ECE-Debatte: Wilhelmus raus – Pläne für Shoppingcenter in Trier hinfällig?

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ECE und Projektentwickler Gerd Wilhelmus gehen zukünftig getrennte Wege. Welchen Einfluss hat das auf ein mögliches Projekt in Trier?

Bildquelle: Archivaufnahmen, Rudolpho Duba / pixelio.de

TRIER/HAMBURG. Um die Debatte bezüglich der möglichen Ansiedlung eines ECE-Shoppingcenters in der Stadt Trier ist es spürbar ruhig geworden. Nicht so beim Hamburger Investor selbst: In Fachkreisen ist schon länger bekannt, dass der Marktführer vor internen Umstrukturierungen im Bereich “Development”  steht − und dass nicht nur personell. Welche Auswirkungen das auf den möglichen Standort Trier hat, bleibt ungewiss.

Gerd Wilhelmus hatte es nicht einfach in Trier. Kurz nach Bekanntwerden der Pläne über ein neues Shoppingcenter am Standort Trier wurde er zur Projektionsfigur jeglicher Kritik an dem Bauvorhaben. Wilhelmus stand symbolisch für den gefährlichen Kapitalhai aus dem fernen Norden, der den Eindruck erweckt, mit Geld alles kaufen zu können. Dies wurde in der öffentlichen Wahrnehmung zunächst vor allem dadurch zementiert, dass bei einer Pressekonferenz im Frühjahr 2013 mit Oberbürgermeister Klaus Jensen bereits unterschriftsreife Verträge vorlagen.

Interne Umstrukturierungen

Auf Podiumsdiskussionen sammelte Wilhelmus (links) nicht gerade Sympathiepunkte.
Auf Podiumsdiskussionen sammelte Wilhelmus (links) nicht gerade Sympathiepunkte.

Ein Chor der Kritik aus Einzelhändlern, Bürgern und Stadträten erfasste die Stadt, und Wilhelmus musste sich als Projektverantwortlicher öffentlich rechtfertigen. Unter diesem Druck saß er unter anderem auf Podiumsdiskussionen und sammelte nicht gerade Sympathiepunkte. Nun steht fest: Der 59-Jährige verlässt zum Ende des Jahres den Konzern. Aus gut informierten Kreisen ist jedoch zu hören, dass Wilhelmus schon seit einiger Zeit nicht mehr aktiv für die ECE tätig ist. Wilhelmus arbeitete seit 1994 mit kurzen Unterbrechungen für den Investor, zuletzt als Geschäftsführer der ECE-Tochter für Projektentwicklung. Ob sein Ausscheiden mit dem erst einmal gescheiterten Projekt in Trier oder ähnlichen ihm anvertrauten Projekten zu tun hat, ist unklar.

Dass die ECE intern umstrukturiert, ist spätestens seit einem „Retail Meeting“ Anfang Juli 2014 bekannt. Bei dem regelmäßigen Zusammentreffen der wichtigsten Funktionäre in Hamburg werden Neuprojekte vorgestellt und verwirklichte Projekte begossen. Dabei wurde deutlich: Die Anzahl an in diesem Jahr aufgeführten Projekte nahm im Vergleich zu den Vorjahren deutlich ab. Das liegt zum einen daran, dass viele Projekte, wie beispielsweise in Mainz, aus politischer Uneinigkeit und Bürgerprotesten ins Stocken geraten sind, zum anderen zeigt sich, dass die Hamburger deutlich zurückhaltender investieren.

Internethandel setzt Investoren zu

Das ECE-Center in Stuttgart - die Schlössle-Galerie im Abendlicht. Werden Shoppingcenter solchen Ausmaßes als Investitionsprojekt zu unrentabel?
Das ECE-Center in Stuttgart – die Schlössle-Galerie im Abendlicht. Werden Shoppingcenter solchen Ausmaßes als Investitionsprojekt zu unrentabel?

Standorte, an denen Investitionen lohnenswert erscheinen, werden rar, und die Konkurrenz schläft nicht. Auch für den Standort Trier gibt noch weitere Interessenten. Gerade ECE hat sich als Marktführer allerdings auf weitläufige Verkaufsflächen nicht unter 20 000 Quadratmetern spezialisiert. Zuästzlich setzt der Internethandel dem von der Otto-Familie gegründeten Konzern zu. Alternativprojekte wie „click&collect“, bei denen die Kunden Ware im Internet bestellen und in der Filiale vor Ort abholen, laufen nur langsam an. Unter diesem Druck scheinen Investitionen in diesem Bereich immer weniger ratsam. Zumal ECE in diesem Wissen auch weitere Geschäftsfelder parallel aufrüstet, wie zum Beispiel im Hotel- oder Büroflächensektor.

Mit dem Zurückfahren des Projektentwicklungsbereichs und dem Ausscheiden Wilhelmus‘ offenbart ECE seine neue Strategie, die vom klassischen Shoppingcenter wegführt, wie auch mehrere Immobilien-Fachmagazine in den vergangenen Wochen titelten. Ob diese Tatsachen Auswirkungen auf einen potentiellen Standort Trier haben, ist noch unklar. Fest steht: In Mainz will ECE am Ball bleiben, zu Trier gab es bisher keine öffentlichen Äußerungen.

Ein Rückzug am Standort Trier könnte dabei zwei verschiedene Szenarien folgen lassen. Entweder wartende Investoren werden geweckt und reaktivieren ihre Bemühungen, in Trier Fuß zu fassen. Denkbar wäre allerdings auch, dass mit dem Rückzug des Platzhirschen aus Hamburg auch die Konkurrenzsituation schwindet und niemand mehr die Notwendigkeit sieht, in Trier zu investieren. Da trifft es sich gut, dass die von Oberbürgermeister Klaus Jensen ins Leben gerufene Arbeitsgruppe zum „Strategischen Strategisches Entwicklungs- und Nutzungskonzept Innenstadt Trier“ (SENI) bisher ergebnisoffen debattiert. Ob es neben der Trier-Galerie und dem Alleecenter also zu einem weiteren Shoppingcenter mit ganz neuen Dimensionen kommt, hängt nicht nur vom Vorgehen des Hamburger Investors, sondern auch von den Ergebnissen des Arbeitskreises ab. Unabhängig davon, ob der hiesige Projektmanager Gerd Wilhelmus heißt oder nicht (rom)

11 KOMMENTARE

  1. „Alternativprojekte wie “click&collect”, bei denen die Kunden Ware im Internet bestellen und in der Filiale vor Ort abholen, laufen nur langsam an.“ …. und klingen für mich wie die teuersten Lager- und Versandhallen die man sich nur vorstellen kann. Ich bin sehr am Handel der Zukunft interessiert und werde mir dieses „Alternativprojekt“ mal genauer ansehen.

    Auf den ersten Blick muss ich fast laut lachen. Mal sehen…

  2. Abwarten, was mit Kaufhof/Karstadt passiert. Da wird Trier noch froh sein, wenn sich ECE wieder anbietet.
    Beide Häuser sind sowas von tot und wenn da erstmal „Rudis Restrampe“ ein paar Jahre lang direkt an der Porta eingerichtet wird und das ganze noch mehr vergammelt, werden einige wach werden.

    Gleicher gilt für die andere Innenstadtseite um die Europahalle. Wer soll den hier entwickeln? Die lokalen Bau“löwchen“? Da werden wir Trierer noch froh sein, wenn Profis da ran gehen und nicht die letzten Gurken. Man sehe sich mal die Qualität der Galerie an… mir wird da Angst und Bange

  3. Ich begrüsse das ECE Projekt und sehe es aufwertend für unsere Stadt, finde ich es toll eine Mall zu haben wie ich es aus Nürnberg, Koblenz, Luxemburg, Saarbrücken oder mein geliebtes Saarparkcenter in Neunkirchen kenne. An die kleinen Einzelhändler denke ich nicht da sich der Markt selbst reguliert und wer da nicht besteht Tschüssssssssssssssss

    • Leute mit Ihrem Denken und Ihren Vorstellungen sind Schuld, das meine Stadt so elendiglich zugrunde gerichtet wird.
      Wir können doch am besten zwischen Issel und Karthaus alles Platt machen und neu aufbauen. Toll. Dann sieht es in Trier aus wie in Saarbrücken, Kassel, Kiel oder anderswo. Aber nicht wie Trier.
      Raus mit dem Pack, das meine Stadt so zurichten will.

  4. „Mailbox“ haben sie nur kiffen im Kopf oder Drogen?? Die Frage drängt sich auf. Ich wünsche Ihnen „Klare Birne“ und morgen für Sonntag “ ganz klare Birne“

  5. In Jena haben wir eine Bürgervollbefragung erkämpft, 2/3 der Bürger machten mit. Die höschte Wahlbeteiligung nach dem Mauerfall. und 2/3 stimmten beim Verkauf unseres zenralen Eichplatzes für ein Einkaufscenter von ECE/OFB mit nein.

    Während unsere Verwaltungsspitze drohte: dann bleibt das die nächsten 20 Jahre ein Parkplatz, nahmen 2 Bürgerinitiativen das Zepter in die Hand. Wir eroberten in der Sommerpause unser Rathaus und haben eine Ideenwerkstatt aufgebaut. Hier kann jeder seine Ideen , Vorstellungen, Wünsche äußern, Modelle bauen. Sogar ein Stadtplaner macht mit und baut ein eigenes Modell. In erster Linie wird eine Meinungsbildung zu Nutzungskonzepten daraus hervorgehen. Erst in 2. Linie geht es um Architektur ! Wichtig für eine wachsende Stadt, ist das Festlegen von großen öffentlichen Räumen für die Bürger, Grünflächen, Spielflächen, Kultur, Kunst, Soziales. Erst danach kann verdichtet werden !!!

    Hier jetzt 2 Links zu Jena, einfach mitmachen ist unsere Devise und mit einem Mal kommen sogar Zukunftsforscher aus Wien und machen bei uns mit. Z. B. Dr. Reiter aus Wien. Jetzt aber die jeweiligen Blogs:

    http://blog-ztb-zukunft.com/2014/06/05/fragmentierte-stadt-achtel-statt-viertel/
    http://www.eichplatz.info/
    http://www.jenapolis.de/2014/04/13/gemeinsame-erklaerung-der-buergerinitiativen-zum-eichplatz/

    Auch ein kleiner politischer Erfolg ist, dass 5 engagierte Mitglieder der Bürgerinititativen in den Stadtrat gewählt worden (Die Piraten, die Guten, Bürger für Jena und Fr. Haschke als Parteilose auf der Liste der CDU). Schon lange entscheiden Parteifunktionäre nicht mehr im Sinne der Bürger, sondern entsprechend Parteistatut. So was hatten wir vor 1989 schon mal in der EX-DDR. Also hieß es, ein neuer demokratischer Aufbruch, wieder ein Kampf ohne finanzielle Mittel um direkte Bürgerdemokratie. In die Stadträte gehören wieder parteilose Bürger und Unternehmer, diese wissen am besten, was gut für ihre Stadt ist, schließlich wohnen sie hier. Im Gegensatz dazu kommen viele Verwaltungsspitzen und Parteispitzen in den Kommunen oft gar nicht aus der Stadt, wo sie vollmundig das Regieren versuchen !

    Ich wünsche Trier eine Entwicklung zu einer liebens- und lebenswerten Stadt. Die Bürger sind nicht nur als Konsumenten und Steuerzahler zu sehen, leider haben da einige Politiker immer so eine ganz vernebelte Brille auf der Nase.

    Zu guter Letzt eine Bitte an Politik und Verwaltung: keine Angst vor dem Bürger, sie können getrost ihre Vorbehalte zu diesen Menschen abbauen.

  6. und noch einen kleinen Hinweis zur Zukunft von Einkaufscentern:
    der Markt von Einzelhandel ist einfach gesättigt. Es geht nur noch um Verdrängungswettbewerb. Im Durchschnitt hat jede Stadt 1,5 qm Handelsfläche. In Jena waren es bereits vor dem neu geplanten ECE/OFB Center 2,4 qm je Einwohner. Schließen sich die Händler von Einkaufsstraßen zusammen und gestalten Events und Straßenfeste, so ziehen sie genauso die Kundschaft an, wie eine Mall. Kein Mensch geht mehr nur zum Einkaufen in die Innenstadt und sucht überteuerte Parkplätze auf. Der Mensch will sich nach der Arbeit auch in der Innenstadt erholen, sich mit Freunden treffen, Essen gehen, Kultur und Musik erleben und abends sitzt man auf dem Sofa und zappt durch das Netz. Hier bekommt man zu technischen Geräten mehr Infos als von einem heutigen Berater in Saturn, man kann Leistung und Preis bequem vergleichen und jeder weiß doch, wer billig kauft, kauft 2 x. Der Konsument ist mündig geworden und informiert sich vor dem Einkauf, was er wo kaufen möchte.

    viele Trends kommen ja aus Amerika, es stehen gerade 400 Malls vor der Schließung, einige sind zu Ramschläden verkommen. Einen Trend kann man nicht aufhalten und der heißt Internethandel. Es gibt im Osten ein Sprichwort, was jedem gesagt wird, der alten Zeiten hinterher trauert:

    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
    Gorbatschow

  7. Und falls jetzt jemand Angst hat, das bei einer großen Bürgerbeteiligung Investoren dieser Stadt den Rücken kehren, mitnichten.

    Die Bürgerinitiative konnten einen der größten Parkhausbetreiber für Jena gewinnen. Von diesem, haben wir die Zusage, dass er auf Erbpachtbasis eine Tiefgarage mit 600 Stellplätzen unter den Eichplatz baut.
    Die Stadt ist dann frei, wie der Platz darauf gestaltet bzw. bebaut wird.

    Was einige in Verwaltung nicht wissen: ein Grundstück kann ich auch horizontal trennen: ober- und unterirdisch, so kann man auch eine große Tiefgarage bauen und darauf Unternehmer und Bürger vor Ort einladen selbst zu investieren. Hat die Stadt ein bissel Geld baut man auch mal ein Kunsthaus darauf oder eine neue Kulturstätte für freischaffende Künstler, Vereine und ihre Stadt wird brummen. Keiner bringt so viel Leben in die Stadt als die Soziokultur ! Oder warum ist Berlin und Leipzig so beliebt? In Leipzig ist ein Plakat schon zu sehen: „liebe Berliner bleibt bitte zu Hause,“ man hat Angst vor steigenden Wohnungspreisen.

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