“Wirtschaft ist Chefsache” – Wolfram Leibe im Bürgerdialog

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Der Kandidat mit der Bürgerin Ministerpräsidentin: Auch Malu Dreyer war zum Bürgerdialog mit Wolfram Leibe erschienen. Weitere Bilder in der Fotogalerie am Ende des Artikels.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Dass die Sozialdemokraten erpicht darauf sind, in der Nachfolge von Klaus Jensen weiter den Chefsessel im Trierer Rathaus zu besetzen, steht außer Frage. Um das zu erreichen, wird sich Kandidat Wolfram Leibe in einem oder wahrscheinlich zwei Wahlgängen gegen die CDU-Kandidatin und – ein großer (Heim-)Vorteil – Triererin Hiltrud Zock durchsetzen müssen. Damit das gelingt, hatte die SPD zum Auftakt des heißen Wahlkampfes an diesem Samstagmorgen personell und thematisch groß aufgefahren. Ein Bürgerdialog am Kornmarkt sollte Leibe “nah bei de Leut” bringen.

Von Yvonne Romes

Mit einem Blick durch die versammelten Reihen am Kornmarkt war festzustellen: Dieser öffentliche Wahlkampfauftakt von Leibe lockte durchaus viel Volk auf den Platz. Unter den Augen von Gegenkandidatin Zock, Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani, SPD-Bundestagsabgeordneter Katarina Barley, einigen Stadträten und Mitgliedern anderer Parteien und sogar Ministerpräsidentin Malu Dreyer führte Leibe durch die Themengebiete Bildung, Kultur, Wirtschaft, Mobilität, Wohnen und Arbeit.

Die Menschentraube und die laute Mikrofonanlage erregten dabei auch die Aufmerksamkeit zufällig vorbeikommender Wochenend-Shopper. Leibe − in der Mitte der Runde − glänzte mit professionellen Antworten auf die Fragen wie Zukunft der Egbert-Grundschule, Angebote der Volkshochschule oder ÖPNV-Anbindungen. Der 53-Jährige präsentiert sich als Marke, nirgends war ein Logo seiner Partei, der SPD, zu erkennen. Was zählte, war Leibe „hautnah“.

Dieser betonte seine Ideen − vom Moselbahndurchbruch, der Verdoppelung der Stadtbus-Taktung und der Senkung der Schulabbrecherquote von acht auf vier Prozent. Zur Zukunft der Egbert-Grundschule wollte er sich auf Nachfrage eines betroffenen Familienvaters nicht äußern. Es lägen noch keine genauen Zahlen vor. Er könne nur betonen, „Bildung ist mehr als nur Grundschulstandorte“. Er wolle eine „Gesamtdiskussion“ über alle Schultypen, einschließlich der Berufsbildenden Schulen. Auf diesem Gebiet versteht der Jurist sein Handwerk. Als ehemaliger Leiter der Trierer Arbeitsagentur weiß er, von was er spricht. Hier hat er wichtige Kontakte geknüpft.

Auch mit der Landesebene will der derzeitige Geschäftsführer der baden-württembergischen Arbeitsagentur Trier besser vernetzen. Ein hehres Ziel − ist der aktuelle Oberbürgermeister doch glatt Ehemann der Ministerpräsidentin. „Malu, willkommen in der Runde“, ruft Leibe dieser zu, als es gerade an das Themengebiet Kultur gehen soll. „Wir brauchen ein neues Stadttheater“, stellt Leibe fest und blickt Dreyer fragend an. “Sobald die Stadt genaue Pläne hat, sind wir natürlich bereit zu helfen”, antwortet diese lächelnd, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Gemeint ist: Sollte sich die Stadt für eine Sanierung oder einen Neubau des maroden Stadttheaters am Augustinerhof entscheiden, so wäre sie vor allem auf finanzielle Hilfen aus Mainz angewiesen. Da schadet der Kontakt unter engen Parteifreunden nicht.

Leibe konnte schon bei der Diskussion an der Uni Trier punkten - am Samstag legte er auf dem Kornmarkt nach.
Leibe konnte schon bei der Diskussion an der Uni Trier punkten – am Samstag legte er auf dem Kornmarkt nach.

Die Realisierung von Leibes Vorstellungen wäre ansonsten auch undenkbar. Er, der beruflich bedingte Jetsetter, schwärmt von seinen Erfahrungen aus anderen Städten, beispielsweise Reutlingen. Dort habe die Stadt eine neue Philharmonie inklusive Kongressräumlichkeiten gebaut. Dieses Kombi-Modell hält Leibe auch für Trier denkbar. Genauso wie eine Erweiterung der Trierer TuFa. Hier könne die Stadt ein anliegendes Grundstück erwerben. Gemeinsam mit Sponsoren solle dann ein Anbau entstehen. „Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die sich bestimmt gerne beteiligen würden.“

Man merkt: Leibe, der unermüdliche Pragmatiker, hat auch Visionen. Wie diese genau finanziert werden sollen, ist fraglich. Für die Verdoppelung der Stadtwerke-Taktung ist er bereit, das jährliche 700.000-Euro-Minus der Stadtwerke auf 1,5 Millionen zu dehnen. Das passt nicht ganz zum Bild des disziplinierten „Kämmerers“, der gleichzeitig eine „schwarze Null“ für das künftige Haushaltsjahr 2015/16 fordert. Das Leibe-Gesamtpaket wäre nur realisierbar, wenn die Stadt auch mehr Einnahmen, beispielsweise aus den Gewerbesteuern generiert.

Auch Leibe betont, wie wichtig es sei, die städtische Wirtschaft zu stärken und auszubauen. Verbesserungspotenzial sieht er durch die Gründung einer Hafengesellschaft und neue Gewerbeflächen am Kockelsberg. „Wirtschaft ist Aufgabe des Oberbürgermeisters. Wirtschaft ist Chefsache“, gibt Leibe an diesem Samstag aus. Genau diese Information wird Kaes-Torchiani ihrem Amtskollegen, Wirtschaftsdezernenten Thomas Egger, wohl als Souvenir vom Bürgerdialog mitbringen.

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9 KOMMENTARE

  1. Super, wenn die Wirtschaft Chefsache ist, dann wird die Gewerbesteuer auch hoffentlich einmal drastisch gesenkt, sodaß es sich für Firmen von ausserhalb lohnt, sich in Trier anzusiedeln. Warum dieser Satz immer nur erhöht wird, das ist mir ein Rätsel. Vielleicht sollte man sich mal ein paar grundsätzliche Volkswirtschaftliche Dinge vor Augen halten, dann leuchtet ein, daß eine Schraube, welche immer fester angezogen wird, irgendwann mal bricht.
    Visionen sind immer gut und zu begrüssen, egal von welcher Partei sie kommen.
    (Übrigens, Glückwunsch zu dem cleveren Schachzug, auf dieser Veranstaltung ohne Parteisymbole auszukommen und sich über Profil und Aussage zu präsentieren)

  2. Gute Präsentation und Performance von Herrn Leibe. Als Wahltrierer sehe ich die große Wichtigkeit, dass frischer Wind von außen in die Stadt getragen wird.
    Leibe scheint ein Mann mit Kompetenz und Führungsstärke. Ich bin gespannt, wie die anderen Kandidaten ihren Auftakt gestalten.

  3. Da stehen doch fast nur Sozis rum. wie will der Mann denn so die Wahl gewinnen??? Auf seiner Homepage tut sich auch seit Monaten nix. Seit Februar ist die unverändert. Ziemlich schwach dieser Wahlkampfauftakt. Da helfen auch die ganzen Promis nichts mehr

    http://wolframleibe.de/

  4. Es gibt wesentlich wichtigere „Baustellen“ als die Wirtschaft zur „Chefsache“ zu machen. So wirklich überzeugt hat er mit seinen Visionen auch nicht. Die Ideen von den Kandidaten scheinen alle aus einem Topf gelöffelt zu werden. Kleine Unterscheidungsmerkmale gibt nur in der Größe und Form der Löffel.
    War die Veranstaltung wirklich so Bürgernah? Wohl eher nicht……..!

  5. Nach der „offiziellen Präsentation“ gab es viel Zeit für das Gespräch zu suchen. Ich hatte konkrete Anliegen und die wurden mir auch klar beantwortet. Herr Leibe hat mich überzeugt.

  6. Was die Leute hier schon wieder so rumjammern und alles schlecht reden.
    Leibe ist Pragmatiker. Und etwas mehr Pragmatismus würde unserer Stadt mal ganz gut tun!

  7. Also ich stoße mich lieber bei ein paar Punkten an dem Kandidaten, als dass ich bei seiner Konkurrentin das auf mich übertriebene Lächeln und null konkrete Aussagen bekomme.

  8. @Hannah: Leibe ist kein Pragmatiker sondern jemand der bei der arbeitsagentur trier einen berater nach dem anderen mit befristeten Verträgen abgespeist hat. Da mussten sich einige einklagen um weiterarbeiten zu dürfen, fragen sie mal beim Arbeitsgericht nach wie das ablief. Oder beim Rechtsanwalt Dr. Roggenfelder in Trier der einige von den betroffenen vertreten hat. Es gab in Konz, Hermeskeil und Saarburg Leute die ihre Nachfolger einarbeiten mussten und wussten das sie von denen ersetzt werden. Leibe hat das alles bis zum letzten ausgereizt und es war ihm total egal wie sich die Mitarbeiter fühlten die sich über zwei bis drei Jahre befristet reinhängten und sich nichts zuschulden kommen ließen sondern ihre arbeit ordentlich machten um dann gesagt zu bekommen, das mehr als zwei jahre Befristung nicht drin seien. Das ist der leibe der jetzt hier als SPD-Kandidat kommt und so sozial tut. Ich kenne einige bei der arbeitsagentur denen wird ganz schlecht bei der aussicht das der mann bald OB ist. @Marie: das frau zock keine überzeugende alternative zu Leibe ist und auch der Konrad nichts taugt ist leider wahr.

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