammelt werden müssen. Der Widerstand gegen eine weitere solche Tonne für die privaten Haushalte ist groß – besonders in der Region Trier.

Dr. Maximilian Monzel ist Geschäftsführer des für die Abfallentsorgung der Region zuständigen Zweckverbandes Regionale Abfallwirtschaft und der Regionalen Entsorgungsgesellschaft, die im Entsorgungs- und Verwertungszentrums (EVZ) in Mertesdorf eine mechanisch-biologische Trocknungsanlage für Restabfälle betreibt. „Wir trocknen jährlich rund 120.000 Tonnen Restabfall mit Hilfe der im Haus- und Biomüll enthaltenen Mikroorganismen. Am Ende dieses Prozesses bleiben rund 76.000 Tonnen getrockneter Abfall und 1.400 Tonnen Metalle übrig. Der getrocknete Abfall wird dann anstelle von Öl, Kohle oder Gas als Brennstoff in Heizkraftwerken eingesetzt. Die Einführung einer Biotonne hätte zur Folge, dass unserer Trocknungsanlage dazu die ‚Arbeitskräfte‘ in Form der Mikroorganismen fehlen“, sagt Monzel. „Wir brauchen die Biotonne auch deshalb nicht, weil die hier in Mertesdorf mit Unterstützung der EU erprobte Technik dem Bürger die Pflicht abnehmen kann, den Müll zu trennen. Und das macht sie nachgewiesenermaßen umweltfreundlicher (ökologischer) und effizienter (ökonomischer) als die Biotonne.“

Die Trierer Argumente scheinen die Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Nord in Koblenz, die für die Landesregierung die Einführung der Biotonne überwacht, noch nicht überzeugt zu haben. Sie fordert weiter die kompromisslose Einführung. Dagegen hat sich in der Bevölkerung Widerstand formiert. Wer das „Nein“ zur Biotonne unterstützen will, kann sich der vom Bitburger Peter Manns gestarteten Online-Petition anschließen, die schon heute mehr als 5.000 Unterstützer zählt.

„Wir sind nicht generell gegen die Biotonne“, so Monzel, „dort, wo es eine solche Verwertung wie bei uns nicht gibt, kann diese Sinn machen. Bei uns, die wir vor noch nicht einmal zehn Jahren zig Millionen Euro in die Trocknungsanlage investiert haben, würde sie nur weitere Kosten für den Bürger und außerdem noch Platz- und andere Probleme verursachen.“

Das EVZ in Mertesdorf kann auch besichtigt werden. „Jeder interessierte Bürger kann sich ein Bild davon machen, was mit seinem Abfall geschieht. Im EVZ werden auch auf einem der größten Kompostplätze der Region die getrennt erfassten Gartenabfälle kompostiert“, fügt Monzel hinzu.

Anfragen zu Besichtigungen des EVZ Mertesdorf nimmt Thomas Hentz (Telefon 0651/9491181, t.hentz@art-trier.de) entgegen.

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15 KOMMENTARE

  1. Die STG-Nord handelt in Sachen Biotonne nicht willkürlich. Sie ist verpflichtet die Umsetzung des Gesetzes zur Einführung der Biotonne – das seinerzeit von der CDU/FDP-Regierung verabschiedet wurde – zu überwachen.
    Das Gesetz bietet allerdings Spielräume, wenn Alternativen zur Biotonne nachgewiesen werden.
    Ob wir mit unserer Konzeption -sammeln – trocknen – verbrennen – eine Alternative sind, werden wohl Gutachter und Gerichte klären müssen.
    Es würde bei der Argumentation gegen die Biotonne bestimmt helfen, wenn wir für die Region schon ein neues Abfallkonzept vorweisen könnten. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht für dieses Konzept Prioritäten in der Reihenfolge Abfallvermeidung, Wiederverwertung und Recycling vor. Dem werden wir bisher nicht gerecht. Unabhängig ob die Biotonne kommt oder nicht – es herrscht dringender Handlungsbedarf in Sachen Abfallwirtschaft in der Region Trier.
    Richard Leuckefeld

  2. Die Biotonne ist kompletter Unsinn für Privathaushalte. Wir werden nicht zusätzlich trennen, sondern alles wie bisher in den Hausmüll entsorgen.
    Eine solche Tonne bleibt einfach leer, denn Keiner möchte den Gestank vor den Häusern haben.

    • Wieso in den Hausmüll? Wenn die gewählten Volksvertreter uns nach dem grünen Kommunisten-Dosenpfand mit dem nächsten Blödsinn knechten und diese Tonne einführen, werde ich meinen Bioabfall zukünftig in die Kleidercontainer entsorgen!

      • Ihrem Duktus nach haben Sie sich scheinbar verirrt. Die Tea Party findet ca. 7500 Kilometer weiter westlich statt.

        Bin immer gerne behilflich 🙂

      • In einem Punkt Irren Sie: Das Dosenpfand bzw. die Verwertungsquoten wurden NICHT von den Grünen( damalige BMU J.Trittin) verantwortet. Diese mussten nur ein von der Vorgängerregierung beschlossenes gesetzt umsetzten. Verantwortlich war die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU).

  3. 1. Wieso ein neues Abfallkonzept? Wir trennen doch bereits in dem Haushalt, wenn auch nicht alle, in blaue Tonne, gelber Sack und Glas in verschieden Farben. die heute nicht im Haushalt trennen, die trennen auch mit der Biotonne nicht
    2. Es besteht doch ein neues anders Abfallkonzept. In Mertesdorf steht eine Anlage die nachgewiesenermaßen umweltfreundlicher (ökologischer) und effizienter (ökonomischer) als die Biotonne.” trennt. Nur die Trennung auf diesem Weg ist politisch nicht gewollt.

    @Leuckefeld
    Die Landesregierung hat die Möglichkeit ausnahmen des Bundesgesetzes zu erteilen. Sieht das Gesetz auch vor. Nur dies wird von Mainz, aus politischen Gründen, auch nicht gewollt.

    PS: Die Anlage die Mertesdorf still stehen muss, wird vielleicht ein Exportschlager in andere EU-Staaten, wo man nicht so ideologisch verbohrt ist.
    Wie ist der Spruch mit dem Propheten?

  4. Und wenn wir dann den Grünscheiss trennen, wohin geht der dann ? Ach ja, er muss wahrscheinlich hunderte km transportiert werden, genauso wie der Restmüll, der ja auf eine andere Deponie muss, da er ja nicht mehr getrocknet werden kann, weil es sich ja nicht mehr lohnt. Hauptsache es wird wieder richtig Kasse gemacht und wer darf wieder alles bezahlen ? Richtig, wir alle ?

  5. Die Müllmafia hat in D einfach eine zu gute Lobby.

    Vielleicht sollte man es erstmal schaffen, vernünftige Regelungen zu treffen, was in den gelben Sack darf und was nicht – schon das ist zu kompliziert und vermutlich sind 99,9% aller gelben Säcke auch nicht korrekt befüllt (es darf eben nicht einfach alles rein, was sonst nirgends „passt“).

    • Genau das ist der Punkt: Umweltschutz ist bestenfalls ein Abfallprodukt(!) des ganzen Systems – im Kern geht es um Profit. Wer da wen unterstützt ist lediglich eine Frage parteipolitischer Präferenzen.

      Im übrigen bin ich der Meinung, die Biotonne gehört nicht angeschafft.

  6. Ist die stinkende Biotonne im Einsatz, haben die Lobbypolitiker der etablierten Parteien weitere Wünsche:
    sie werden Gesetze beschließen, die das Kühlen der Tonnen vorschreiben. Also plant schon mal Kühlräume in eure Häuschen mit ein.
    Hans Lamberti AFD Trier

  7. Wir brauchen keine Biotonne zieht nur Ungeziefer an. Sollten eine Abstimmung machen wäre Gerechter und nicht von Politikern die keine Ahnung davon haben.

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