Ein homogener Klangkörper auf hohem Niveau

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Das LJO erntete für sein Konzert am Ende jubelnden Applaus.

Bildquelle: Gerhard W. Kluth

WITTLICH. Manchmal muss man lange warten, bis ein Wunsch in Erfüllung geht. Bei Hermann Lewen, heute Intendant des Mosel Musikfestivals und früher einmal für die Kulturarbeit der Stadt Wittlich zuständig, war es jetzt soweit. Lange hat er sich für die Säubrennerstadt eine Stadthalle gewünscht, in der auch große Konzerte möglich sind. Mit dem Eventum ist sie endlich da.

von Gerhard W. Kluth

„Lange habe ich mir gewünscht, einmal in so einer Halle zu stehen und das Publikum zu einem großen Sinfoniekonzert begrüßen zu können.“ Mit diesen Worten eröffnete Lewen den Abend im Wittlicher Eventum, der mit dem Titel „Sommer Sinfonie“ überschrieben war. Es war also eine Premiere, die da über die Bühne ging und dazu hatte Lewen das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz (LJO) nach Wittlich geholt. 79 junge Musiker aus allen Teilen des Bundeslandes kamen an die Lieser, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Unter der Leitung von Professor Klaus Arp, der schon häufig am Pult des LJO gestanden hat, zeigte der Klangkörper wieder einmal, dass dies kein „Schülerorchester“ ist, bei dem man Abstriche machen muss. Wenn das LJO auftritt, muss man kein Auge zudrücken, muss man nicht sagen: naja, es sind ja noch Schüler. Das wird schon noch. Auf dieses Orchester kann das Land stolz sein. Es ist ein lebendiger Beweis dafür, wie groß das musikalische Potenzial im Nachwuchs von Rheinland-Pfalz ist und welch eine gute Arbeit in der Musikerziehung geleistet wird.

Mit beeindruckender Disziplin

Die Musikerinnen und Musiker sind alle Individuen, die vor allem die Tatsache eint, dass sie ein Instrument überdurchschnittlich gut beherrschen. Musikalisch sind sie von ihren Lehrern geprägt. Neben allen musikalischen Erfordernissen ist es die Aufgabe des Leiters und der Dozenten, aus dieser Gruppe einen homogenen Klangkörper zu formen. Dies ist Arp in der aktuellen Arbeitsphase bestens gelungen. Schon bei der Eröffnung des Konzertes mit „Meeresstille und glückliche Fahrt“, Opus 27, von Felix Mendelssohn Bartholdy, zeigte sich, auf welch hohem Niveau sich dieser Klangkörper bewegt. Mit einem fein ziselierten Pianissimo startete das LJO. Ohne Intonationsproblem malte es in feinsten Farben die Geschichte der Melusine, die in das sagenhafte Reich der Meerjungfrauen zurückkehrt. Beeindruckend war auch die Disziplin, mit der das Orchester dem Dirigat Arps folgte. Dieses LJO braucht den Vergleich mit einem Profiorchester nicht zu scheuen und dabei war das ja erst der Anfang.

 Professor Klaus Arp formte das Landesjugendorchester zu einem homogenen Klangkörper.
Professor Klaus Arp formte das Landesjugendorchester zu einem homogenen Klangkörper.

Immer wieder nimmt sich das LJO seit seiner Gründung 1973 auch der zeitgenössischen Musik an und bringt Werke zur Uraufführung. So auch diesmal mit Volker David Kirchners Komposition „Der mythische Fluss – Skizze für großes Orchester“. Dieses Werk ist eine Hommage an den Rhein, der, nach eigenen Angaben, den Komponisten Zeit seines Lebens geprägt hat. Kirchner verlangt in diesem dreisätzigen Gemälde viel von den Ausführenden. Die gesamte Farbpalette eines großen Orchesters wird abgefragt, rhythmische Verschiebungen bieten viele Stolpersteine, moderne Klangstrukturen, die sich nicht einfach so auflösen und durchschauen lassen, prägen das Geschehen. Dabei verwendet Kirchner viele Zitate. Hier lächelt Schumann hinter der Partitur hervor, dort ist es Debussy und Richard Strauss‘ Alpensinfonie scheint auch aufzutauchen. Ob dieses Werk in die Musikgeschichte eingehen wird, muss die Zukunft zeigen, aber es wurde durch das LJA mustergültig aus der Taufe gehoben.

Majestätische Atmosphäre

Robert Schumann hat vier große Sinfonien hinterlassen. Die dritte davon ist die so genannte „Rheinische“, die den zweifelsfreien Höhepunkt des Konzertes darstellte. Auch hier oder gerade hier zeigten sich Arp und seine Mitstreiter von ihrer besten Seite. Kraftvoll und dynamisch gingen sie das Opus 97 an, ließen sie das saftige Es-Dur im Eventum erklingen. Diese Tonart wird oft als königlich, durch seine drei Vorzeichen auch als die Tonart der Dreieinigkeit bezeichnet. Und wahrhaft erhaben und feierlich interpretierte das LJO diese Sinfonie. Dies insbesondere im vierten Satz, bei der Schumann die Inthronisation des Kölner Erzbischofs von Geissel vor Augen gehabt hat, ließ die majestätische Atmosphäre der Kölner Kathedrale aufleuchten. Im letzten Satz verwandelte sich dann diese Erhabenheit in Überschwang und Lebensfreude, die schlicht mitriss. Wen wunderte es da, dass es am Ende jubelnden Applaus gab, der nicht enden wollte. Es war ein großer Abend, bei dem das Mosel Musikfestival einer wichtigen Aufgabe gerecht wurde, nämlich der Förderung des musikalischen Nachwuchses in unserem Land auch auf sinfonischem Gebiet. Und wie schon in den vergangenen Jahren wurde das Festival auch diesmal dafür mit einem exquisiten Konzert belohnt.

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