Buchkritik: Die Illusion des Getrenntseins

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Fotomontage

Bildquelle: Wikimedia Commons

„Wir sind hier, um aus der Illusion unseres Getrenntseins zu erwachen“.

Dieses Zitat von Thich Nhat Hanh wird dem Roman vorangestellt und bildet das Leitmotiv der Erzählung um mehrere Personen, deren Leben durch einen Akt der Güte im zweiten Weltkrieg unveränderbar beeinflusst wird.

Simon Van Booy erzählt eine Geschichte, die kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beginnt und bis in die Gegenwart hineinreicht, die Kontinente umspannt, uns nach Paris, Manchester, Los Angeles und Coney Island entführt. Eine Geschichte, die von 6 Menschen und ihren Schicksalen erzählt.

Wir lernen Martin kennen, der als Baby in den Kriegswirren von einem Soldaten gerettet und von einer mutigen Frau adoptiert wird. Da gibt es Mr. Hugo, einen entstellten Mann, der in den Achtzigern Freundschaft mit einem kleinen Jungen schließt, und so dessen Leben für immer verändern wird. Und letztendlich den Amerikaner John, der, nach einem Flugzeugabsturz, auf den Schlachtfeldern in Frankreich alles dafür tut, um seine große Liebe Harriet wiederzusehen.

Kritik

Viel mehr möchte ich hier auch nicht über die Handlung dieses wunderbaren Romans preisgeben. Schicht für Schicht der verschachtelten Handlung muss der Leser freilegen, um am Ende alle Erzählstränge zusammenfügen zu können.

Simon Van Booy, in Wales geboren und aufgewachsen, lebt mit seiner Familie in Brooklyn, hat mehrere Kurzgeschichtenbände, Romane und Philosophiebücher veröffentlicht und schreibt u.a. für die New York Times, den Guardian und die BBC. In seinem neuesten Roman, 2014 im Insel-Verlag erschienen und übersetzt von Claudia Feldmann, scheint es nun, als würde er hier all seine schriftstellerisch Talente vereinen.

Die Geschichte wirkt anfangs wie eine Sammlung von Kurzgeschichten; Kapitelweise springt Van Boy zwischen Charakteren, Zeitebenen und Handlung hin und her. Dies mag zunächst anstrengend sein und verlangt Aufmerksamkeit vom Leser, jedoch wird man schnell von den Geschehnissen in den Bann gezogen und stellt erste Verbindungen her. Und glauben Sie mir, man wird belohnt.

Nicht nur die poetische Sprache verzaubert, auch die philosophischen Betrachtungen über das Leben, das Schicksal und letztendlich, was es bedeutet ein Mensch zu sein, ziehen den Leser unmittelbar in ihren Bann. Van Booy zeigt uns eindrucksvoll, wie Menschen über Kontinente hinweg miteinander verbunden sein können, ohne überhaupt voneinander zu wissen – wie das Schicksal mit uns spielen und was daraus resultieren kann, wenn irgendwo im französischen Hinterland zwei feindliche Soldaten aufeinanderstoßen…

Ich gestehe, dass mir, als ich am Ende alle losen Fäden zusammengefügt hatte, die Tränen herunter liefen – da mir mit vollem Ausmaß die Wucht dieses Buches bewusst wurde.

Ein großes Stück Literatur! Unbedingt lesen und Taschentücher bereithalten!

Die-Illusion-des-Getrenntseins-9783458175926_xxl „Die Illusion des Getrenntseins“ von Simon Van Booy
Insel Verlag, 2014
ISBN: 978-3458175926

 

 

[td_text_with_title custom_title=“Zur Person“] Florian Valerius sitzt als leidenschaftlicher Buchhändler in der Universitätsbuchhandlung Stephanus an der Quelle, kennt sich bestens mit allen Spielarten der Literatur aus und möchte an dieser Stelle, als bekennender Bücher-Junkie, auch Anderen den Weg zum guten Buch (und am schlechten vorbei) weisen.[/td_text_with_title]

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