„Das ist mehr als Leidenschaft – Das ist ganz viel von mir“

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"Mourning" - das wohl bekannteste Bild von Katharina Jung. Momentan kann man es auf einer Ausstellung der Künstlerin im Friseursalon "Rosarot -die Friseurin" in der Maarstraße 48 in Trier bewundern.

Bildquelle: Indpdnt Photart

TRIER. Bilder sagen oft mehr als tausend Worte heißt es. Die bildgewaltigen Tagträume von Katharina Jung bestätigen diese Weisheit auf eindrucksvolle Weise. Die 21-Jährige hält ihre Wut, den Kummer und Ängste nicht mit Tinte fest, sondern greift stattdessen zu Kamera und Photoshop.

Mehr als 5.000 Facebook Fans hat die Hermeskeilerin Katharina Jung inzwischen „gesammelt“ – jeden Tag kommen weitere dazu. Wer denkt, dass es sich nur um Fans aus Deutschland und der Region handelt, irrt sich gewaltig. „Die meisten Fans kommen aus Übersee“, erzählt sie. Dabei fing es sie erst im Februar 2013 an, sicht ernsthaft mit dem Thema Fotografie und Bildbearbeitung auseinanderzusetzen.

„Ich hatte in der Grundschule mal eine Kamera. Das Interesse war immer da, aber ich habe es blöderweise etwas schleifen gelassen. Im Sommer 2012 war ich dann in einem Café kellnern und habe mir von dem Geld eine Spiegelreflexkamera gekauft. Richtig angefangen habe ich aber erst im darauffolgenden Februar“, erzählt die gelernte Mediengestalterin für Printmedien.

Bei ihren ersten Schritten in der Welt der „Dark-Art“ konnte sie jedoch nicht auf das Wissen aus ihrer Ausbildung zurückgreifen. „Was ich da gelernt habe, hat mir leider nicht viel bei diesem Hobby geholfen. Ich habe zwar mit den Adobe-Produkten gearbeitet, aber das nötige Know-How habe ich mir selbst beigebracht.“ Dabei halfen ihr so genannte Speed-Videos auf youtube. In diesen Clips sieht man in beschleunigter Form, wie Kreative ihre Bilder in Kunstwerke verwandeln. „Ich habe dann einfach angefangen, mit den ganzen Werkzeugen rumzuspielen und habe mir einige Dinge abgeschaut. Die ersten Bilder waren aber noch ziemliches Gefrickel“, fasst sie die ersten Gehversuche zusammen.

Ihre Bilder üben häufig Kritik und sollen die Menschen wachrütteln. „Die Idee zu dem Bild
‚Mourning‘ kam mir spontan nach einem Mallorca-Urlaub. Ich schnappte mir eine weiße Badematte, meinen Hund und legte los“, erklärt sie die Entstehung ihres wohl bekanntesten Werks. Die Badematte diente dazu, sich später möglichst einfach aus dem Bild ausschneiden und realistisch auf dem Hirsch platzieren zu können. Die Botschaft des Bildes ist klar: Sie kritisiert die Jagd auf unschuldige Tiere.

Dieses Selbstporträt ist das Lieblingsbild von Katharina Jung.
Dieses Selbstporträt ist das Lieblingsbild von Katharina Jung.

Auch wenn dieses Bild das bekannteste ist, so hat sie selbst einen ganz anderen Favoriten: Das Selbstportrait, auf dem ihr die Farbe das Gesicht herunterläuft. „Ich mache das nicht, weil ich mich besonders toll finde, sondern einfach gerne herumexperimentiere. Das war ein ganz simples Bild, das ich mit meiner alten Kamera bei Tageslicht geschossen habe – ohne teures Studio.“

Um eines der Kunstwerke fertigzustellen, benötigt die 21-Jährige im Schnitt zwischen drei und 14 Stunden. „Das ist ganz unterschiedlich, und ich gehe immer nach dem gleichen Muster vor. Bilder schießen, sammeln, Nachbearbeitung.“ Mittlerweile habe sie so etwas wie Routine bekommen, während die ersten Versuche noch wesentlich länger dauerten. „Bei meinem ersten Bild habe ich sieben Stunden am Stück am PC gesessen und habe dann noch meine Cousine angerufen, damit sie sich das Ergebnis anschaut. Sie gab mir Tipps, und wir haben die dann sofort umgesetzt – was auch nochmal Stunden gedauert hat.“

Ihre Cousine und ihre Schwester sind auch die häufigsten Protagonisten in den Bildern. Beim ganzen Drumherum und dem Set-Up der Kulissen hilft ihr ihr Freund Lukas Golumbeck. Katharina plant für die kommenden Monate einen Trip nach Bali und Neuseeland und trifft sich mit Künstlern aus der ganzen Welt. Aktuell nimmt sie am Selbstporträt-Projekt „let`s get creative 2014“ teil, an dem über 400 Künstler aus der ganzen Welt partizipieren. „Jede Woche gibt es ein Thema, das es umzusetzen gilt“, erzählt sie.

Kein Wunder, dass die Bildbearbeitung mittlerweile einen großen Teil ihrer Freizeit einnimmt. Ihre Eltern wissen inzwischen, wann sie wieder auf Tour geht um die kreativen Ideen in die Tat umzusetzen und stehen voll hinter ihrer Tochter. „Mein Papa und meine Mama waren anfangs nicht so begeistert, aber jetzt sind sie auch davon überzeugt.“

Ob die Fotografie mittlerweile ihre große Leidenschaft sei? „Nein“, sagt sie, „das ist mehr als Leidenschaft. Das ist ganz viel von mir.“ (cw)

[td_text_with_title custom_title=“Arbeiten von Katharina Jung (Indpdnt Photart)“][/td_text_with_title][td_text_with_title custom_title=“Info-Box“]Katharina Jung stellt einen Teil ihrer Werke aktuell im Friseursalon „Rosarot-die Friseurin“ in der Maarstraße 48 in Trier aus. Die Ausstellung dauert drei Monate. Wer sich für eines ihrer Werke interessiert, kann sie über ihre facebook-Seite kontaktieren.

Mehr Bilder und Informationen gibt es auf der offiziellen Seite von Katharina[/td_text_with_title]

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4 KOMMENTARE

  1. lokalo und kultur – das ist ja mal was ganz neues.

    schön, dass es noch echte talente in der region gibt. am besten gefällt mir übrigens weder das selbstportät, noch „morning“ sondern die bücher, die um das mädchen herumfliegen. handelt es sich dabei um eine schreibblockade?

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