Trierer Theaterfest: Rückblick und Ausblick

0
Kristina Stanek (m) erhält von Hiltrud Zock (l) und Dr. Katrin Hülsmann in Vertretung der Trierer Theaterfreunde die Theatermaske 2014.

Bildquelle: Gerhard W. Kluth

TRIER. Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren wurde das Stadttheater Trier mit Ludwig van Beethovens „Fidelio“ eröffnet. Ein halbes Jahrhundert, das es zu feiern gilt. Eröffnet wurde die Jubiläumsspielzeit, die gleichzeitig auch für manche eine Abschiedsspielzeit ist, mit einem Theaterfest. Dessen Höhepunkt war die Verleihung der Theatermaske 2014 (wir berichteten bereits gestern Abend).

Von Gerhard W. Kluth

„Ihr Mezzo erzeugt Gänsehaut!“ Das war die Begründung eines Theaterbesuchers, warum er Kristina Stanek für die Theatermaske 2014 vorgeschlagen hatte. Bereits zum 13. Mal wurde diese Auszeichnung verliehen und Hiltrud Zock, Vorsitzende der „Freunde des Theaters Trier e.V.“ erläuterte noch einmal, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um überhaupt nominiert zu werden. „Ausschlaggebend“, so Zock, „ist die hohe künstlerische Qualität des Kulturschaffenden, die herausragende künstlerische Leistung in der letzten Spielzeit und die nachhaltige positive Wirkung für das Theater Trier.“ Schon die Nominierung ist eine Auszeichnung, die auch mit einer Urkunde dokumentiert wird.

So bat Zock die Schauspieler Tim Olrik Stöneberg und Daniel Kröhnert, den Schauspieler und Sänger Matthias Stockinger, Generalmusikdirektor Victor Puhl und eben die Mezzosopranistin Stanek auf die Bühne, um ihnen die Nominierungsurkunde zu überreichen. Der heftige Applaus bei jeder Namensnennung zeigte an, dass das Publikum mit jeder Nominierung sehr einverstanden war. Vorher fand Zock noch sehr bewegende Worte darüber, dass das Theater und sie persönlich mit dem plötzliche Tod von Dieter Lintz vor wenigen Wochen einen engen Freund verloren hat, der die Arbeit des Hauses immer konstruktiv und kritisch begleitete und nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass aus der Theatermaske auch ein Publikumspreis wurde.

Eine Offenbarung

In ihrer Laudatio auf Stanek konnte Zock nicht nur auf die Begeisterung des Publikums verweisen, die der 1985 im niederrheinischen Krefeld geborenen Sängerin entgegenschlägt. Über ihre Rolle als Maddalena in Giuseppe Verdis „Rigoletto“ schrieb das unabhängige Print- und Onlinemagazin Der Opernfreund: „Eine Offenbarung war Kristina Stanek, die ihre bildhübsche Bühnenerscheinung mit ihrem klaren und warm timbrierten Mezzo noch in den Schatten stellte.“ Stanek war sichtlich überrascht und auch ein wenig sprachlos, als ihr dann die Anstecknadel, gefertigt vom Juwelier Lürenbaum, überreicht wurde. Nach der offiziellen Feier sagte sie: „Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich diese Auszeichnung erhalten habe. Ich glaube, ich muss da erst einmal drüber schlafen, um es wirklich zu begreifen.“ Victor Puhl gab einen Teil seiner Nominierung an die Trierer Philharmoniker weiter. Er meinte: „Was ist ein Dirigent ohne sein Orchester?“

Den ganzen Tag über hatte das Theater gefeiert, seine Türen geöffnet und den interessierten Besuchern Einblicke in Bereiche gewährt, die normalerweise nicht zugänglich sind. Im ganzen Haus wurden Aktivitäten angeboten und man konnte sich schon einmal darüber informieren, was Trier den Theaterfreunden denn in der kommenden Spielzeit zu bieten hat. So konnte man schon einmal einen Blick in „Orpheus in der Unterwelt“ riskieren und Regisseur Sebastian Welker erläuterte seine Ideen zur Oper Carmen, die am kommenden Sonntag Premiere hat. Mit Lesungen aus „Urmel aus dem Eis“ wurde den Kindern ein Vorgeschmack geboten auf das „Musical für kleine und große Kinder“, das ab November auf dem Spielplan steht und auch die Jugendclub-Produktion „Grenzenlos“ ließ einen Blick hinter die Kulissen zu. Großen Zuspruch fand auch die Versteigerung der Kostüme, moderiert von Harry Hut, alias Heribert Schmitt. Sie wurden wie bei einer Modenschau von Statisten präsentiert und manch einer machte hier sein Schnäppchen.

Heinz Erhardt zum Abschied

Einer, der Abschied nimmt, ist der Schauspieler Michael Ophelders. Er stand beim Theaterfest gleich drei Mal auf der Bühne. Einmal als Mitglied des Saxophonquartetts Reed Bulls, das zu Anfang das Publikum im Kassenfoyer begrüßte. Dann unterhielt er die Gäste mit Ausschnitten aus seinem musikalischen Kabarettprogramm „Warum Heinz mit Erhardt lacht“, in dem er ein Feuerwerk an eigenen Gags mit Gedichten des berühmten Heinz Erhardt verknüpfte. Für Ophelders, der sich über Jahre hinweg ganz besonders mit dem Einpersonenstück „Der Kontrabass“ in die Herzen des Trierer Publikums gespielt hat, beginnt in der nächsten Woche sein Engagement in Hamburg. So ganz aber werden die Trierer ihn nicht verlieren. Mit seinem Kabarettprogramm wird er im Winter Gastspiele an der Mosel geben. Schließlich stand er beim Galaprogramm am Ende des Abends mit Intendant Gerhard Weber auf der Bühne. Beide ließen anhand von Zeitungsberichten noch einmal die Zeit vor 50 Jahren aufblitzen. Mit teilweise bissigen Kommentaren wurde noch einmal die Frage beleuchtet, wo denn nun das Theater gebaut werden sollte.

Damals gab es wie heute sehr strittige Meinungen. Und auch bei den Finanzen hatte man damals schon seine liebe Not. Schon 1965 konnte man in den damaligen Medien lesen, dass das Trierer Theater ohne Hilfe des Landes die Kosten nicht stemmen könne. Bei dieser Gala hatten dann auch die Philharmoniker ihren Platz auf der Bühne eingenommen. In gewohnter, sprich sehr guter Qualität blickten sie mit der Ouvertüre zu Beethovens Fidelio zurück und etwa mit der „Habanera“ aus Carmen gaben sie zusammen mit verschiedensten Solisten und dem Opernchor einen Ausblick auf das Kommende. Es war ein Tag, der sich gelohnt hatte. Und es war ein Tag, der zeigte, wie sehr doch das Theater bei der Bevölkerung eingebunden ist. Trotz vielfältiger anderer Veranstaltungen in der Stadt waren vom Mittag bis zum Abend sehr viele Theaterfreunde am Augustinerhof vorzufinden. Alle wollten sagen: Herzlichen Glückwunsch.

 

Jetzt lokalo liken und keine News verpassen!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.