UN-Klimakonferenz in Bonn – Teil 1: Die Zukunft gehört der Jugend

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Silent Climate Parade 2014, Klimaschutzdemo in Mainz

Bildquelle: Sabine Yacoub , Judith Häring

BONN/TRIER. Am gestrigen Mittwoch, 4. Juni, wurde die jährliche Klimazwischenverhandlung der Vereinten Nationen in Bonn eröffnet. 10 Jugendliche aus Deutschland befinden sich mitten unter den mehreren Tausend Delegierten und setzen sich für ein effektives Klimaabkommen ein, welches schon 2015 in Paris verabschiedet werden soll. Bis zum 15. Juni werden sie von ihren Eindrücken und Erfahrungen bei den Vereinten Nationen berichten. lokalo-Mitarbeiterin Marilena Häring ist eine von ihnen.

Von Marilena Häring

Wir schreiben das Jahr 2014. Es ist ein historisches sondergleichen: 100. Jahrestag des Ausbruchs des 1. Weltkriegs, 75 Jahre sind seit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs vergangen, vor 65 Jahren wurde das Grundgesetz verkündet und seit 25 Jahren ist Deutschland wieder vereint. Dann kamen wir ins Spiel: Die Generation Y, geboren zwischen 1980 und 2000. Wir wuchsen in einer Zeit auf, die friedlicher scheint und mehr Wohlstand verspricht als jede andere zuvor. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Wir können das genießen, was vorherige Generationen für uns erkämpft haben.

Während Eltern und Großeltern oftmals schon ihr Geschichtsbuch zugeklappt haben, sind wir diejenigen, die jetzt Verantwortung übernehmen müssen, um unseren Kindern und folgenden Generationen eine ebenso unbeschwerte Kindheit und eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Wir, das sind einige junge Menschen, die sich der wohl der größten Herausforderung unserer Zeit und der der nachfolgenden Generationen annehmen möchten: Dem Klimawandel.

Als Teil der deutschen Jugenddelegation und zusammen mit jungen Aktiven aus der ganzen Welt, möchte ich euch berichten, was wir in diesen Tagen hier in Bonn auf dem internationalen Klimagipfel der Vereinten Nationen erleben dürfen, meine Eindrücke schildern und Charaktere vorstellen. Wenn Persönlichkeiten wie Ban Ki Moon (Generalsekretär der Vereinten Nationen) sich während des Klimagipfels in Warschau persönlich die Zeit nehmen, um mit den Jugenddelegationen aus der Welt zu sprechen, dann ist dies nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine besondere Wertschätzung des Engagements junger Menschen.

Jede Generation, die heranwächst, hat neue Blickwinkel, neue Ideen, ist unerfahren, aber auch unvoreingenommen. Unsere Aufgabe muss es sein, Fragen zu stellen – denn nur durch Fragen lernt man dazu, bildet sich selbst, stößt Debatten an, bewirkt ein Innehalten, ermöglicht Veränderung.

Geht’s euch noch ganz gut?

Die Autorin während der Silent Climate Parade 2014
Die Autorin während der Silent Climate Parade 2014

Das Wort „Gutmensch“ ist zurzeit in aller Munde, was es bedeutet, weiß allerdings kaum jemand zu beschreiben. Meist wird der Begriff negativ verwendet, um eine Person zu beschreiben, die anderen unter die Nase reibt, wie sie ihr Leben zu ändern haben, damit sie sich „besser“ verhalten. Oder sie tun in den Augen Anderer demonstrativ „Gutes“, um aufzufallen.
Klimaschutz betreiben bedeutet nervig zu sein, Gewohnheiten zu hinterfragen, Lebensstile zu verändern, Neues auszuprobieren. Ein Wandel ist dringend notwendig, da wir seit Jahren über unsere Verhältnisse leben und es bisher nicht danach aussieht, als ob sich dieser Trend von alleine wieder umkehren ließe.

Jedes Handeln, welches vollzogen wird, ist nur ein einzelner Baustein in einer Handlungskette. Jedes Produkt beispielsweise, welches wir Supermarkt kaufen können, unterstützt eine bestimmte Art und Weise der Produktion, die einen bestimmten Grad an Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung hat. Entweder wir kaufen Brötchen beim Bäcker oder von einer Handelskette, wir müssen uns zwischen Bio- und konventionellen Lebensmitteln, zwischen einem T-Shirt aus fairem Handel oder dem von H&M entscheiden.

Wir als Konsumenten können viel mit einem Umdenken bewirken. Um aber den Klimawandel noch einigermaßen eindämmen zu können und das Maximalziel von 2 C° Erderwärmung einzuhalten, müssen wir mehr fordern: ein internationales, verbindliches Klimaabkommen, in dem sich ausnahmslos alle Staaten verpflichten, diese Richtlinien auch einzuhalten.

Wer, wenn nicht wir selbst, machen den Unterschied?

In dem Prozess, die Welt verändern zu wollen, verändern man hauptsächlich eines: sich selbst.
Man erkennt an, dass wir selbst, die Welt in der wir leben, unser Verhalten, unsere Vorstellungen und unsere Körper nicht perfekt sind. Man sieht welche Auswirkungen das eigene Handeln hat, schaut nicht weg und übernimmt Verantwortung anstatt sie abzugeben.
Der Erhalt unserer Umwelt, welche die Grundlage unseres Lebens darstellt, muss ein gleichwertiges Ziel neben Sicherheit und Wohlstand in unseren Gesellschaften werden, denn Klimawandel hat Auswirkungen auf den gesamten Planeten, er geht uns alle an.

Verfolgt mit uns zusammen den Klimagipfel, erzählt davon, bleibt neugierig, schaut nicht weg, seid interessiert statt genervt, gestaltet mit uns Zukunftsideen… stay tuned! (bleiben Sie dran)

Zur Person

Marilena Anna Häring, geboren am 31.07.1991 in Wiesbaden, hat nach dem Abschluss des Abiturs (2011) ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Nichtregierungsorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) absolviert und engagiert sich seit einigen Jahren vielseitig im Umwelt- und Naturschutz. Während des FÖJ’s rief sie unter anderem eine Demonstrationsform für junge Menschen, die Silent Climate Parade Mainz, ins Leben.
Heute studiert sie Politikwissenschaften an der Universität Trier, ist Vorsitzende der BUNDjugend Rheinland-Pfalz und darf aktuell als Teil der deutschen Jugenddelegation (Friends of the earth Europe) am internationalen Klimagipfel der Vereinten Nationen (UNO) in Bonn teilnehmen.

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