„Keine kleine Nummer“ – Eggers Spagat bei Tufa und Theater

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Noch wird auf "Tufatopolis" gehämmert und geschraubt - von den Kleinen. Bald jedoch sollen die Großen dort werkeln.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Viel Arbeit für Thomas Egger: Triers Kulturdezernent soll bis zum Herbst einen endgültigen Vorschlag erarbeiten, in welche neue Rechtsform das Trierer Theater überführt wird. Der städtische Kulturausschuss hat am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung erneut darüber beraten. Nach der Sommerpause ist dann der Stadtrat am Zug. Favorisiert wird nach lokalo-Informationen derzeit eine sogenannte „Anstalt des öffentlichen Rechts“ (AÖR) – ähnlich dem Modell der Trierer Stadtwerke. Aber auch die Idee einer GmbH ist noch nicht vom Tisch. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass ein sogenannter „Optimierter Regiebetrieb“ installiert wird – und damit mehr oder weniger alles beim Alten bleibt.

Ob Thomas Egger sich bereits als Kunstturner versucht hat, ist nicht bekannt. Aktuell will Triers Kulturdezernent jedoch den Spagat hinbekommen: Erweiterung der Tuchfabrik in Kooperation mit dem Theater – so lautet die Pflichtaufgabe. Die Werkstätten des Kulturhauses am Augustinerhof sollen auf dem Gelände hinter der Tufa zusammengezogen werden. Dort tummeln sich derzeit noch die Bewohner von „Tufatopolis“, dem Kinderbauprojekt der Tufa. Zu dessen Zukunft hakte die SPD am Mittwoch im Kulturausschuss nach (wir berichteten).

„Tufatopolis“ läuft in diesem Jahr aus. Die Finanzierung ist bis über den Sommer hinweg gesichert. Dann will Egger auf dem Baugrund Nägel mit Köpfen machen. Hilfestellung bei der Kür erhofft er sich etwa von der Europäischen Union. Deren EFRE-Mittel können für Projekte in der regionalen Entwicklung angezapft werden. Beantragen müsste die Stadt die Mittel über das Land. Vorteil: 90 Prozent Förderung sind möglich. „Aber machen wir uns nichts vor, das ist keine kleine Nummer“, sagte Egger am Mittwoch, „das wird ein Millionenprojekt im zweistelligen Bereich für Trier.“

In der kommenden Woche will Egger nach Mainz fahren. Kulturstaatssekretär Walter Schuhmacher ist der Ansprechpartner für den Trierer Dezernenten. Egger will eruieren, inwieweit sich das Land auch an einer Erweiterung der Tufa beteiligen kann. Bisher ist lediglich die Mainzer Zusage bei der Sanierung des Theaters fix. Eggers Idee ist nun, dem Land beides schmackhaft zu machen: Auf dem Gelände von „Tufatopolis“ entsteht ein neues Mehrzweckgebäude, das von Theater und Tufa gleichzeitig genutzt wird.

Damit hätte Egger aus seiner Sicht zwei Probleme gelöst. Die Werkstätten des Theaters, längst zu klein, längst zu unmodern, könnten vom Augustinerhof an die Wechselstraße umziehen. Die in Kürenz und Trier-West ausgelagerten Requisiten und Bühnenbilder ließen sich ebenfalls dort unterbringen. Und die Tufa bekäme möglicherweise die so sehnlichst gewünschte Spielstätte für 250 bis 400 Zuschauer.

Kritiker der Idee sprechen hingegen von Verwässerung: Die Werkstätten des Theaters und die Arsenale könnten durchaus auch an einem anderen Ort in Trier zusammengezogen werden. Zumal sich im engen Areal um Wechsel- und Gervasiusstraße ein weiteres Problem auftut: Wie lassen sich die Werkstätten des Theaters mit großen Transportern erreichen? Die sind nötig, um die Requisiten und schweren Bühnenbilder zum Augustinerhof zu bringen. „Das müssen wir klären“, räumte Egger am Mittwoch ein. Bis Ende September will der Kulturdezernent seine Standortanalyse fertig haben.

Bodenturner mit der Fähigkeit zum Spagat? Thomas Egger hat bis Herbst viel Arbeit vor sich.
Kunstturner mit der Fähigkeit zum Spagat? Thomas Egger hat bis Herbst viel Arbeit vor sich.

Dass Egger nunmehr bei der Zukunft des Areals hinter der Tufa Regie führt, ist unstrittig. Die Kollegin Simone Kaes-Torchiani (CDU) vom Baudezernat ist von der Bühne abgetreten. Sie hatte auf dem Gelände eine Wohnbebauung oder Quartiersgarage favorisiert. Egger hat den kleinen Machtkampf hinter den Rathaus-Kulissen gewonnen, nachdem der Stadtrat ihn im November 2013 beauftragt hatte, nach einer baulichen Alternative für die Theater-Werkstätten zu suchen. Egger arbeitete ein Konzept aus: Das Gelände hinter der Tufa ist sein Favorit.

Apropos Tufa: Dort blühen nach wie vor auch noch eigene Ideen – eine Tufa-Erweiterung ohne den Untermieter „Theater“. Möglich werden könnte das durch die Unterstützung von zwei städtischen Stiftungen. Nach lokalo-Informationen wurden entsprechende Gespräche bereits geführt. So könnte auch „Tufatopolis“ gerettet werden – etwa auf dem Gelände unterhalb der Europäischen Richterakademie. Und die Tufa bliebe Herrin im eigenen Haus. (et)

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2 KOMMENTARE

  1. Wenn die Umsetzung von Eggers Theater-Konzept so lange braucht, wie sein Feuerwehr-Gerätekonzept, dann werden
    a.) die Kinder , die jetzt in Tufapolis spielen hier auch noch mit ihren Enkeln spielen können
    und
    b.) Die Städt. Feuerwehr bald mit dem Stadtbus/Regionalbahn und Eimern ausrücken müssen.

    • Für den Mangel an Feuerwehr -Ausrüstung kann der Dezernent nur bedingt was: es ist doch bekannt, das der Stadtrat die (Pflicht)Aufgabe Feuerwehr so gar nicht interessiert. Der würden doch ganze Stadtteile in Flammen aufgehen lassen, Hauptsache es sitzen 5 Leute im Theater.
      Beispiel: Die Nebenwache Ehrang könnte fast fertig sein, wenn es Herrn Heinrich und seinen Kollegen im Bauausschuß nicht, nach 4 Jahren, eingefallen wäre, das man da ja mal einen Architektenwettbewerb machen kann, der jetzt auch schon 1,5 Jahre andauert, ohne Ergebnisse bisher. Und das für einen Zweckbau, der von einer Autobahn eingerahmt, mitten in einem Industriegebiet liegt.

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