„Du Trier-Wester Bastard, jetzt schlage ich dich tot!“

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Bildquelle: Bastian Lütge

TRIER. Ein 61-jähriger Mann muss sich seit heute vor dem Trierer Landgericht wegen Totschlags verantworten. Er soll am 7. März dieses Jahres seinen Nachbarn im Streit erschossen haben. Der Zwist, zwischen den beiden Männern an diesem Tag war der letzte in einer langen Reihe von Streitigkeiten und Auseinandersetzungen.

Eduard E. macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, lässt aber seinen Verteidiger, den Trierer Rechtsanwalt Dr. Andreas Ammer, eine Erklärung vorlesen. Er entschuldigt sich für die Tat, wäre froh, „wenn ich sie wieder rückgängig machen könnte“, schildert dann aber auch, dass der an den Schussverletzungen gestorbene Heinz-Günter H. ihm Angst gemacht habe. Er habe ihn mehrfach beschimpft („Du Rentenschmarotzer, du Trier-Wester Bastard“) und angekündigt: „Jetzt schlage ich dich tot.“ Eine Drohung, die nach Angaben des Angeklagten nicht zum ersten Mal ausgesprochen wurde.

An diesem verhängnisvollen Tag habe sich das spätere Opfer mit „wutverzerrtem Gesicht“ Zutritt zu seinem Grundstück verschafft, mit einem Kantholz auf den Rasenmäher eingeschlagen und ihn dann bedroht. Aus Angst habe er dann das Kleinkalibergewehr, ein Flobert-Gewehr, das ihm sein Vater vererbt hatte, aus dem Gartenhaus genommen. Aber nicht in der Absicht zu töten. Als H. mit dem Kantholz in der Hand und die Todesdrohungen ausstoßend auf ihn zugekommen sei, sei er zurückgewichen und ins Stolpern geraten. Dabei habe sich dann der Schuss gelöst, der kurze Zeit später zum Tod seines Nachbarn führte. „Ich wollte ihn nicht töten, ich wollte nur, dass er geht“, liest Ammer wortwörtlich vor.

Die ersten Zeugen des Tages, ausnahmslos Polizeibeamte, die entweder am Tattag vor Ort erschienen oder administrativ in den Einsatz eingebunden waren, bestätigten, dass E., ein Mann aus einfachen Verhältnissen, die Tat schon bei den ersten Befragungen eingeräumt hatte. „Er wollte mich mit einem Kantholz erschlagen, da habe ich auf ihn geschossen“, habe er mehreren Beamten gesagt. Den Aussagen der Polizisten war auch zu entnehmen, dass es im vermeintlichen „Idyll Kleingarten“ zwischen den Trierer Stadtteilen Euren und Zewen gerade zwischen diesen beiden Männern schon häufiger zu Auseinandersetzungen gekommen war. Zum Teil begleitet von körperlichen Attacken.

Die Schilderung des Sachverständigen Prof. Wolfgang Retz, der zur Person des Angeklagten ausführlich Stellung nahm, könnte als Drehbuch für eine Doku-Soap dienen, wie sie tagsüber bei den privaten Fernsehsendern rauf und runter laufen. Fast jedes Klischee könnte bedient werden. Zunächst waren der mutmaßliche Täter und sein Opfer miteinander befreundet. Der erschossene H. habe seinem Nachbarn sogar beim Bau des Gartenhäuschens geholfen. Der Sohn von H. sei einige Zeit mit der Tochter von E. liiert gewesen. Warum diese Beziehung nicht mehr hielt, ob die Trennung ursächlich für die bald folgenden Streitigkeiten zwischen den beiden Männern führte, blieb im Dunkeln. Jedenfalls wurde aus der anfänglichen Freundschaft letztendlich ein Kleinkrieg, der über Beleidigungen, Drohungen und Anzeigen am Ende in die Gewalttat mündete.

Das Medieninteresse am Prozesse um den tödlichen Schuss in einem Kleingarten war riesig. Einer der Nebenklagevertreter ist Justizrat Schmitz.
Das Medieninteresse am Prozesse um den tödlichen Schuss in einem Kleingarten war riesig. Einer der Nebenklagevertreter ist Justizrat Schmitz.

Der letzte Zeuge des ersten Verhandlungstages war ebenfalls ein Schrebergartennachbar. Bernd W. war befreundet mit dem Opfer, das ihm sogar über einen längeren Zeitraum seine Gartenhäuschen zum Bewohnen zur Verfügung gestellt hatte. Er will von wirklichem Streit zwischen H. und dem Angeklagten aber nichts gewusst haben. Beim Überlassen der Parzelle habe der Getötete ihm lediglich gesagt, er solle sich nicht um den Nachbarn kümmern.

W. ein 44-jähriger Elektroinstallateur, bewohnte das Grundstück des Opfers am Tattag nicht mehr, hatte aber inzwischen eine Parzelle in der Nähe angemietet. Er hörte die Rufe: „Bernd, hilf mir.“ Nach kurzem Zögern sei er zum Tatort gelaufen, habe von der Straße aus den Freund liegen sehen. Er wollte ihm helfen, aber E. habe gesagt: „Wenn du auf mein Grundstück kommst, liegst du gleich daneben.“ Er habe den Eindruck gehabt, dass E. etwas in den Händen gehalten habe. Was denn auch immer, wusste er auch nach mehrfacher Nachfrage des Verteidigers Dr. Ammer nicht zu sagen. Erst als E. zum Gartenhäuschen gegangen und mit leeren Händen zurückgekommen sei, habe er ihm erlaubt, das Grundstück zu betreten. Wieviel Zeit dazwischen vergangen war, blieb offen. Das Zeitfenster reichte von 50 Sekunden bis zu drei Minuten. Fest steht nur, dass Heinz-Günter H. starb, kurz nachdem W. ihn in die stabile Seitenlage verbracht hatte. Auf Nachfrage erklärte W.: „Gesagt hat er nichts mehr.“

Insgesamt sind vier Verhandlungstage angesetzt. Nächster Termin ist der kommende Donnerstag, 11. September.

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