Not very British

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Der Pan im Fuß der Trierer Domorgel darf bei der Musik aus dem Schwalbennest auch mitmachen.

Bildquelle: Veranstalter

TRIER. Es geht auf den Herbst zu. Ein untrügliches Zeichen dafür ist der Start der Konzertreihe „Musik aus dem Schwalbennest“ im Trierer Dom. Insgesamt acht Mal lädt die Trierer Mutterkirche zu Orgelkonzerten in der Mittagszeit. Die Eröffnung der Serie lag traditionell in den Händen von Domorganist Josef Still.

Von Gerhard W. Kluth

Das erste Konzert der diesjährigen Spielzeit hatte einen englischen Zungenschlag. Still spielte, abgesehen von einer Ausnahme, nur Werke von britischen Komponisten. Und auch die Ausnahme machte ihren Bezug zu den Angelsachsen mehr als deutlich. Es handelte sich um das „Carillon de Westminster“, in dem der französische Komponist Louis Vierne dem Glockenschlag von Big Ben in London ein Denkmal gesetzt hat. Und auch die Widmung dieses Opus 54,6 geht über den Ärmelkanal an den englischen Orgelbauer Henry Willis, der sich 1845 in London mit einer eigenen Firma niederließ. Über fünf Generationen hat dieses Unternehmen Bestand gehabt und war bis 1997 in Familienbesitz. Die erste große Orgel baute die Firma für die Kathedrale der Trierer Partnerstadt Gloucester.

In der Barockzeit fristete die Orgelmusik auf der britischen Insel ein eher bescheidenes Dasein. Eine Tradition, wie wir sie in Frankreich und Deutschland kennen, gab es hier nicht. Erst mit der Romantik blühte das Instrument und seine Musik auf. Allerdings bekamen die englischen Orgeln ein ganz anderes Klanggewand, als man dies auf dem Kontinent kannte. Besonders bei den großen Instrumenten baute und baut man gerne Register ein, die fanfarenähnliche Klänge hervor bringen und auch dann noch aus dem Gesamtklang hervortreten, wenn der Organist für die Begleitung schon alle Register gezogen hat. Ein Klangerlebnis, wie man es gemeinhin bei deutschen Orgeln nicht hat. Erst in den letzten Jahren findet die englische Orgel auch in Deutschland immer mehr Liebhaber. Diese nutzen gerne den Umstand, dass auch in England immer mehr Kirchen geschlossen werden, wodurch manchmal sehr wertvolle Instrumente zum Verkauf stehen. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist die Pfarrei St. Amandus in Kordel, in der eine Orgel aus Nordwales ihr neues Zuhause fand.

Der Klang war auch genau das, woran die Eröffnung der Konzertserie etwas krankte. Technisch gesehen war alles genau so, wie man es von Still gewohnt ist. Ganz gleich, ob es um den Auszug aus den „Vesper Voluntaries“ von Edward Elgar ging, um den „Festive March“ von Henry Smart oder eben um das „Carillon“ von Vierne, Still meisterte seine Aufgaben sicher und unantastbar. Aber klanglich konnte die Domorgel den Anforderungen, die manche Werke eigentlich stellen, nicht gerecht werden. So konnte man nur erahnen, wie sich William Mathias seine Einzugskomposition „Processional“, mit der Still das Konzert eröffnete, wohl vorgestellt hat. Die wahre Klangpracht, die das Werk eigentlich entfalten sollte, konnte die Domorgel nicht liefern, da ihr die entsprechenden Register fehlen und sie für diese Musik auch nicht ausgelegt ist. Am ehesten noch passte Viernes Komposition, da die Konzeption der Schwalbennestorgel sich auch an den französisch-symphonischen Vorbildern orientiert. Die zahlreichen Konzertbesucher waren trotzdem sehr angetan und freuten sich natürlich sehr darüber, dass mitten im Konzert auch der Pan, der im Orgelfuß sein Zuhause hat, zu Wort kommen durfte. Für nicht wenige dürfte diese humorvolle Einlage der Höhepunkt der mittäglichen Konzerte sein. Das nächste Mal sorgt der kleine Dombewohner am Samstag, den 30. August, um 11 Uhr 30 wieder für den Spaß im Dom. Umrahmt wird sein Auftritt vom Völklinger Organisten Andreas Mehs, der unter anderem Werke von Nicolaus Bruhns, Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger spielen wird.

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1 KOMMENTAR

  1. So genau mit den Klangfarben muss das auch nicht immer sein (So konnte man nur erahnen, wie sich William Mathias seine Einzugskomposition “Processional”, mit der Still das Konzert eröffnete, wohl vorgestellt hat. Die wahre Klangpracht, die das Werk eigentlich entfalten sollte, konnte die Domorgel nicht liefern, da ihr die entsprechenden Register fehlen und sie für diese Musik auch nicht ausgelegt ist). In Oberschlesien gibt es ein Sprichwort, das da heisst: „Gupi nie uznou a mondry nic nie powie!“ (Der Unwissende erkennt es nicht und der Wissende schweigt!)

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