Erhöhter Puls: Offener Blick ins neue technische Herz

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Ob das Wetter zum "Tag der offenen Tür" hält? SWT-Vorstand Arndt Müller schaut skeptisch zum Himmel. Die OB-Kandidaten von SPD und CDU, Wolfram Leibe und Hiltrud Zock, begutachten die Hallen auf dem alten Ehm-Gelände ebenso wie Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Weitere Bilder in der Fotogalerie unten.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Noch wuchert hier und da das Unkraut, fehlt die frische Farbe, riecht es nach Leerstand. Doch man braucht nicht viel Phantasie, um sich die nahe Zukunft vorzustellen. Die Stadtwerke Trier (SWT) investieren einen zweistelligen Millionenbetrag im Trierer Norden – in ihren neuen Energie- und Technikpark auf dem Areal der ehemaligen Ehm-Papierfabrik unterhalb des Grünebergs. Am 24. Mai titelte lokalo: Millionen-Projekt im Trierer Norden. Am Samstag gab der Energielieferant bei einem Presserundgang zum „Tag der offenen Tür“ für Mitarbeiter der SWT und Stadtverwaltung den Blick auf seine technische Zukunft frei. Fotogalerie am Ende des Artikels.

Christian Reinert gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er in und von seinen neuen Hallen spricht. Der 37-Jährige ist der Architekt der SWT. Unter Reinerts Regie soll bis 2019 das technische Herz der Stadtwerke im Trierer Norden seinen Pulsschlag von Jahr zu Jahr steigern. Immer wieder beschreibt er mit weit ausholenden Armbewegungen in die noch gähnende Leere der riesigen Räume hinein die Vision vom Energie- und Technikpark. „Wir haben einen ambitionierten Zeitplan“, sagt Reinert, „aber wir werden das schaffen.“

Zahlen über Zahlen, Fakten, Fakten und wieder Fakten – zu viele, um sie mit wenigen Wörtern zu beschreiben. Die erzeugen in den hohen und weiten Hallen ein Echo, das die Zuhörer über Umwege erreicht. 31.000 Quadratmeter neue Grundstücksfläche. 140.000 Kubikmeter umbauter Raum. 27.000 Quadratmeter Hallennutzfläche. Gesamte Entwicklungsfläche: 62.000 Quadratmeter. Für Reinert ein Eldorado der fast unbegrenzten Möglichkeiten – eine neue Dimension in der wirtschaftlichen Entwicklung des Trierer Energielieferanten.

Im Trierer Norden entsteht in den nächsten fünf Jahren ein technischer Knotenpunkt. Weil auch die Stadt ihre so genannten „Schaufelämter“ dort zusammenzieht. Weil zudem der Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) sich in unmittelbarer Nähe niederlässt. Weil ferner eine neue Zufahrtsstraße von 500 Metern Länge gebaut wird. Weil nicht zuletzt die nachhaltige Energiewirtschaft aus regionalen Ressourcen forciert werden soll. Mehr als zehn Millionen Euro lassen sich die Werke das kosten. Der Zweckverband investiert eine ähnlich hohe Summe in sein Areal auf der anderen Seite der Bahnlinie.

Luftballons zum "Tag der offenen Tür" - auch die Helfer in der Grünebergstraße waren fleißig.
Luftballons zum „Tag der offenen Tür“ – auch die Helfer in der Grünebergstraße waren fleißig.

Rund 150 Mitarbeiter der SWT werden bis 2019 von der Ostallee nach Kürenz umziehen. Das ist nicht nur eine logistische Herausforderung im Groß-Projekt, sondern birgt in sich auch eine psychologische Komponente. Der gewohnte Gang zur Mittagspause in die nahe Innenstadt ist dann Geschichte. Von Trier-Nord aus sind die Wege weiter. „Deswegen haben wir unsere Mitarbeiter von Anfang an in das Projekt eingebunden“, hatte SWT-Vorstand Arndt Müller schon Ende Mai gesagt. Der „Tag der offenen Tür“ für alle Mitarbeiter von SWT und städtischen Schaufelämtern am Samstag mit kulinarischen Leckereien diente auch dazu, den künftigen Arbeitsplatz schmackhaft zu machen.

Dass der neue Energie- und Technikpark zudem eine politische Dimension hat, wurde am Samstag ebenfalls deutlich. Die drei Trierer OB-Kandidaten Hiltrud Zock, die als Parteilose für die CDU antritt, Wolfram Leibe (SPD) und Fred Konrad (Grüne) informierten sich vor Ort ebenso wie CDU-Chef Bernhard Kaster, die neue Ortsvorsteherin von Pfalzel, Margret Pfeiffer-Erdel, Grünen-Vorstand Thorsten Kretzer sowie weitere Stadtrats- und Ortsbeiratsmitglieder.

Neue Perspektive für Riveris-Siedlung

Für die rund 40 Bewohner der Riveris-Siedlung bleibt die von der Stadt ausgesprochene Bestandsgarantie ohne Einschränkung bestehen. Die städtischen Wohnungen, in denen vornehmlich Sinti und Roma leben, grenzen unmittelbar an den neuen Energie- und Technikpark der SWT. „Die Menschen in der Siedlung sind für uns Nachbarn“, sagte Architekt Reinert, „und daran soll sich von unserer Seite aus auch nichts ändern.“

Die Siedlung, die in den 1960er Jahren gebaut wurde, verfällt allerdings seit Jahren und bietet ein ähnlich erschreckendes Bild wie die städtischen Wohnungen im Irminenwingert in Trier-West. Von den ursprünglich 60 Wohnungen in sechs Komplexen stehen heute die meisten leer. Renovierungen oder Sanierungen durch das städtische Sozialdezernat, das die Wohnungen betreut, wurden in der letzten Jahren ebenfalls nicht durchgeführt.

Nach lokalo-Informationen könnte sich jedoch durch den Energie- und Technikpark auch eine neue Perspektive für die Sinti und Roma ergeben. Mehrmals ist den Bewohnern durch die Stadt ein Umzug in neue Wohnungen in Aussicht gestellt worden. Keine 500 Meter Luftlinie vom jetzigen Standort entfernt böte sich eine neue Heimat für die Bewohner an. Der alte Kürenzer Sportplatz liegt brach, die oberhalb liegende Grüneberghalle ist ohnehin abrissreif. Dort könnten die Sinti und Roma in bewohnbaren Häusern eine neue Heimstatt finden. (et)

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4 KOMMENTARE

  1. Ist schon seltsam. Als die Firma Ehm vor Jahren einen LKW gerechten Straßenanschluss wollte war dies aus Städtischen-verkehrsplanerischen-gründen nicht möglich. Folge, Einstellung der Produktion und Arbeitslose. Die Fläche lag jetzt Jahre brach, nun kommt die SWT und der Straßenanschluss ist kein Problem. Es kommt immer auf den Antragsteller an, oder wie ist soll ich das verstehen?

  2. Wieso kauft die SWR = Stadt hier ein neues Areal, wo sie doch in Euren, also viel Zentraler noch riesige hallen zur Verfügung hat. Wenn man die mit der leerstehenden Jägerkaserne/ Kreiswehrersatzamt verbindet , ist hier mehr als genug platz für Bertriebshof/Lager SWT + Betriebshof Tiefbauamt + Betriebshof Grünflächenamt + Betriebshof Sportamt + Verwaltung aller Techn. Ämter = Technisches Rathaus.

  3. Der Bolzplatz (ehem. Sportplatz) ist nicht, oder nur mit enormen Aufwand mit Gebäuden bebaubar!
    Dies haben Baugrunduntersuchungen ende der 90er ergeben( stand so auch im TV), als es um den Neubau der Siedlung bzw. die Errichtung eines Komb. Bürger-und Feuerwehrhauses an diese Stelle ging.
    Grund: darunter befindet sich eine in den 70ern stillgelegte Müllhalde.

  4. Ich weiß nicht wie lokalo dazu kommt die am Grüneberg liegende Turnhalle als „ohnehin abrissreif“ zu bezeichnen. Fakt ist, dass die Turnhalle z.Zt. wegen (ja schon wieder das böse Wort) Schimmelbefall gesperrt ist. Eine Schadensanalyse muss kommen und dann kann entschieden werden wie es weitergeht.
    Da Hallenzeiten für Sportvereine in Trier eh rar gesät sind, sollte die Turnhalle nicht schon totgeredet werden bevor eine genaue Analyse vorliegt.

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