Premiere „Carmen“ – Große Neugierde am unmoralischen Stoff

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Die Preisträgerin der "Theatermaske" spielt als "Carmen" am Trierer Theater.

Bildquelle: Gerhard W. Kluth, Marco Piecuch

TRIER. Am 25. Oktober 1838 wurde in Paris der Komponist Georges Bizet geboren. Exakt drei Monate vor seinem Tod, am 3. März 1875, wurde in der Opera Comique seiner Heimatstadt die Oper Carmen“ uraufgeführt. Am kommenden Sonntag hat diese vielleicht beliebteste Oper der Welt um 19 Uhr 30 nach acht Jahren erstmals wieder Premiere im Stadttheater Trier.

Von Gerhard W. Kluth

Carmen war Bizets großes Meisterwerk. Sie basiert auf einer nicht minder genialen literarischen Glanzleistung des weitgereisten Schriftstellers Prosper Mérimée, der die Geschichte 1845 aus Spanien mitbrachte. Er berichtet darin, dass er in Córdoba den Basken Don José Lizzarrabengoa besucht und dessen Lebensgeschichte erfahren habe. Sie erzählt von einem Banditenleben, das mit dem Mord an der Zigeunerin Carmen endet. Die Handlung zeigt die Wirkung von Carmens starker, aber auch sinnlicher Wirkung auf den einfachen Don José, der an der mächtigen Partnerin scheitert, von Akt zu Akt in eine immer verzweifeltere Lage gerät und schließlich zum Mörder wird. Am Libretto hat Bizet nicht unwesentlich mitgearbeitet und großen Wert darauf gelegt, dass es sich jeder moralischen Wertung enthält. Das führte zu einem sehr realistisch dargestellten Ende, das schon bei einer Probenvorstellung eine schockierende Wirkung hatte. Etliche der geladenen Gäste äußerten große Bedenken und führten bei Bizet zu der Überlegung, den Stoff umzuschreiben und dem Ganzen ein Happy End zu verpassen. Das aber wurde vor allem durch die engagierten Sänger verhindert.

Kristina Stanek spielt in der kommenden Saison die "Carmen" in Trier.
Die Premiere von „Carmen“ ist am Sonntag im großen Haus.

Carmen wurde vom Publikum nur sehr verhalten aufgenommen, was Bizet, der am Tag vor der Uraufführung zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden war, enttäuschte. Wenn es trotzdem zu 49 Aufführungen in Paris kam, war es der Neugierde auf den unmoralischen Stoff geschuldet, der in dieser Form noch nicht auf der Bühne gezeigt worden war. Ihren Durchbruch in Frankreich erlebte Carmen erst 1883, also acht Jahre, nachdem sich zum ersten Mal der Vorhang gehoben hatte. Da hatte sie aber, nach ihrer Erstaufführung in Wien, schon europaweit glänzende Erfolge gefeiert. All das durfte Bizet nicht mehr miterleben.

Für die Trierer Aufführung hat der junge Regisseur Sebastian Welker die Verantwortung übernommen. Im Theatercafé sprach er davon, dass dieser Auftrag eine Ehre, aber auch eine große Herausforderung ist. „Carmen ist schon so oft aufgeführt worden. Wie soll man da noch etwas Neues machen, damit die Leute nicht anschließend sagen, sie haben alles schon gekannt.“ Zusammen mit Musikdramaturg Dr. Peter Larsen gab er aber das Versprechen, dass es doch etwas Neues sein wird. Spannend, aufregend und eben anders als das, was man bisher von Carmen kannte. Grundlage ist die originale französische Fassung mit deutschen Obertiteln. Die gesprochenen Dialoge aber werden in Deutsch sein.

Die Besetzungsliste ist auf jeden Fall vielversprechend. Die Titelrolle bekam Kristina Stanek, eine Woche, nachdem sie die Trierer Theatermaske verliehen bekam – ihr Partner Don José wird Carlos Aguirre sein. In die Rolle des Sergeanten Moralès schlüpft Carsten Emmerich und die Rolle des Stierkämpfers übernimmt Amadeo Tasca. Die Rolle der Jugendfreundin Don Josés wird von Joana Caspar verkörpert. Mit dabei natürlich auch der Trierer Opernchor und der Extrachor, die von Angela Händel vorbereitet wurden. Die instrumentale Basis legt das Philharmonische Orchester Trier unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Victor Puhl.

Insgesamt sind für Carmen mit der Premiere elf Vorstellungen geplant. Die genauen Termine finden sich auf der Homepage des Theaters unter www.theater-trier.de , wo Tickets auch online gebucht werden können.

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