„Goldschatz eher nebensächlich“ – Bundespräsident besucht Region

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Bildquelle: Bastian Lütge, Peter Pulkowski

BITBURG/WITTLICH/TRIER. Er sei mit einer ganz besonderen Herzlichkeit empfangen worden, erklärte Bundespräsident Joachim Gauck beim Abschluss seines heutigen Besuches in der Region. Zusammen mit Lebensgefährtin Daniela Schadt, Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Klaus Jensen hatte er zunächst Halt beim Europäischen Bildungswerk in Bitburg gemacht und anschließend die Firma Clemens in Wittlich besucht. Am späten Nachmittag führte ihn seine Tour nach Trier, wo er unter anderem einen Einblick in die Jugendherberge am Moselufer erhielt und Ehrenamtler im Rahmen eines Bürgerempfangs ehrte. 

Seine vorverfasste Rede ließ er einfach links liegen und fand stattdessen eigene Worte. Bundespräsident Joachim Gauck sprach lieber über sein Verhältnis zu Deutschland und die „Schätze“, die er auf seiner Reise entdeckt habe. Beispielsweise beim Europäischen DRK-Berufsbildungswerk in Bitburg. Seit der Gründung im Jahr 2000 haben in der Einrichtung über 2.100 junge Menschen und Erwachsene mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen an Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung teilgenommen. „Über zwei Drittel der Auszubildenden konnten in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden. Eine tolle Leistung und ein wichtiger Beitrag für Chancengleichheit und Fachkräftesicherung“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Bitburg.

Mit Auszubildenden im Gespräch in Bitburg

In Bitburg erhielt Gauck Einblicke in den Ausbildungsalltag im Europäischen Bildungswerk Bitburg.
In Bitburg erhielt Gauck Einblicke in den Ausbildungsalltag im Europäischen Bildungswerk Bitburg.

Vorbildlich sei die Einrichtung auch mit Blick auf die grenzüberschreitenden Anforderungen in einem europäischen Arbeitsmarkt, beispielsweise durch die Vermittlung europäischer Zusatzqualifikationen. Nach einer kurzen Präsentation des Hauses und dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Bitburg sprach der Bundespräsident mit Auszubildenden im „Reisebüro“, informierte sich über Projekte in der Mediengestaltung und traf auf Auszubildende im Garten- und Landschaftsbau.

 

Dem Fachkräftemangel entgegnen in Wittlich

Anschließend stand ein Termin bei der Firma Clemens Technologies in Wittlich auf dem Programm. Dort machten sich der Bundespräsident und die Ministerpräsidentin ein Bild von dem weltweit agierenden Unternehmen, das sich insbesondere beim Thema Fachkräftesicherung sehr engagiert. Über 600 Auszubildende haben dort bereits erfolgreich ihren Berufsabschluss gemacht. Die Ausbildungsquote beträgt bei rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 25 Prozent. Nach einem Besuch in der Produktionshalle und dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Wittlich unterhielt er sich im Anschluss mit den Auszubildenden.

Kaffee und Kuchen mit dem Bundespräsidenten

Am Mittag begrüßte die älteste deutsche Stadt den ersten Bürger des Staates. In Trier besuchte Bundespräsident Gauck die Römerstadt-Jugendherberge, die als Arbeitgeber das Thema „Inklusion“ vorbildlich umsetzt. In der modernen Einrichtung sind Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich in das Arbeitsleben integriert. Im Anschluss an einen Rundgang zu verschiedenen Arbeitsplätzen trafen der Bundespräsident und Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf Gäste und Beschäftigte bei Kaffee und Kuchen im Foyer der Jugendherberge.

Vor der Porta Nigra angekommen, wurde Gauck sowohl von Einheimischen als auch von Touristen bejubelt. Trotz seiner von einigen Seiten hart kritisierten Äußerungen vom vergangenen Montag, in denen er vor dem aktuellen Machtstreben Russlands in der Ukraine-Krise warnte, äußerte er sich in Trier nochmals zu der Thematik. Er sei für seine Aussage bereits mehrfach gelobt worden, erklärte er vor den versammelten Journalisten.

Bundespräsident Gauck mit seinen beiden Stadtführern Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Klaus Jensen. Die beiden begrüßen sich wahlweise mit dem Vornamen oder aber mit “sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin”, was beim Trierer Bürgerempfang zu einigem Gelächter führte.
Bundespräsident Gauck mit seinen beiden Stadtführern Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Klaus Jensen. Die beiden begrüßen sich wahlweise mit dem Vornamen oder aber mit “sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin”, was beim Trierer Bürgerempfang zu einigem Gelächter führte.

Persönlicher wurde es dann im Rheinischen Landesmuseum. Nach einer Führung durch die Dauerausstellung „Ein Traum von Rom“ und einem Blick auf den dort ausgestellten „Trierer Goldschatz“ ergriff er das Wort. Viele Ehrenamtler aus der Region waren zuvor eingeladen worden, um vom höchsten Mann im Staat geehrt zu werden. Gauck betonte, wie wertvoll ehrenamtliche Arbeit gerade auf kommunaler Ebene sei. „Da ist so ein Goldschatz eher nebensächlich“, erklärte er verschmitzt. Aber auch andächtige Worte sollten nicht fehlen. So griff er dem anstehenden 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Wiedervereinigung, vor und erzählte von seiner Beziehung zu Deutschland. „Es gab Phasen, da habe ich dieses Land gehasst. Geboren im Krieg, aufgewachsen in der Nachkriegszeit und im Kommunismus“, zählte der aus der DDR stammende 74-Jährige auf.

Trotz Nürburgring ein „Goldschatz“

Gerade durch die deutsche Wiedervereinigung habe er sein Heimatland jedoch neu lieben gelernt. Man solle nicht immer die kleinen Krisen betrachten, sondern das große Ganze im Blick haben, mahnte er. „Dieses wunderbare Rheinland-Pfalz hat auch, wie man so hört, nicht immer alles richtig gemacht. Ganz davon ab, gibt es aber auch hier Schätze, die man nicht vergessen darf.“ Das wirtschaftliche Desaster am Nürburgring im Hinterkopf führte die Äußerung Gaucks so zu einigem Schmunzeln. Sogar Malu Dreyer und ihre Landesregierungskolleginen Doris Ahnen und Eveline Lemke konnten dem Bundespräsidentin seinen Wink mit dem Zaunpfahl offensichtlich nicht übel nehmen. Als Oberbürgermeister Klaus Jensen seine Ehefrau im Anschluss auch noch mit „sehr geehrte Ministerpräsidentin“ begrüßte, war das Eis gebrochen. Gelächter erfüllte den Raum und spiegelte das wider, was der Besuch des Bundespräsidenten im Großen und Ganzen war: herzlich, bürgernah und herrlich unpolitisch. (rom)

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3 KOMMENTARE

  1. ich hoffe Herr Gauck ist nachhaltig mit der Bahn gekommen – im RE Bummelzug mit Verspätung – sah den Bahnhof des Grauens samt Vorplatz und die Trümmerkulisse unweit der Jugendherberge ….eben den : TRAUM VON ROM

  2. nein, der BuPrä ist aus Witlich mit dem Auto gekommen. nein, er ist nicht in kenn abgefahren und durch die Loebstraße- Parkstraße- Kürenzerstraße-Roonstraße zum Landesmuseum gefahren. Das hält auch die beste Mercedes-Ferderung nicht aus.

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