UN-Klimakonferenz in Bonn – Teil 2: Wo sind die Minister?

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Der Plenarsaal der Klimakonferenz in Bonn. Für jeden Umweltminister von Afghanistan bis Western Sahara ist ein Platz beschildert. Doch viele Plätze blieben leer.

Bildquelle: Marilena Häring

BONN/TRIER. Am Donnerstag, 5. Juni, kamen erstmals seit dem Bestehen der Klimaverhandlungen die Minister der Mitgliedsstaaten während eines Arbeitstreffens der Unterorgane der Klimaverhandlungen im Juni zusammen. Oder besser: sie sollten zusammenkommen. Denn nicht alle Minister waren anwesend: Der Stuhl der deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) blieb leer. Die angekündigten ambitionierten Vorstöße der USA und Chinas lassen jedoch ein Vorankommen der Verhandlungen erhoffen.

Von Marilena Häring

Dass der Klimawandel voranschreitet, wird heute kaum noch angezweifelt. Allein der Anstieg von Extremwetterverhältnissen und die steigende Anzahl von Umweltkatastrophen sind ein Indiz dafür, dass sich die Natur so schnell verändert, wie sie es noch nie zuvor getan hat. Das vergangene Jahrzehnt war das bisher wärmste, was jemals von Wissenschaftlern gemessen wurde. Allein von 1880 bis 2012 stieg die Welttemperatur um 0,85 Grad Celsius.

Auswirkungen bleiben nicht aus: Für jedes Grad steigender Temperatur sinkt der landwirtschaftliche Ertrag um 5 Prozent. Mais, Weizen und große Teile der Ernten haben in den letzten 20 Jahren deutliche Einbußen zu verzeichnen – weltweit. Ozeane haben sich erwärmt, Polareis ist abgeschmolzen und der Ozeanlevel ist um ganze 19 Zentimeter angestiegen in den letzten 100 Jahren. Bis das ewige Eis endgültig geschmolzen ist wird es noch einige Jahrhunderte dauern, die Veränderungen aber sind jetzt schon spürbar.

Im Juni 1992 wurden in Rio, Brasilien der Grundstein für die Klimakonferenzen gelegt und gleichzeitig die Weichen für ein internationales Klimaabkommen für die Reduzierung von Treibhausgasen gestellt. Am 11. Dezember 1997 wurde schließlich das Kyoto-Protokoll beschlossen, welches 2005 in Kraft trat. In diesem Protokoll verpflichteten sich die Staaten innerhalb der ersten Periode (2008-2012) jährlich 5,2 % des Treibhausgas-Ausstoßes im Vergleich zum Ausgangsjahr 1990 zu reduzieren. Schwellen- und Entwicklungsländer sind davon ausgenommen. Nach 2012 konnte bisher noch keine Einigung für ein neues, rechtsgültiges Abkommen getroffen werden.

Dies hätte Aufgabe der vergangenen Gipfel sein sollen, welche sich in den letzten Jahren jedoch oftmals durch diplomatischen Stillstand auszeichneten. Durch den Rückzug der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch die USA verloren die anderen Staaten einen ihrer wichtigsten Mitspieler und gleichzeitig den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen (rund 25 Prozent). Begründet wurde dies von Seiten der USA stets mit den Ausnahmen, die das Protokoll für Schwellen- und Entwicklungsländer bereitgestellt hatte, inklusive für China.

Die Konferenz in Warschau im Herbst 2013, sollte eigentlich mit großen Schritten zu einem neuen internationalen Klimaabkommen führen, war jedoch durch Kompromisse auf kleinstem Nenner geprägt. Daraufhin verließen rund 800 Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen demonstrativ den Gipfel, um ein Zeichen zu setzen: so nicht! Im Kohleland Polen hatten die Regierungsmitglieder die ohnehin geringen Erwartungen noch unterboten.

Protest gegen das Fernbleiben vieler Minister.
Protest gegen das Fernbleiben vieler Minister.

Daran anknüpfend versuchten junge Delegierte aus der ganzen Welt am Donnerstag ein Signal an die Delegierten der Konferenz zu senden: „Where are the ministers?“ (Wo sind die Minister) riefen sie in der Halle des Maritimhotels in Bonn. Die Konferenz der Minister, welche dieser Tage das erste mal seit dem Bestand des United Nations Framework Conference on Climate Change (UNFCCC) auf den Zwischenkonferenzen in Bonn tagt, ist das höchste Entscheidungsorgan der Vereinten Nationen in Bezug auf die Klimakonferenzen. Die meisten Minister waren zum Unmut der Jugendlichen nicht anwesend, um über die Ratifizierung des zweiten Teils des Kyotoprotokolls zu sprechen. Auch der Stuhl der Deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks blieb unbesetzt.

Es gibt aber auch Hoffnung auf mehr Dynamik der Prozesse der diesjährigen Junisession. Vor Beginn des Kongresses verkündeten die USA und darauffolgend auch China, konkrete Ziele für die Einsparung von CO2 zu verfolgen zu wollen. Die Ankündigung Chinas, eine absolute Emissionsobergrenze einzuführen bewertete Germanwatch sogar als möglichen Wendepunkt in den internationalen Klimaverhandlungen.

„Die USA und China sorgen nun für Dynamik in der internationalen Klimapolitik. Die EU muss diesem Beispiel folgen und mit wirklich ambitioniertem Klima- und Energiezielen für 2013 nachlegen. Europa droht vom ehemals wichtigsten Klimavorreiter zum größten Klimabremser zu werden“, erklärte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch vergangenen Dienstag.

Das Argument, man könne nicht handeln, weil die USA und China keinen Klimaschutz betrieben, ist nun nicht länger haltbar.

Zur Person

Marilena Anna Häring, geboren am 31.07.1991 in Wiesbaden, hat nach dem Abschluss des Abiturs (2011) ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Nichtregierungsorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) absolviert und engagiert sich seit einigen Jahren vielseitig im Umwelt- und Naturschutz. Während des FÖJ’s rief sie unter anderem eine Demonstrationsform für junge Menschen, die Silent Climate Parade Mainz, ins Leben.
Heute studiert sie Politikwissenschaften an der Universität Trier, ist Vorsitzende der BUNDjugend Rheinland-Pfalz und darf aktuell als Teil der deutschen Jugenddelegation (Friends of the earth Europe) am internationalen Klimagipfel der Vereinten Nationen (UNO) in Bonn teilnehmen.

1 KOMMENTAR

  1. Das ist nicht korrekt. Umweltministerin Hendricks war am Freitag sehrwohl bei der UNFCCC in Bonn.

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