Ohne eigenes Auto mobil – Carsharing in Trier

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Der Schriftzug der SWT-Stadtmobil-Fahrzeuge.

Bildquelle: Lars Eggers

TRIER. Ab heute bieten die Stadtwerke Trier in Kooperation mit dem bundesweit agierenden Unternehmen Stadtmobil insgesamt drei Carsharing Stationen in der Trierer Innenstadt an.

In überfüllten Städten mit immer weniger Parkplätzen, die dann meist auch noch kostenpflichtig sind, ist der Trend weg vom eigenen Fahrzeug schon seit Jahren deutlich zu erkennen. Auch der schmale Geldbeutel ist hier oft ein Grund, auf einen eigenen fahrbaren Untersatz zu verzichten. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren verzichten immer häufiger auf das eigene Auto. Laut einer Studie des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fährt diese Altersgruppe heute nur noch durchschnittlich 17 Kilometer pro Tag mit dem Auto. Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei 28 Kilometern pro Tag. Eine flexible Mischung aus öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad und dem altgedienten Fußweg scheint für viele junge Menschen, zunehmend aber auch für die gesamte Bevölkerung, die Lösung der Wahl zu sein. Was aber tun beim Großeinkauf oder der Fahrt in den Urlaub? Die Stadtwerke Trier haben für diesen Fall nun ihr Angebot erweitert und bieten seit heute ein neues Mobilitätskonzept an: Carsharing.

In Kooperation mit der bundesweit agierenden Firma Stadtmobil stellen die SWT ab heute insgesamt fünf Fahrzeuge an drei festen Stellplätzen in der Innenstadt für alle angemeldeten Kunden zur Verfügung.

Stadtmobil Trier-Inhaber Patrick Wagner (l.) und SWT-Vorstandssprecher Dr. Olaf Hornfeck (r.) stellen das neue Carsharing-Projekt vor.
Stadtmobil Trier-Inhaber Patrick Wagner (l.) und SWT-Vorstandssprecher Dr. Olaf Hornfeck (r.) stellen das neue Carsharing-Projekt vor.

„Carsharing ermöglicht es, dass man ganz flexibel ein Auto nutzen kann, ohne ein eigenes Fahrzeug besitzen zu müssen“, erklärt Patrick Wagner, Inhaber der Stadtmobil-Zweigstelle Trier. Das Prinzip ist denkbar einfach. An drei Locations in Trier – im Parkhaus Alleencenter, im Parkhaus am Hauptmarkt und an der TUFA, werden insgesamt fünf Fahrzeuge auf eigens dafür eingerichteten Stellflächen platziert. Diese können dann online, via App oder direkt im Servicezentrum der SWT für die benötigte Zeit gebucht werden. Man zahlt nur die Zeit und die Kilometer, die tatsächlich gefahren wurden. Untersuchungen der Stiftung Warentest bestätigen, dass dieses Mobilitätskonzept für Menschen, die weniger als 12.000 Kilometer im Jahr fahren, eine echte Alternative zum eigenen Auto darstellen kann.

Um beim Carsharing der SWT und Stadtmobil einsteigen zu können, müssen Interessierte sich im Servicezentrum der SWT registrieren und einen Aufnahmebeitrag von 60 Euro sowie eine Kaution von 400 Euro zahlen (letztere erhält man bei Kündigung unverzinst zurück). Der monatliche Beitrag liegt bei sieben Euro, die Tarife für die eigentliche Nutzung variieren je nach Dauer und Fahrzeuggröße. Die Mini-Klasse (in Trier einer von zwei Toyota Aygo) schlägt mit 1,50 Euro pro Stunde und 21 Cent pro Kilometer zu Buche. Für 24 Stunden zahlt man 21,00 Euro, für eine Woche 108 Euro. Wer ein größeres Fahrzeug braucht – in Trier stehen zwei Opel Korsa und ein Opel Astra Kombi zu Verfügung – muss tiefer in die Tasche greifen. Damit liegen die Standardpreise im üblichen Rahmen, es gibt mehrere Vergünstigungen für Vielfahrer, Nachtfahrten und ähnliches. Allerdings bietet die Konkurrenz, wie zum Beispiel Flinkster, deutlich günstigere Tarife für Studierende an (Flinkster Campus 1,00 Euro pro Stunde, 20 Cent pro Kilometer). VRT-Job- und Jahreskarten-Inhaber sowie eingeschriebene Studierende erhalten bei der SWT zwar einen Rabatt auf Aufnahmebeitrag, Kaution und Monatsbeitrag, aber ob dieses Angebot ausreicht, das wird nur die Zeit zeigen. Zumindest SWT-Vorstandssprecher Dr. Olaf Hornfeck ist zuversichtlich. Er sieht in dem Carsharing-Angebot eine optimale Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehrsangebot. Auch, dass das Carsharing dem Bus Konkurrenz macht, glaubt Hornfeck nicht: „Wir gehen davon aus, dass das Carsharing den ÖPNV weiter stärkt. Ich glaube auch nicht, dass eine Konkurrenzsituation entstehen wird, das Carsharing ist ein ergänzendes Angebot für Urlaubsfahrten, für große Einkäufe und so weiter. Da man das Auto ja die ganze Zeit, bezahlen muss, lohnt es sich nicht, damit zum Beispiel zur Uni zu fahren.“

Der Fuhrpark soll gemäß der Nachfrage erweitert werden, Erfahrungswerte in ähnlich großen Städten zeigen, dass nach einer kurzen Etablierungsphase zwischen 10 und 15 Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Zusätzliche Angebote wie weitere Sharing-Stationen, Anhänger oder andere Fahrzeugklassen sollen ebenfalls bei Bedarf ergänzt werden.

Carsharing ist für Menschen, die nur sporadisch ein Auto benötigen, eine echte Alternative, das ist bereits in vielen anderen Städten bewiesen worden. Ob das Angebot der SWT tatsächlich abhebt, steht auf einem anderen Blatt. Vor allem die im Innenstadtbereich zentralisierten Sharing-Stationen könnte den Betreibern hier ein Bein stellen, sollen doch laut Hornfeck gezielt junge Menschen, vor allem auch Studierende, mit dem Angebot angesprochen werden. Eine Station an der Uni oder der FH fehlt aber genau so wie in den zentrumsfernen Wohngebieten Petrisberg, Tarforst oder auf der anderen Moselseite – sprich genau dort, wo Studentenwohnheime stehen oder andere Anwohner ohne Fahrzeug den Dienst tatsächlich benötigen. Auch muss sich das Angebot der SWT gegen die Konkurrenz, zunehmend günstigere Mietwagenangebote und private Charsharing-Initiativen, wie sie zum Beispiel auf tamcya.de angeboten werden, behaupten müssen. Ob der verhältnismäßig späte Einstieg der SWT in das Carsharing-Geschäft tatsächlich Erfolg hat, wird daher erst die nähere Zukunft zeigen. (le)

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7 KOMMENTARE

  1. Eine gute Idee, allerdings wird damit nur ein geringer Teil der Einwohner erreicht, da ein nicht unerheblicher Teil in weit entfernten Stadtbezirken wohnt und es damit für diese Menschen weniger interessant macht.
    Außerdem bin ich gespannt, wie lange es dauert, bis die dafür vorgesehenen Parkplätze von anderen zugeparkt werden. Ich schätze ein paar Tage. Höchstens.

    • Die Parkplätze sind abgesperrt und können nur von den Fahrern der Carsharing-Autos entriegelt werden. Zumindest das Zuparken ist daher kein Problem.

  2. Carsharing is schon lange keine Idee mehr. Gibt es seit Jahren in den meisten Grossstädten. Flinkster ist auch in Trier schon seit Jahren aktiv. Leider wenig bekannt.
    Dezentralere Stationen wären allerdings wünschenswert. Dennoch bin ich mir sicher, dass man mit dem Konzept erfolgreich sein kann, wenn man den die Preise denen von Flinkster angleichen kann

  3. Ich kenne bislang niemanden, aber auch niemanden, der sein Auto verkaufen würde um Carsharing zu nutzen.
    Sollte dennoch jemand sein Auto verkaufen, weil er es nur selten nutzt, um aus Kostengründen für die bisherigen Fahrten auf Carsharing umzusteigen, so veringert dies die Autofahrten insgesamt nicht, die Schadstoffemmission auch nicht, die Einnahmen der KFZ-Steuer sehrwohl.
    Ich kenne einige die kein Auto besitzen und bislang entsprechend auch nicht nutzen, die Carsharing hingegen begrüßen würden, um günstig und flexibel doch mal eine Fahrt zu machen, die sie sonst nicht machen könnten.
    Fazit: Das Verkehrsaufkommen, sowie die Schadstoffemmission wird durch Carsharing steigen, nicht sinken!
    Was soll also der Quatsch!

  4. Da sieht man doch mal wieder, wie geschicktes Marketing funktioniert. Die Stadtwerke informieren mal eben die Presse, die natürlich umfangreich und kostenlos berichtet. Ich persönlich kenne das Konzept zwar auch aus anderen Städten, aber das es in Trier Flinkster oder Stadtmobil gibt… ist mir neu. Hätte mir in der ein oder anderen Autolosen Situation den Stadtbusluxus ersparen können. (Zugegeben, ich hab auch nicht gecheckt, obs sowas in Trier gibt)

  5. Die Leser-angepasste Headline im TV zeigt doch schön, wo bei solchen Sachen in Trier das Problem liegt:
    http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/trier/Heute-in-der-Trierer-Zeitung-Das-liebste-Kind-mit-anderen-teilen;art754,3958663?fCMS=bnvflmoogku3itj84dvofaocd6

    Wenn die Leute hier es schaffen würden, in einem Auto ein bißchen mehr das zu sehen, was es ist – ein Ding, um von hier nach da zu kommen – , als „ihr liebstes Kind“, hätten wir eine Menge „Verkehrs“probleme weniger.

    Ganz zu schweigen davon, wie toll die Welt wäre, wenn in manchen Familien die zweit-, dritt- und viertliebsten Kinder in etwa die gleiche Menge an Aufmerksamkeit und Zuwendung abbekämen.

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