HGT-Schulleiter erhöht Druck auf Birk – „Betrieb nicht mehr gewährleistet“

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Am Trierer HGT ist laut Schulleiter Borschel ein angemessener Schulbetrieb nicht mehr zu gewährleisten.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Der Schulleiter des Trierer Humboldt-Gymnasiums (HGT), Ralph Borschel, hat in einem Brief an die zuständige Beigeordnete Angelika Birk (Grüne) massive Kritik an der Politik des Dezernats geübt. Er sehe sich aufgrund der fatalen Raum- und Sporthallensituation „nicht mehr in der Lage, die in der Dienstordnung vorgesehenen Aufgaben zu erfüllen, da das Raumangebot des Gebäudes dies nicht mehr zulässt“. Der Brief wurde Birk und den Stadtratsfraktionen am Mittwoch übergeben. Am heutigen Freitag sagte Borschel gegenüber lokalo: „Die Situation ist teilweise noch schlimmer, als in dem Schreiben dargestellt.“

Trotz vieler Bemühungen und Vorschläge habe sich an der ungenügenden Raum- und Sporthallensituation in der Schule nichts geändert, schreibt Borschel. Nach den Auflagen zum Brandschutz habe sich die Situation zudem noch weiter verschärft. Bis zur Fertigstellung des zweiten Rettungsweges dürfe die Aula nur noch von maximal 100 Personen genutzt werden. Diese erneute Einschränkung sowie die bisher bereits bestehenden Raumprobleme führten dazu, dass „ein angemessener Schulbetrieb nicht mehr zu gewährleisten ist“.

Borschel fordert in seinem Schreiben, „dass die Stadt Trier ihren Pflichten als Schulträger nachkommt und ein der Größe der Schule angemessenes Raumangebot zur Verfügung stellt“. Sollte dies nicht geschehen, „sehen wir uns gezwungen, ab dem Schuljahr 2015/2016 nur noch mit drei Eingangsklasse zu starten, um dann mittelfristig die Schülerzahl an die Größe des Gebäudes anzupassen“. Der HGT-Schulleiter fordert zudem, „dass schnell Lösungen gefunden werden – beispielsweise in Zusammenhang mit dem Robert-Schuman-Gebäude in unmittelbarer Nähe“.

„Wir haben etliche Eingaben beim zuständigen Dezernat gemacht“, so Borschel am Freitagmorgen gegenüber lokalo, „aber bisher hat sich einfach nichts getan.“ So könne es nicht weitergehen, sagte der Schulleiter, „weil die Situation inzwischen einfach untragbar und für alle unerträglich ist“.

AfD will sich „stark machen“

Die neue Stadtratsfraktion der „Alternative für Deutschland“ (AfD) hat sich am Freitag in einer Pressemitteilung zum Thema geäußert. „Während die Integrierte Gesamtschule erst kürzlich aus einem 1,1-Millionen-Euro-Fonds des Landes Rheinland-Pfalz allein 655.000 Euro abgriff, wird die Situation für Schulen wie das Humboldt-Gymnasium in Trier immer bedrohlicher“, schreibt die AfD.

„Wir fordern deshalb ein komplettes Umdenken zugunsten der übrigen Schulen in Trier. Unter ideologiefreier Politik verstehen wir die Gleichbehandlung aller Schulen in Trier, ohne Lieblingsprojekte des Landes auf Kosten der Schüler, Lehrer und Eltern zu bevorzugen“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Die Situation im Humboldt-Gymnasium müsse sich umgehend verbessern, will die Stadt Schülern und ihren Eltern Zukunftsperspektiven bieten. Gerade für eine Universitätsstadt sei es beschämend, die Infrastruktur der Trierer Schulen so verkommen zu lassen und die Zustände völlig zu ignorieren, so die AfD.

„Neben den uns zu Verfügung stehenden Mitteln innerhalb unserer Stadtrats-Fraktion werden wir uns darüber hinaus für das HGT stark machen. Insbesondere ist uns daran gelegen, eine Öffentlichkeit für ein Problem zu schaffen, das bisher gekonnt vom zuständigen Dezernat unter Führung von Angelika Birk ignoriert wurde“, kündigt die Fraktion an. (red/et)

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Das nächste Schulproblem in Trier

14 KOMMENTARE

  1. Wenn man sieht, welche Summen in rot-grüne Lieblingsprojekte wie Gesamtschule und Ganztagsbetreuung gesteckt werden, dann fällt es schwer, hinter der stiefmütterlichen Behandlung des HGT keine politischen Absichten zu vermuten. Offensichtlich will man die jetzt die Gymnasien jetzt ähnlich ausbluten lassen wie zuvor die Hauptschulen.
    Dass die Stadt trotz mehrmaliger Aufforderung der Schule ihrer Verpflichtung zur Sicherstellung eines normalen Unterrichtsbetriebs nicht nachkommt, ist skandalös. Schüler und Lehrer müssen darunter leiden, dass man im Schuldezernat entweder nicht will oder nicht kann – wobei schwer zu entscheiden ist, welche von beiden Varianten die schlimmere ist. Auf jeden Fall muss hier schnellstens Abhilfe geschaffen werden, denn gerade die Gymnasien sind tragende Säulen unseres Bildungssystems. Es ist verantwortungslos, hier tatenlos zuzuschauen, wie die Qualität der Bildung unter einer unzureichenden Raum- und Materialausstattung massiv leidet. Im Übrigen kann es nicht sein, dass eine ideologische Bevorzugung bestimmter Schularten zu einer Ungleichbehandlung unserer Kinder führt. Die Schüler des HGT haben den gleichen Anspruch auf gute Unterrichtsbedingungen wie alle anderen Schüler der Stadt Trier auch.

  2. Wirklich saniert wurden scheinbar nur das Namensschild und die Außenfassade. Schüler berichten von uraltem Equipment, die Fenster sind zum Teil viele Jahrzehnte alt. Wenn saniert wird, dann auf Kosten der Eltern, die Klassenräume selbst renovieren.

    Schüler der Oberstufen müssen auf eigene Kosten z.T. bis zur Arena fahren, um am Sportunterricht teilnehmen zu können. Mit der gleichen Energie, mit der die unsinnige Umbenennung des Hindenburg-Gymnasiums damals voran getrieben wurde, hätte man sich vielleicht auch dem Innenleben und der Ausstattung der Schule widmen sollen.

    Aus einem 1.1 Mio. Euro schweren Fonds des Landes RLP für die Schulen in Trier erhielt die IGS 655.000 Euro, die übrigen Schulen durften sich den Rest teilen. Das HGT bekam aus diesem Fonds nichts:

    1. IGS 655.000 Euro (Erweiterung und Umbau)
    2. Auguste-Viktoria-Gymnasium 200.000 Euro (Umbau)
    3. Ambrosius-Grundschule 65.000 Euro (Umbau)
    4. Friedrich-Wilhelm-Gymnasium 50.000 Euro (Brandschutz)
    5. Grundschule Tarforst 50.000 Euro (Erweiterung)
    6. Private Berufsschule St. Helena 50.000 Euro (Brandschutz)

  3. Schon zu meiner Abitur-Zeit waren die Räumlichkeiten des HGT höchstens gehobenes Mittelmaß. Meinen Abiturnoten und meinem weiteren Lebensweg hat dies jedoch keinen Abbruch getan.
    Meines Erachtens klagt man allgemein formuliert doch auf sehr hohem Niveau. Die aktuellen Gegebenheiten sollten zwar nicht unter den Teppich gekehrt werden, jedoch gebe ich zu bedenken, dass dieser Sachverhalt auch nicht als Grund für schlechte Abiturnoten herhalten darf.

  4. Wie sieht das eigentlich rechtlich aus?
    DIe Stadt kann keine räumlich sichere Schule gewährleisten?
    Darf ich mein Kind da abmelden?
    Wie sind die Rechtsgrundlagen?

  5. Es geht nicht nur um die Qualität der Räume, sondern schlichtweg um deren Quantität. Selbst die ADD hat der Schule bestätigt, dass vierzehn (!!) Klassenräume für einen ordnungsgemäßen Betrieb fehlen. Wie soll man da Unterricht organisieren? Und wenn wegen Raummangel ständig Unterricht ausfallen muss, geht das unweigerlich zu Lasten der Bildung.

    • Wenn es nur der Raummangel ist, dem ist schnell abgeholfen: Die Ehemalige Robert-Schuhmann-Schule in der Kaiserstr. steht leer. Ebenso kann man Räumlichkeiten im Rathaus und im Theater nutzen.
      Eigentlich alles Lösungen, die , so man den will, innerhalb eines Vormittags umzusetzen möglich ist.

      • Genau das ist Lösungsvorschlag des HGT, auf den im Dezernat jedoch nicht eingegangen wird. Es ist eigentlich unbegreiflich. Wenn man sich jedoch ansieht, dass in der IGS weitere Kapazitäten geschaffen werden, während das HGT aus allen Nähten platzt, muss man nicht lange überlegen wohin die Reise gehen soll.

  6. Wenn alle Amtsleiter der Verwaltung so mutig wären an die Öffentlichkeit zu gehen wie der Schulleiter um Missstände nicht mehr hinzunehmen, wer weiß, vielleicht könnte Frau Schrage noch Leben?

  7. Wird Zeit das der Frau Birk mal das Handwerk gelegt wird…..Seit Jahren verfolgt sie eine Schulpolitik die in anderen Bundesländern als gescheitert angesehen wurde….Sie hatte die Bürger/in in Trier Nord belogen und betrogen um ihre Ansicht durch zusetzen ohne Rücksicht auf die Opfer….unseren Kinder…. Ich werde mir zu Aufgaben machen das Sie uns aus dem Stadtteil nicht mehr verarschen kann……

  8. @ Michael Frisch
    Apropos Quantität: Die Schule wurde als dreizügige Schule gebaut. Seit Jahren werden aber so viele Schüler angenommen, dass sie vierzügig belegt ist. Logisch, dass dann der Platz vorne und hinten nicht reicht. Aber warum werden so viele Schüler angenommen? Damit in der Oberstufe noch genug Schüler übrig sind für eine Dreizügigkeit? Gibt es eine Genehmigung von der ADD als Aufsichtsbehörde für diese geübte Praxis? Haben Sie sich schon mal diese Fragen gestellt?
    Wären nämlich immer „nur“ eine Anzahl von Schülern gem. der dreizügigen Gegebenheiten dort angenommen worden, wäre das jetzige Raumproblem nicht aufgetreten!

    • Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt: Wie teilen sich die Schüler anteilsmäßig auf die herkunftsorte Trier und Landkreis auf?
      Zur Erinnerung: Weder die VGs Ruwer, Tr-Land und Kell unterhalten Gymnasien. Tr-Land nur Grundschulen. Sprich: Alle diese VGs sparen enorme Mittel bei den Schulen ein, die diese dann für andere Dinge wie günstiges Bauland und Vereinsförderung übrig haben.

        • Das ist eine hoher Anteil.
          Aber Trier-Gesamt gesehen ist der Anteil der Land-Kinder höher als 15 %.
          Vom Grundsatz muss gelten: Zuerst die Trier-Kinder und dann kann, soviel Kapazität ist, mit Land-Kindern aufgefüllt werden. Wenn voll, dann voll. Warum sollen wir im armen Trier die Probleme des reichen Landkreises und der VGs lösen?

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