Schulstart – Verband fordert mehr Lehrer

0
Malte Blümke, der Vorsitzende des Philologenverbandes in Rheinland-Pfalz.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER/MAINZ. „Zum neuen Schuljahr haben wir in Rheinland-Pfalz 4.000 Schüler mehr als ursprünglich erwartet. Wir begrüßen, dass die Landesregierung daraus die richtigen Konsequenzen gezogen und entgegen ihren ursprünglichen Absichten mehr als 1.000 über alle Schularten hinweg frei werdende Stellen wieder besetzt hat“, erklärt der Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Malte Blümke, zum Start in das neue Schuljahr am kommenden Montag. Ursprünglich sollte ein großer Teil dieser Stellen im Rahmen der allgemeinen Sparmaßnahmen eingespart werden, teilt der Verband in einer Presseerklärung mit. Einstellungen erfolgen vor allem an den Grundschulen (291) und den Gymnasien (277), weil die Zahl der Einschulungen und die Schülerzahlen in den Klassen zehn bis 13 an den Gymnasien sogar noch stiegen.

„Als Begründung für die veränderten Schülerzahlen wird von der Landesregierung jetzt zwar der Zuzug von Familien mit schulpflichtigen Kindern aus Süd- und Osteuropa und aus den Kriegsgebieten dieser Welt angegeben, aber diese allein können kaum für eine volle Begründung der erheblichen Differenz zwischen den ursprünglichen Planungsdaten und der heutigen Wirklichkeit herhalten. Wir sehen darin eher eine wiederholte Bestätigung der nachweislich falschen Rahmendaten des sogenannten Klemm-Gutachtens, auf das sich die Einsparungen von insgesamt geplanten 2.000 Lehrerstellen von 2011 bis 2016 beziehen, und fordern die Landesregierung auf, diese falschen Planungsdaten des Klemm-Gutachtens endgültig beiseite zu legen“, so Blümke.

„Nach der geltenden Schulstatistik kommen allein an den Gymnasien zu dem auch im neuen Schuljahr zu erwartenden zwei Prozenz strukturellem Unterrichtsausfall weitere zirka drei Prozent temporärer Unterrichtsausfall hinzu. Nimmt man den Unterricht von Vertretungslehrkräften und nicht voll ausgebildeten Lehrkräften hinzu, so bedeutet dies, dass auch weiterhin mehr als zehn Prozent des Unterrichts an den Gymnasien entweder ausfallen oder nicht regulär erteilt werden. Deshalb werden die Einstellungen von 277 neuen Lehrkräfte an den Gymnasien dringend benötigt, damit der Unterrichtsausfall nicht noch weiter ansteigt“, so Blümke.

„Lehrerarbeitslosigkeit und Unterrichtsausfall passen nicht zusammen“

Der Philologenverband beobachte aber mit großer Sorge, dass immer mehr Lehramtsstudenten nach ihrem Studium an der Universität oft mehr als ein Jahr lang auf einen Referendarplatz warten müssten und dann nach dem Referendariat keine Stelle an einer Schule mehr erhielten. „Es ist völlig unverständlich, dass die jungen angehenden Lehrkräfte durch das nicht überzeugende System der neuen Lehrerbildung an den Universitäten getrieben werden, um sie dann auf eine immer länger werdende Warteschleife für ein Referendariat zu schicken und im Anschluss in die Lehrerarbeitslosigkeit zu entlassen“, kritisieren die Gymnasiallehrer. „Und dies geschieht, obwohl diese mit viel Steuergeldern ausgebildeten jungen Lehrkräfte in den Schulen für eine volle Unterrichtsabdeckung dringend gebraucht werden“, so der Vorsitzende des Philologenverbandes. „Völlig unverständlich bleibt für uns in diesem Zusammenhang, dass jetzt auch die Lebensarbeitszeit der Lehrkräfte verlängert werden soll, wodurch die Einstellungschancen der jungen Lehrkräfte noch weiter vermindert werden“, betont Blümke. (red)

Jetzt lokalo liken und keine News verpassen!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.