Ein Abend der Selbstverständlichkeit

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Dirigent und Sologeiger in einer Person. Guy Braunstein mit den Trierer Philharmonikern.

Bildquelle: Gerhard W. Kluth

TRIER. Das erlebt man nicht häufig. Das Stadttheater lädt zum Sinfoniekonzert und es gibt mehr Interessenten für eine Karte, als es Plätze gibt. So mussten ein paar Musikfreunde wieder nach Hause gehen und konnten einen großartigen Abend nicht miterleben.

Von Gerhard W. Kluth

Gestern wurde über Facebook ein Bild im Internet gepostet. Zu sehen waren die Bratscher der Trierer Philharmoniker. Lachend und offensichtlich bester Laune. Der Kommentar zum Bild lautete, dass die Stimmung bei der Generalprobe zum siebten Sinfoniekonzert hervorragend gewesen sei. Diese gute Stimmung hatte sich bis zum Abend gehalten, als die Musiker vor ausverkauftem Haus wieder auf die Bühne kamen. Unter der Leitung von Guy Braunstein stand zunächst die Sinfonie Nr. 33 von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Die Heiterkeit, mit der dieses KV 319 im Stadttheater erklang, war schlicht ansteckend. Locker und gelöst ließen die Musiker die vier Sätze lebendig werden, ohne dabei die Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Diese Mixtur ergab genau das, was einen guten musikalischen Vortrag ausmacht. Den gestellten Ansprüchen mit großer Selbstverständlichkeit gerecht und dabei den Eindruck vermitteln, dass diese Komposition nur so klingen kann.

1886 verfasste der belgische Komponist César Franck die Sonate A-Dur für Violine und Klavier. Ein besonderer Edelstein im kammermusikalischen Schaffen dieses Meisters, der in erster Linie durch seine Orgelwerke bekannt wurde. Braunstein brachte diese Sonate in einer Fassung für Flöte und Orchester mit nach Trier, die der Cellist Doron Toister arrangiert hat. Die Solopartie übernahm Gili Schwarzman, Braunsteins Ehefrau. Was für die Mozartsinfonie galt, setzte sich hier nahtlos fort. Solistin und Orchester musizierten mit eine selbstverständlichen Leichtigkeit, die den Empfindungen, die Franck in dieses Opus eingearbeitet hat, eine sehr breite Plattform geschaffen wurde. Insbesondere im zweiten Satz schufen die Dialoge zwischen Schwarzman und den Philharmonikern den Boden, auf dem Leidenschaft und Lyrik gedeihen und aufblühen konnten. Man kann sich immer fragen, ob es sinnvoll ist, große Werke wie diese Sonate umzuarbeiten und für andere Instrumentierungen einzurichten. Manchmal gelingt es, etwas Neues zu schaffen, manchmal geht es daneben. In diesem Fall ist es gelungen und, wie man in Trier erleben durfte, die Konzertwelt durch einen wertvollen Beitrag bereichert worden.

13 Jahre lang war Braunstein erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Das alleine belegt schon, dass er als Geiger ein Meister seines Faches sein muss. Dass dem auch tatsächlich so ist, davon konnte man sich nach der Pause überzeugen, als das Violinkonzert D-Dur von Ludwig van Beethoven auf dem Programm stand. Braunstein hatte hierbei als Dirigent und Solist eine Doppelfunktion und wurde, was die Orchesterleitung angeht, von der Trierer Konzertmeisterin Lea Kottner-Entchev unterstützt. Nach seiner Uraufführung kritisierte man das Opus 61 als überladen und ermüdend für die Zuhörer. Außerdem galt es lange Zeit als unspielbar und technisch viel zu anspruchsvoll. Unverständlich, muss man nach der Aufführung in Trier sagen. Nichts war überladen, nichts war ermüdend. Ganz im Gegenteil. Es war ein anregendes Vergnügen, diesem Werk zu folgen und sich von Braunstein durch das Notengeflecht führen zu lassen. Es war geradezu spannend, zu erleben, wie sich der Solist immer wieder aus dem Gesamtklang des Orchesters löste und dessen Passagen kommentierte. Und auch hier erlebte das Publikum, wie die technischen Ansprüche, die Beethoven stellt, mit einer verblüffenden Leichtigkeit gemeistert wurden. Am Ende konnte man nur sagen: Ja, genau so muss ein Sinfoniekonzert sein.

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