Blattgold für und in der Glockengießerei

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Ein reifer und hochtalentierter Klangkörper: Das Klarinettenquartett Blattgold aus Berlin.

Bildquelle: MMF

SAARBURG. Was haben Thomas Hammes, Karl-Heinz Steffens und Marion Eckstein gemeinsam? Sie stammen alle von der Mosel und haben als Musiker international Karriere gemacht. Und sie waren alle schon Gast beim Mosel Musikfestival. In Saarburg konnte man nun eine Musikerin erleben, die sich auf denselben Weg gemacht hat.

Von Gerhard W. Kluth

„Das Mosel Musikfestival ist nicht nur eine Bühne für die ganz großen Musiker. Immer wieder laden wir auch Künstler ein, die von der Mosel aus in die Welt gezogen sind, um ihren Weg zu machen. Sie sind uns herzlich willkommen und können bei uns zeigen, was aus ihnen geworden ist.“ Mit diesen Worten begrüßte Hermann Lewen, Intendant des Festivals das Publikum in der KulturGießerei Saarburg, der ehemaligen Werkstatt der Glockengießerei Mabilon, die sich in den letzten Jahren zu einem veritablen Kulturzentrum entwickelt hat. Die Atmosphäre, die sich hier dem Konzertbesucher bietet, hat ihren ganz eigenen Charme. Man hat den Eindruck, als seien die Arbeiter gestern noch hier gewesen und haben Glocken für eine Kirche gegossen. Ein wenig ist es auch morbide, wenn man sich die Wände mit dem teils fehlenden Putz ansieht oder die abgenutzten Werkbänke. Es wirkt echt und ansprechend. Unterstützt wurde die vorhandene Stimmung noch durch die Beleuchtung, mit der Artur Feller, technischer Mitarbeiter von Lewen, gekonnt Akzente gesetzt hatte. So hatte er in den alten Schmelzofen einen roten Scheinwerfer gesetzt, wodurch man den Eindruck bekommen konnte, da wird gerade Kupfer und Zinn zu Glockenbronze verschmolzen. Ein wenig ist auch noch der Geruch einer Werkstätte in der Luft. Optimale Voraussetzungen also, dem Motto des diesjährigen Festivals, „mit allen Sinnen“, gerecht zu werden.

Von der Mosel nach Berlin

Eingeladen hatte das Festival in Kooperation mit der KulturGießerei das Klarinettenquartett Blattgold aus Berlin. Um das voraus zu schicken: Es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, dieses Ensemble zu engagieren, denn die vier jungen Musiker präsentierten sich als ein reifer und hochtalentierter Klangkörper. Bezugspunkt zur Region aber war Frederike Roth, die zusammen mit ihren Partnern Evelin Achtenhagen, Benjamin Hummel und Hanno Pilz angereist war. Roth wurde in Bernkastel-Kues geboren und hat von dort aus, unter anderem mit dem ersten Bundespreis beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und als Mitglied im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, ihre Karriere begonnen. Dieser Weg führte sie nach Berlin, wo sie 2009 das Blattgold Quartett mit begründete. Roth sorgte dafür, dass dieses Konzert eine ganz persönliche Note bekam. So war unter den Konzertbesuchern auch Ulrich Junk, Roths erster Klarinettenlehrer. Es war ihm schon ein wenig der Stolz anzumerken, als er erleben konnte, was aus seiner ehemaligen Schülerin geworden ist.

Fliegende Bälle

Was Roth und ihre Partner zu bieten hatten, konnte sich mehr als nur sehen lassen. Kammermusik ist die Königsklasse im klassischen Genre. Das gilt für ein Streichquartett, das sich mit Beethoven oder Haydn beschäftigt, ebenso, wie für ein Klarinettenquartett, das Kompositionen des Zeitgenossen Willy Mortier oder von George Gershwin spielt. Es kommt wesentlich auf das Zusammenspiel an. Auf das aufeinander zugehen, sich ergänzen. Die Musik ist oftmals ein Dialog zwischen den Instrumenten. Ein nebeneinander her spielen geht nicht. Blattgold wurde dieser Aufgabenstellung überzeugend gerecht. In der Niagara Jazz-Suite von Mortier, in den „Three Préludes“ von Gershwin und auch in der Bearbeitung der „Rhapsody in Blue“ flogen die Bälle nur so hin und her. Es war ein gemeinsames Spiel, bei dem jeder jeden im Blick hatte und alle zusammen die Musik.

Ein beschnittener Bach

Der erste Teil des Abends war Johann Sebastian Bach gewidmet. Seine „Goldberg-Variationen“, BWV 988, hat Blattgold sich, soweit es denn möglich war, für Klarinettenquartett eingerichtet. Ein Versuch, den schon viele andere Musiker für viele andere Instrumentengruppen unternommen haben. Technisch gesehen meisterte Blattgold die Aufgabe vielleicht nicht mühelos, aber doch glänzend. Ob sich eine Klarinette für die barocke Klangsprache eignet, ist eine reine Geschmacksfrage. Ein wenig war diese Klangwelt schon gewöhnungsbedürftig. Wenn man sich aber darauf einließ, konnte man durchaus viele Aspekte, viele Nuancen entdecken, die das Ganze sehr reizvoll machten. Weniger erfreulich jedoch war, dass Blattgold nahezu alle Wiederholungen, die Bach in seinen Variationen vorgesehen hat, wegließ. Damit beraubte das Quartett die Komposition um sehr wertvolle Teile, die gerade in der Barockmusik wichtig sind. Gerade bei Bach gibt es nichts, was er ohne tiefen Hintergrund geschrieben hat. Alles hat seinen Sinn, gehört dazu. Natürlich wäre der Abend mit den Goldberg-Variationen im vollen Umfang zu lang geworden. Es ist die Frage, ob dieser Umstand ausreicht, einzelne Kompositionen zu beschneiden. Insgesamt war es ein schöner und sehr erfolgreicher Abend, wie die Zustimmung des Publikums zeigte. Erfolgreich für Blattgold, das Festival und für die KulturGießerei.

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