Chefsache Jensen: Frisches Geld für Trier-West

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Der letzte Block in der Gneisenaustraße in Trier-West darbt seit Jahren vor sich hin.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Neue Perspektive für Trier-West: Der Stadtteil ist offiziell in das Programm „Stadtumbau“ des Landes aufgenommen worden. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt 700.000 Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“ für Trier-West nicht abgerufen. Jetzt schaltet sich das Land über sein Programm „Stadtumbau“ direkt ein. Am Freitag wollen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD), Staatssekretär Günter Kern (SPD) aus dem Mainzer Innenministerium sowie Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) im Jobcenter in der Gneisenaustraße weitere Einzelheiten bekannt geben. Die Sozialdezernentin der Stadt, Angelika Birk (Grüne), wird an dem Pressegespräch nicht teilnehmen. Birks Amt hatte für 2013 keine entsprechende Projektierung vorgelegt, um die Fördermittel aus dem Topf „Soziale Stadt“ abrufen zu können.

Großer Bahnhof an der Peripherie: Die Ministerpräsidentin, ein Staatssekretär, die Baudezernentin und der Oberbürgermeister bitten für Freitag zum Gespräch nach Trier-West. Jensen scheint die Entwicklung in Trier-West inzwischen zur Chefsache gemacht zu haben. Die Klagen aus dem Stadtteil häuften sich zuletzt. Immer wieder sah sich der OB mit Beschwerden konfrontiert – unter anderem durch den alten und neuen Ortsvorsteher Horst Erasmy (CDU). Zuletzt war sogar der gesamte Ortsbeirat über die Parteigrenzen hinweg gegen die Stadt auf die Barrikaden gegangen (wir berichteten). Kritikpunkte hier: Die städtischen Wohnungen sind in einem erbarmungswürdigen Zustand; im gesamten Gneisenau-Areal ist kaum eine positive Entwicklung festzustellen.

Letzter, unrühmlicher Höhepunkt in der schier unendlichen Geschichte der Benachteiligungen von Trier-West: Das zuständige Sozialdezernat von Angelika Birk (Grüne) hatte für 2013 kein zuschussfähiges Projekt vorgelegt. So blieben die 700.000 Euro Fördermittel im Topf des Programms „Soziale Stadt“ – wurden eben nicht für Trier-West abgerufen. Ob für 2014 Projekte in Bearbeitung sind, ist derzeit ebenso ungeklärt wie die Frage, ob die grüne Bürgermeisterin in dieser Sache überhaupt noch Regie führt. Nach lokalo-Informationen deutet sich derweil eine Konzentration im Rathaus an: Die Programme „Stadtumbau“ und „Soziale Stadt“ könnten in einer Hand zusammengeführt werden – etwa unter der Regie des Oberbürgermeisters selbst oder unter dem Dach des Baudezernats.

Vor allem die städtischen Wohnungen im Irminenwingert sind in einem erbarmungswürdigen Zustand.
Auch die städtischen Wohnungen im Irminenwingert sind in einem erbarmungswürdigen Zustand.

Die Aufnahme in das Programm „Stadtumbau“ basiert vornehmlich auf dem Masterplan für Trier-West von 2010. Federführend damals: Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Die jetzt zu erwartenden Städtebauförderungsmittel sind Teil eines Maßnahmenpaketes, das aktuell zur Stärkung der Investitionsfähigkeit der Oberzentren zwischen der Stadt Trier und der Landesregierung abgestimmt wird. Über die Höhe der Mittel für Trier-West wollten weder die Stadt noch das Innenministerium am Dienstag nähere Angaben machen. Sie sollen jedoch im hohen sechsstelligen Bereich liegen.

2013 hatte Mainz für das Programm „Stadtumbau“ zwölf Millionen Euro bereit gestellt. Davon brachte der Bund 4,3 Millionen, das Land 7,7 Millionen Euro auf. Insgesamt 21 Projekte wurden gefördert – unter anderem in Kaiserslautern, Koblenz, Nierstein, Worms und Zweibrücken. Gefördert werden nach Angaben des Ministeriums „städtebauliche Anpassungsmaßnahmen in Gebieten, die von erheblichen städtebaulichen oder wirtschaftsstrukturellen Funktionsverlusten bedroht oder betroffen sind“. Die Gelder dienen demnach ferner „zur Herstellung nachhaltiger städtebaulicher, wirtschaftlicher oder technologischer Strukturen und zur Stärkung der Innenstadtbereiche“. Beide Kriterien treffen auf Trier-West ohne Einschränkung zu. (et)

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21 KOMMENTARE

    • Immer schön die Obergenossen loben, gell?
      Der neue Nürburgring ist auch toll und der Hahn und das Schlosshotel Bad Bergzabern und das WM-Stadion des Zweitligisten … (*würg)

  1. Jaja. Seit Jahren absoluter Stillstand im Dezernat Jensen, und jetzt, Monate vor Ende die große Durchzündung?
    Es ist ja üblich, einem Ex-OB eine Straße zu Widmen. Ich überlege schon die ganze Zeit , welche man dafür holen könnte. Es gibt da an die Anforderungen nur 2 Möglichkeiten: Entweder eine Sackgasse oder eine Einbahnstraße, welche aus der Stadt rausführt.

  2. Sich nach dem jahrelangen ‚Wegmoderieren‘ oder plattem Ignorieren nun für längst Überfälliges feiern zu lassen, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Aber, weshalb auch Hektik verbreiten, im Schammatdorf ist es ja so schön kuschelig und überhaupt… ‚Trier-West’…führt da eigentlich ein Fahrradweg hin?

  3. Wirklich sehr erfreulich. Nur, warum erfahre ich das als altes und neues Mitglied des Ortsbeirates von Trier-West/Pallien erst jetzt und ausschließlich durch Ihren Artikel ?

  4. Auch ich bin altes und neues Mitglied im Ortsbeirat Trier-West/Pallien .. ich kann mich noch erinnern, dass seinerzeit Herr Jensen, als er sich als neuer Oberbürgermeister beim Ortsbeirat vorstellte, gesagt hat, dass die andere Moselseite bei ihm oberste Priorität habe. Schön, dass er sich jetzt, zum Ende seiner Amtszeit, wieder daran erinnert hat.

  5. Das ist doch immer wieder spannend wie das in unserer Stadt läuft. Da fahren Vertreter*innen des Sozialdezernates gemeinsam mit Mitarbeiter*innen des Baudezernates nach Mainz, stellen die Pläne vor und erwirken zusätzliche Mittel. Den politischen „Rahm“ schöpft dann unser Oberbürgermeister ab. Die Lokal(o)-Presse in Unkenntnis dieser Vorgänge, lobt ihn dann auch brav für seine Chefqualitäten. Das Fehlen der Sport- und Sozialdezernentin, die während der Pressekonferenz weiterarbeitet und den Postsportverein besucht wird süffisant in einen nicht vorhandenen Zusammenhang gebracht. Und zum Schluss bringt man nochmal die Mär vom Geld was nicht nach Trier floss, dabei hat Mainz längst bestätigt, dass das Geld auch weiterhin zur Verfügung steht. Am Ende ist es mir herzlich egal, woher das dringend benötigte Geld für die Weiterentwicklung von Trier-West kommt. Ich freue mich über jeden Euro, den Klaus Jensen, Angelika Birk, Simone Kaes-Torchiani, oder Thomas Egger einwerben. Aber gemeinschaftliche Leistungen und Erfolge sind anscheinend nur bei der Fußball-WM toll, im richtigen Leben braucht man Zoff für Quote.

  6. Habt nur keine Hoffnung, das Geld versickert entweder in der Verwaltung oder es werden lustige Piktogramme auf den Asphalt davon gepinselt.

    • oder rechtsanwälte für verlorene Prozesse davon bezahlt.wie man so hört macht das zur zeit weit über 100000 eu pro jahr. oder etwa nicht herr conermann?

    • Ganz genau, die Eurenerstraße ist so breit, die wird zur Einbahnstraße mit Radwegen in beide Richtungen gemacht!
      Wer Leute wie Jensen oder Birk in Ämter hievt, dem ist nicht zu helfen. Selbst der Holkenbrink hätte Besseres für unsere Stadt vollbracht als der „Macher“ (*Lacher!)

      • Ich denke auch, sonst hätten zumindest der Ortsvorsteher und der Ortsbeirat eine Einladung bekommen. Wird so sein, wie fast immer. Egal, welche Einwände gebracht werden, sie werden dann übersehen.

        • Liebe Ulla, das verstehen Sie vollkommen falsch:
          Natürlich werden ALLE Einwände der Bürger in einem aufwändigen Verfahren durch die Stadtverwaltung genaustens geprüft und von allen Blickwinkeln beleuchtet und Diskutiert, bevor sie abgelehnt werden. Sehr schön dokumentiert im Bürgerhaushalt (www.trier-mitgestalten.de)

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