Alle lieben Mats – und leiden mit

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Sarah und Sarah ganz entspannt.

Bildquelle: lokalo

TRIER. Für viele Fußballfans hat die WM in Brasilien mit dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft erst so richtig begonnen. Für mindestens genauso viele wohl erst nach diesem Spiel. Denn die große Begeisterung mochte sich trotz des 4:0 (3:0)-Sieges gegen Portugal noch nicht einstellen.

Ich bin umgeben von vier Frauen aus Trier, die geradezu wild entschlossen sind, den „richtigen Auftakt“ der WM zünftig zu feiern. Mit einem deutschen Sieg natürlich. Bis auf Sarah (blond/27), alle dem Anlass entsprechend gekleidet – mit deutschem Trikot. Die eine oder andere auch mit den deutschen Nationalfarben dekoriert. Besonders dezent und gerade deshalb besonders auffällig geschminkt, ist Anna (30), mit schwarz-rot-goldenem Lidschatten.

Den ersten Aufschrei gibt es schon in der zweiten Minute, als Mario Götze nach einer Boateng-Flanke eine Chance per Kopf hat. „Aahh“ und „Oohh“, als Lahm gegen Ronaldo den Ball verliert, Sekunden später ein kollektives Stöhnen, als Khedira knapp verfehlt. Dann, die elfte Minute, Foul (?) an Götze, Elfmeter von Gerd, ääh, Thomas Müller, 1:0. „Jaa, jaaa, jaaaa.“ Einige auf der Terrasse am Stockplatz sind sogar aufgesprungen, zwei schwenken Fahnen. Dann wieder setzen. Enthusiasmus sieht anders aus!

Zumindest neben mir ist wenig später die Hölle los. Mats Hummels, O-Ton Eva (25) „der Geilste“, erzielt per Kopf das 2:0. Ihre Augen leuchten, „Mats“, schwärmt sie, „Mats.“ So ganz nebenbei: Eva ist solo. Sagt sie. Aber, Männer, es hilft euch nicht weiter. Die schöne Blonde schwärmt eben für Mats. Obwohl der Dortmunder Frauenschwarm ganz weit weg ist – nicht nur, weil er in Brasilien und sie in Trier ist.

Gelassenheit statt Anspannung bei den Fußballfans am Stockplatz.
Gelassenheit statt Anspannung bei den Fußballfans am Stockplatz.

Kurzeitig ist der Ton weg. Der ebenso fatalistische wie treffende Kommentar von Anna – die mit dem schwarz-rot-goldenen Lidschatten: „Besser als kein Bild.“ Das Bild ist gleich wieder da und Pepe weg vom Fenster. Rot wegen Tätlichkeit. Sarah (schwarzhaarig/26), die Schweigsamste der Frauencombo kommentiert: „Geschieht im Recht.“ Noch vor der Halbzeit rappelt es zum dritten Mal im Portugiesen-Karton. Wieder Müller. Eva, die eigentlich für Mats schwärmt, outet sich: „Den Müller finde ich gut.“

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Längst sehe ich das Spiel auch mit anderen Augen. Durch die Frauenbrille sozusagen. Mesut Özil, der bestenfalls einen seiner durchschnittlichen Tage erwischt hat, scheitert mit einem Dribbling. Einen kleinen Bonus bei Anna hat er noch: „Ett ist gut, datt en da iss.“ Damit kann ich noch leben. Sarah I fügt wenig schmeichelhaft hinzu: „Immer, wenn er was falsch macht, fallen ihm fast die Augen aus dem Kopf.“

Wenig später scheitert Götze mit einer Großchance. Eva: „Dem gönne ich auch kein Tor. Der ist mir zu gelackt.“ Wahrscheinlich nicht die ganze Wahrheit. Wer Hummels vergöttert, ist vermutlich auch Dortmund-Fan. Anna bestätigt: „Der hätte nicht zu Bayern wechseln dürfen. Das war nicht in Ordnung.“

Auch am Viehmarkt ist die Lage kurz vor Spielbeginn noch übersichtlich.
Auch am Viehmarkt ist die Lage kurz vor Spielbeginn noch übersichtlich.

Längst sind die Kommentare, die die vier jungen Damen von sich geben, mindestens so interessant wie das vor sich hinplätschernde Spiel. Das hat nur noch einen Höhepunkt zu bieten. Nein, nicht das 4:0. Sie ahnen es schon – die Verletzung von Mats Hummels. Eva leidet mit dem Dortmunder, der humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld geführt wird. „Mats muss ausgewechselt werden. Hoffentlich fällt er nicht fürs nächste Spiel aus.“ Ich mache es noch schlimmer. „Der macht bei dieser WM kein Spiel mehr, der hat bestimmt einen Kreuzbandriss.“ Das Entsetzen steht Eva im Gesicht geschrieben. „Oh nein, hoffentlich nicht. Das wäre so traurig.“

Dann ist ein Spiel zu Ende, von dem ich nicht weiß, ob „wir“ es gewonnen haben, weil wir so gut waren oder Portugal so schlecht.

„Jaaa“, sagt Anna ein bisschen wehmütig, „wie schön war das doch 2006. Diese Begeisterung, diese Euphorie, und dieses Wetter.“ Und dann, fast flehend: „Vielleicht werden die Leute jetzt munter. Ich hoffe, beim nächsten Spiel unserer Jungs ist dann wieder die Hölle los. Wie damals.“

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