Fachtag am Trierer FSG: „Kulturelle Bildung ist ein Wert”

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Professor Lehmann-Wermser motivierte die Tagungsteilnehmer dazu, "ungewöhnliche Wege zu beschreiten".

TRIER. Welche Möglichkeiten bietet Ganztagsschule für die kulturelle Bildung von Schülern? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Fachtags am Trierer Friedrich-Spee-Gymnasium, an dem rund 50 Lehrer aus ganz Deutschland teilnahmen.

„Kulturarbeit gehört zur Menschenbildung dazu – und in Ganztagsschulen erreicht man Kinder mit entsprechenden Angeboten besonders gut“, sagte Professor Andreas Lehmann-Wermser von der Universität Bremen. Der Kulturwissenschaftler war als Referent zur Tagung ans FSG gekommen, um von seinen Erfahrungen als Musikpädagoge zu berichten. So riet er den Zuhörern – vor allem Kollegen, die im künstlerischen und musischen Bereich tätig sind – unter anderem dazu, „ungewöhnliche Wege zu beschreiten“.

„Wenn Künstler von außen an eine Schule kommen, dann prallen oft unterschiedliche Welten aufeinander. Die Künstler haben meist wildere Ideen als die Kunstlehrer vor Ort. Schüler sind dann oft besonders motiviert, weil sie die ‚freie Kunst‘ besser spüren können“, so der Bremer Professor.

Kunst-Projekte zu initiieren, koste allerdings oft viel Überzeugungsarbeit innerhalb eines Kollegiums. Doch das lohne sich: „Auch wenn man sie nur schwer messen kann, ist kulturelle Bildung an sich ein Wert“, betonte Lehmann-Wermser. „Hier spielt auch die Frage eine Rolle, welche Bereiche für eine Gesellschaft wichtig sind. Und die Bedeutung der kulturellen Bildung ist in unserer Gesellschaft unbestritten.” Untersuchungen hätten auch Hinweise darauf ergeben, dass kulturelle Arbeit das Klima an einer Schule verbessern könne: „Die Schüler entdecken sich in ihren Produkten wieder, wenn diese beispielsweise in der Schule ausgestellt sind. Sie fühlen sich wohl und heimisch in der Schule.“

Einer der Tagungsteilnehmer, selbst Musiklehrer an einem Trierer Gymnasium, berichtete von seiner Erfahrung, dass viele Schüler durch die Arbeit in künstlerischen Arbeitsgemeinschaften Selbstbewusstsein erlangten, das ihnen in der Schule, aber auch im späteren Berufsleben weitergeholfen habe.

Künstler Sebastian Böhm berichtete von den Erfahrungen, die er bei seiner Arbeit am FSG gemacht hat.
Künstler Sebastian Böhm berichtete von den Erfahrungen, die er bei seiner Arbeit am FSG gemacht hat.

Wie kulturelle Arbeit an einer Schule konkret aussehen kann, das schilderte im Anschluss der Künstler Sebastian Böhm, der seit vergangenem Jahr ein eigenes Atelier am Friedrich-Spee-Gymnasium führt, in dem die Schüler frei arbeiten können. „Artist in spe(e)“ nennt sich dieses Projekt. „Mein Anliegen ist es nicht, junge Künstler hervorzubringen, sondern die Schüler für die Kunst zu motivieren“, differenzierte Böhm. Er habe festgestellt, dass die Schüler „eine hohe Identifikation mit dem besitzen, was sie machen”.

Das bestätigte auch Nicole, die das FSG und häufig auch das Künstler-Atelier besucht: „Wir arbeiten dort sehr gerne und haben große Freiheiten – denn wir bekommen keine Noten auf das, was wir tun.“ Wie das Kunst-Projekt am FSG in den entsprechenden Fachbereich integriert ist, erklärte Kunst-Lehrer Stefan Philipps: „Beide Seiten – Schule und Künstler – ergänzen sich optimal. Der Kunstlehrer muss den Lehrplan erfüllen, der Künstler schafft für die Schüler einen Raum zur Entschleunigung.“

Eine zentrale Frage bei der Umsetzung von solchen Kunst-Projekten wie am FSG sei natürlich auch die der Finanzierung, sagte Schulleiter Kajo Hammann: „Als Friedrich-Spee-Gymnasium haben wir hier gezielt Prioritäten gesetzt, auch wenn der Schulträger das Projekt leider nicht unterstützt – außer der Gestellung des Raumes. Wir wollen das Leben von außen in die Schule holen und unseren Schülern diesen Freiraum geben.“ (red)

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