ADAC-Rallye: Wirtschafts- oder Störfaktor?

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Welche Bilanz ziehen die Trierer Stadtratsfraktionen aus der diesjährigen ADAC-Rallye?

Bildquelle: lokalo

TRIER. Nun ist er also schon wieder vorbei, der alljährliche Rummel rund um die ADAC-Rallye in Trier und der Region. Doch nach wie vor sind die Meinungen zu Sinn und Unsinn des Sportevents gespalten. Die einen sehen im mehrtägigen Rennzirkus eine regionale Bereicherung, andere kritisieren die finanzielle Beteiligung der Stadt Trier oder gar den Motorsport an sich. 

Der Sieger ist gekürt, die letzte ADAC-Flagge zusammengerollt, das Rennequipment längst wieder in Kisten verstaut und Fahrer und Teams abgereist. Nichts erinnert mehr an den noch gestern vor der Porta Nigra inszenierten Rennzirkus rund um die Rallye Deutschland, die in Trier und der Region gastierte. Was für den ausgemachen Rallyefan internationaler Spitzensport ist, wird von anderen nur als Schauplatz unnötiger Geldverschwendung und gefährlicher Unfälle gesehen.

Auch im Trierer Stadtrat ist die Veranstaltung nicht unumstritten. Vor allem die finanzielle Beteiligung der Stadt an dem Großevent wird jedes Jahr aufs Neue kritisiert. Lokalo hat bei den neugewählten Ratsfraktionen nachgehakt.

„Trier hat ökologisch, historisch und kulturell gesehen so viel zu bieten und es ist traurig, dass wir uns trotz all dieser Vorteile immer noch auf die ADAC-Rallye stützen, die nicht zum kulturellen Profil Triers passt“, kritisiert die Linksfraktion. Das Geld für die ADAC-Rallye sollte lieber für das Marketing von Kultur und Tourismus eingesetzt werden.

Das sehen die Christdemokraten anders. Die Stadt gebe oftmals weit mehr Geld mit weniger Wirkung aus. 90 ooo Euro beträgt der Finanzierungsaufwand für die Stadt. „Aber“, so erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Birgit Falk, „die Rallye ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Eine ausführliche Analyse aus dem Jahr 2011 belegt, dass die Rallye zu einem Bruttoumsatz im Bereich Handel, Gewerbe und Gastronomie in Höhe von 3,1 bis 3,5 Millionen Euro führt, woraus sich eine Gesamtwertschöpfung in Höhe von 1,3 bis 1,4 Millionen Euro ergibt.“

Die diesjährige Siegerehrung vor der Porta Nigra: ganz rechts ist auch Thomas Egger mit von der Partie. Als Kultur- und Wirtschaftsdezernent hat er die Großveranstaltung stets befürwortet.
Die diesjährige Siegerehrung vor der Porta Nigra: ganz rechts ist auch Thomas Egger mit von der Partie. Als Kultur- und Wirtschaftsdezernent hat er die Großveranstaltung stets befürwortet.

Auch die Sozialdemokraten erklären, dass „bei aller berechtigten Kritik“ der wirtschaftliche Faktor gerade angesichts „der desolaten Haushaltslage der Stadt nicht zu vernachlässigen“ ist. „Trier bezeichnet sich immer als Sportstadt. Manche Städte in Deutschland, ja sogar in Europa, beneiden uns um dieses Event. Große Sportereignisse dieser Art ziehen immer positive und negative Auswirkungen mit sich. Mit ein wenig Verständnis und Toleranz sollte es für alle zu ertragen sein“, erklärt der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Lehnart.

Die Freien Wähler betonen, dass vor allem die Neuerungen im Rallye-Ablauf für eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. „Wichtig ist, dass die Behinderungen für die Anwohner der betroffenen Strecken sowie des Service Parks wesentlich eingeschränkt wurden, sodass das Positive das Negative dieser Veranstaltung übersteigt. Lobenswert ist auch eine frühzeitige Information der betroffen Stadtteile durch den ADAC“, erklärt Ratsmitglied Hans-Alwin Schmitz. Gerade als Ortsvorsteher in Trier-Euren habe er bemerkt, dass der Rallyebetrieb in diesem Jahr zu einer geringen Beeinträchtigung von Verkehrsteilnehmern und Anwohnern geführt habe.

Dennoch sei die Aufmerksamkeit während der Rennsporttage vermehrt auf Unfälle gerichtet gewesen, kritisieren die Linken. „Dies wird einer Kulturstadt wie Trier nicht gerecht“, kritisiert Ratsmitglied Susanne Kohrs. Sie fordert die Stadtverwaltung auf, „ein Gesamtkonzept zu entwerfen, dass dem kulturellen Profil Triers gerecht wird.“

Gerne hätten wir auch gewusst, welche Forderungen die anderen Fraktionen bezüglich der Rallye stellen. Doch mutmaßlich aufgrund der am Augustinerhof herrschenden Sommerpause, haben wir weder von Grünen, noch von AfD und FDP Antworten auf unsere Anfrage erhalten. Würde man nur die eingegangenen Antworten werten, stünde einer erfolgreichen Fortführung des Rennsportevents auch 2015 so nichts mehr im Wege.

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12 KOMMENTARE

  1. Ich bin der Meinung, daß das rumfahren in Autos nicht als „Sport“ bezeichnet werden kann. Wer betätigt sich denn hier wie sportlich? Höchstens die Anwohner, die über Absperrungen klettern müssen. Und zu Sportstadt gehören für mich eher Angebote aus dem Breitensport, bzw. regionale Sportvereine wie in Trier die TBB, Eintracht oder Miezen.
    Dieses ADAC „Event“ ist unnötig wie ein Kropf, den Umsatz würde man auch an normalen Wochenenden mit allen anderen Touristen auch machen.
    Übrigens „glänzt“ der „Charme“ der Rallay noch bis mindestens Anfang nächsten Jahres auf dem Viehmarkt weiter, wo man monatelang noch die aufgepinselten Parkplätze sieht, wo der ADAC seine Schleudern abgestellt hat.

    • Bitte informieren Sie sich darüber, wie körperlich durchtrainiert ein Werksfahrer in der Weltmeisterschaft sein muss und wie anstrengend eine lange Wertungsprüfung ist. Erzählen Sie mir dann noch mal, dass es kein Sport ist! Das werden Sie dann selbst nicht mehr denken!

  2. @eumel: Woher wollen sie denn wissen ,“dass man die Umsätze auch ohne die Rally machen würde“ ? Glauben sie etwa wegen der Rally kämen an dem Wochenende andere Touristen nicht nach Trier ? wenn ja , haben sie keine Ahnung , wenn nein, dann haben sie noch weniger Ahnung ! Hauptsache substanzlos rumgepöbelt!

  3. Ich denke auch, dass es während dieses Rennsport-Ereignisses durchaus positive Aspekte für die regionale Wirtschaft gibt. Dass sich besonders die Anwohner zu Wort melden, die darin weder Spaß am Rennsport, noch Sinn sehen, ist natürlich typisch.
    Ich weiss selbst, dass es gerade für die Gastronomie und die Unterhaltungslokale in der Stadt ein deutliches Plus ist und Gäste gern gesehen sind. Wenn sich natürlich einige Bewohner der Stadt und umliegenden Dörfer lieber unter sich aufhalten, sollten sie möglicherweise einen anderen Wohnort weiter abseits in Betracht ziehen. Trier ist eine unglaublich tolle Stadt und durch gewisse Eigenschaften auch Touristenmagnet. Die Rallye ist ein zusätzliches Plus und aufgrund der Streckenverläufe als auch der generellen kulturellen Gegebenheiten einfach ein zweifacher Grund, sich an dem Wochenende hier aufzuhalten. Seht es sportlich!

  4. Jahr für Jahr schlägt die WRC in Trier ihre Zelte auf und mit ihr tausende von Rallyefans.
    Nicht ohne Grund, wird die einzige wirkliche Asphaltrallye in der Region Trier ausgetragen. Denn neben den Wertungsprüfungen und Fahrern begeistert die Kultur, nicht nur die FIA, sonderen auch die Rallyefans, die ohne dieses Event, nicht Ihren Weg in die Großregion finden würden.
    Frau Kohrs von den Linken hat unrecht wenn sie sagt: “Dies wird einer Kulturstadt wie Trier nicht gerecht.“, und versteht schlichtweg das Geschehen nicht. Denn auch Motorsport ist Kultur und stellt, auch wenn es manche nicht wahr haben mögen einen wichtigen Aspekt in der Geschichte dar.
    Zusätzlich verbindet das Event etwas, was in der Stadt Trier fast einmalig ist, ein pulikumswirksame, finazierbare und langfristige Veranstalltung, die Jahr für Jahr Medienvertreter, aus der ganzen Welt in unsere Kleinstadt treibt und über sie berichten lässt.
    Soviel Stadt-Marketing wie dieses Event bringt, lässt die 90.000€ lächerlich wirken und die Äußerung der Linken selten unbedacht. Denn was dieses Rallye uns an Marketing bringt können wir uns garnicht leisten.
    Lasst uns doch alle ein wenig mehr Großstadt wagen, denn mit der Einstellung bringen wir es weiter. Offen für alles mehr Urbanität!

  5. Lang, L.-P.: „Denn auch Motorsport ist Kultur und stellt, auch wenn es manche nicht wahr haben mögen einen wichtigen Aspekt in der Geschichte dar.“

    Richtig, Herr Lang! Geschichte im Sinne von Vergangenheit. Oder glauben Sie, als junger, politisch interessierter Mensch, ernsthaft, dass der Motorsport in seiner heutigen Form noch eine „langfristige“ Perspektive hat? Ich habe bis etwa 10 Jahre bevor Sie zur Welt gekommen sind selbst Motorsport betrieben. Aber HEUTE ist das ein Ding von GESTERN.

    Vielleicht passt es ja gerade deshalb so gut in „unsere schöne Stadt“. Allerdings gibt es ganz sicher nicht viel, das weniger mit moderner Urbanität zu tun hat.

  6. Immer dieses Rummgejammer wegen 4 Tagen Motorsport in und um Trier. Wir sollten lieber froh sein das dadurch der ein und andere Gastro-/Hotelbetrieb noch zusätzlichen Umsatz generieren kann. Trier wird eh immer mehr zur Veranstaltungswüste. Alle großen Veranstaltungen wurde doch durch solche Jammerlappen ins „Aus“ katapultiert. Zu teuer, zu laut und andere blödsinnigen Argumente. Aber andererseits dann groß jammern das in Trier „nix los ist“. Am besten sucht ihr euch einen ruhigen, beschaulichen Wohnsitz ganz weit draussen auf der grünen Wiese.
    @Eumel: Breitensport mit TBB, SVE oder Miezen, ich lach mich tot. Ich bin bei TBB und Miezen selber Mitglied und sehe bei jedem Spiel nie mehr wie 3stellige Zuschauerzahlen. Soviel zur Unterstützung von einheimischen Vereinen. Und das bei einer Großstadt, herzlichen Dank.

  7. Ich muss feststellen, das es dieses Jahr erheblich ruhiger war.
    Aber: Der Veranstalter (ADAC Veranstaltungs GmbH) hat zusammen mit seinem Mutterkonzern riesige Gewinne. Letztes jahr über 80 Mio Euro. Da ist es doch nicht zuviel verlangt, das der ADAC an die beteiligten Kommunen alle Kosten erstattet.
    Es wird ja immer das Argument vorgebracht, wenn wir Rechnungen schreiben, geht der ADAC weg. Ja wohin soll er denn? Wer hat den die entsprechenden Strecken und den Willen das zu machen und zu bezahlen? Ich glaube, Trier ist hier die einzige Stadt in Deutschland. Köln will es ja nicht und hat ja letztes jahr alles dem ADAC in Rechnung gestellt.
    Wen das unserer Wirtschaft und den Hotels so gut tut, warum legt man die Veranstaltung in die Hochsasiaon und nicht in die Umsatzarme Zeit?

    • Man kann die Veranstaltung nur schwer in die Nebensaison legen. Selbst wenn der Rallye-Veranstalter das wollte, wird die FIA etwas dagegen haben!

  8. Die Rallye ist beides: Stör- als auch Wirtschaftsfaktor! Denke jedoch das Übel ist kleiner als der Nutzen! Auch wenn mir das Ganze persönlich nicht so zusagt – in Anbetracht einer Wertschöpfung, die im sechsstelligen Bereich liegt, nehme ich das „Ungemach“ einfach in Kauf.

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